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Vitamin-B12-Mangel

Die meisten Betroffenen sind Fleischesser/-innen

B12 – kein anderes Vitamin hat in jüngster Zeit solch kontroverse Diskussionen unter vegetarisch und vor allem vegan lebenden Menschen verursacht wie dieses.
Hilmar Steppat sprach für natürlich vegetarisch mit Thomas Klein über sein kürzlich erschienenes Buch «Volkskrankheit Vitamin-B12-Mangel – Falsche Theorien und wirkliche Ursachen».

Interview des Vegetarierbunds Deutschlands e.V. mit Thomas Klein, Autor von «Volkskrankheit Vitamin-B12-Mangel».

B12-TablettenVitamin B12-Tabletten für Veganer sind zum Beispiel bei www.puritan.com erhältlich.
(Lieferung auch in die Schweiz)

Was war Ihr Beweggrund zum Schreiben dieses Buches?

Es heisst überall, man müsse Fleisch essen, um seinen Bedarf an Vitamin B12 zu decken, und Vegetarier müssten, wenn sie ihre Ernährung schon nicht ändern wollten, wenigstens Vitamin-B12-Präparate einnehmen. Doch diese Behauptungen sind falsch, und mein Ziel war die Klarstellung und die Zusammenfassung des Wissens über Vitamin B12 und Vitamin-B12-Mangelerkrankungen.

Also ist es nicht notwendig, Fleisch zu essen, um einen Vitamin-B12-Mangel zu vermeiden?

Nein. Die meisten Vitamin-B12-Mangelpatienten sind Fleischesser.
Fleisch enthält zwar Vitamin B12, aber die übliche fleischreiche gutbürgerliche Kost schädigt aufgrund der Übersäuerung bei vielen Menschen langfristig die Magen- und Darmschleimhäute, sodass das in der Nahrung befindliche Vitamin B12 früher oder später nicht mehr aufgenommen werden kann. Dann nützt es auch nichts, grosse Mengen an Fleisch und Fisch zu essen, an Käse, Quark oder Eiern. Auch ist es vergeblich, Vitamin-B12-Präparate zu schlucken, wenn die Aufnahme blockiert ist.

Woher bekommen Vegetarier ihr Vitamin B12?

Zunächst ist festzuhalten, dass nur Bakterien Vitamin B12 bilden können. Das Vitamin B12 im Fleisch der Schlachttiere stammt von deren Bakterien im Verdauungskanal.
Ebenso kann die Bakterienflora im Verdauungskanal des Menschen Vitamin B12 bilden, wenn die Nahrung ausreichende Spuren von Kobalt enthält. Die pflanzenfressenden Tiere leiden nicht unter einem Vitamin-B12-Mangel, sonst wären sie längst ausgestorben und mit ihnen die Fleischfresser. – Übrigens überleben bei vegetarischer Kost auch die früchtefressenden Affen, die in ihrer Ernährungsphysiologie dem Menschen sehr ähnlich sind. Nebenbei sei gesagt, dass selbst Pflanzen Spuren von Vitamin B12 enthalten können, wenn sie auf humusreichen Böden gewachsen sind. Dieses Vitamin B12 wird von den Bodenbakterien gebildet und von den Pflanzen aufgenommen.

Aber es heisst doch, dass viele Vegetarier unter einem Vitamin-B12-Mangel litten? Wie ist das zu erklären?

Viele Vegetarier leiden in der Tat an einem Vitamin-B12-Mangel. Das liegt aber nicht an der vegetarischen Kost an sich, sondern an einer falschen vegetarischen Ernährung. Der Vitamin-B12-Mangel trifft übrigens nicht nur Pudding- und Pralinenvegetarier, sondern oft genug auch Müesli- und Brotvegetarier sowie jene, die viel Pflanzenöl und Margarine essen. Weshalb das so ist, habe ich in meinem Buch beschrieben. Ausserdem nehmen auch viele Vegetarier aggressive Substanzen auf, welche die Schleimhäute in Magen und Darm mit der Zeit schädigen, wodurch letztlich die Aufnahme von Vitamin B12 blockiert werden kann. Man denke nur an die Gerbsäuren im Kaffee, in schwarzem oder grünem Tee oder an die Chlorogensäure im Kaffee. Die Liste der magen- und darmschädigenden Substanzen ist lang. So reizt und schädigt Salz auf Dauer die Schleimhäute – man streue sich nur Salz in eine offene Wunde und man bekommt eine Vorstellung davon, was die Schleimhäute bei Salzkost aushalten müssen. Deshalb sollte man sich beim Salz stark zurückhalten oder am besten ganz darauf verzichten. Eine noch stärkere Reizwirkung als Salz üben scharfe Gewürze aus.
Ebenso kann Alkohol die Vitamin-B12-Aufnahme beeinträchtigen. Die grösste Gefahr geht jedoch von zahlreichen Arzneimitteln aus, die äusserst aggressive Substanzen enthalten.

Wie sollte sich ein Vegetarier ernähren, um einen Vitamin-B12-Mangel zu vermeiden?

Die Ernährung, die uns allgemein gesund erhält, verspricht in der Regel auch eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12. Obst und Gemüse dürfen nicht nur als Beikost gegessen werden, sondern müssen als Grundnahrungsmittel betrachtet werden.

Unter Vegetariern heisst es oftmals, man solle Spirulinaalgen schlucken, um seinen Vitamin-B12-Bedarf zu decken. Was ist davon zu halten?

Spirulina wie auch andere Algen enthalten Substanzen, die dem Vitamin B12 ähneln und deshalb die Rezeptoren der Zellen für die Aufnahme des Vitamins B12 blockieren. Wer also täglich Spirulina isst, kann durchaus das Gegenteil dessen bewirken, was er eigentlich beabsichtigt.

Ist Vitamin-B12-Mangel weit verbreitet?

Ja, besonders bei älteren Menschen. Untersuchungen zeigen, dass in Altersheimen mitunter bis zu 40 Prozent unter einem Mangel leiden. Das Problem besteht darin, dass der Mangel oftmals nicht erkannt wird, weil viele Ärzte und Heilpraktiker nicht mit den Verdachtsmomenten vertraut sind und deshalb den Mangel übersehen. Verhängnisvollerweise werden dann alle möglichen unsinnigen Therapien und Medikamente verschrieben, die den Zustand des Kranken nur noch weiter verschlimmern.

Welche Symptome deuten auf einen Vitamin-B12-Mangel hin?

Vitamin B12 ist für viele Prozesse im Körper lebensnotwendig, etwa zur Gesunderhaltung der Nervenfasern und des Gehirns. Die Beschwerden und Krankheiten eines Mangels können vielfältig und schwerwiegend sein, unter anderem Antriebsschwäche, Apathie und Lustlosigkeit, Anämie, frühzeitiges Ergrauen der Haare, beschleunigte Alterung, allgemeiner gesundheitlicher Verfall, Depressionen, psychische Störungen, Vergesslichkeit und Gedächtnisschwund, Abnahme des geistigen und körperlichen Leistungsvermögens, Demenz, Senilität, unerklärliche Schmerzen infolge einer Nervenschädigung, Missempfindungen, Taubheitsgefühle, Hör- und Sehstörungen, Muskelzucken und Zittern, Inkontinenz, multiple Sklerose und Parkinson-Krankheit – um nur einige Krankheitserscheinungen zu nennen.

Was ist bei Verdacht auf einen Vitamin-B12-Mangel zu tun?

Der Vitamin-B12-Status ist unverzüglich mit einer sicheren Methode zu überprüfen. Entscheidend ist dabei das von den Zellen verfügbare Vitamin B12. Bei rechtzeitiger Diagnose und umgehender Beseitigung des Mangels sind selbst schwere Erkrankungen heilbar. Leider wird ein Test viel zu selten veranlasst und die Krankheitsursache bleibt unerkannt bestehen. Ausserdem werden immer noch Analysemethoden mit extrem hoher Fehlerwahrscheinlichkeit durchgeführt wie etwa der Blutserum-Test, obwohl inzwischen verlässliche Methoden Stand der Labormedizin sind.

Was ist zu tun, wenn ein Vitamin-B12-Mangel wirklich nachgewiesen ist?

Meist ist die Aufnahme des Vitamins blockiert, sodass weder rohe Leber noch Lebertran oder Präparate den Mangel beheben können.
Das Vitamin muss gespritzt werden.

Sollte es nicht erst einmal mit einer Ernährungskorrektur versucht werden?

Dazu ist es oftmals zu spät. Die Schädigung der Schleimhäute hat Jahre und Jahrzehnte gebraucht; dann hat es weitere Jahre gedauert, bis sich die Speicher in der Leber erschöpft haben. Wenn sich die ersten Krankheitserscheinungen infolge eines Mangels bemerkbar machen, ist sofortige Behebung des Mangels mittels Spritzen geboten, um bleibende Schäden etwa an den Nerven abzuwenden. Dennoch sollte die Ernährung unbedingt korrigiert werden, damit sich die Magen- und Darmschleimhaut wieder regenerieren kann und sich der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten verbessert.

Was möchten Sie abschliessend unseren Leserinnen und Lesern empfehlen?

Jeder ist gut beraten, sich über das Vitamin B12 zu informieren, um bei Verdacht eines Mangels sofort die richtigen Massnahmen ergreifen zu können, ohne kostbare Zeit zu verlieren und womöglich bleibende Nervenschäden hinnehmen zu müssen. Leider sind es zu wenige Ärzte und Heilpraktiker, die sich hinsichtlich eines Vitamin-B12-Mangels auskennen. Man kann sich also nicht darauf verlassen, dass der konsultierte Arzt Bescheid weiss.
Angesichts der weiten Verbreitung des Vitamin-B12-Mangels können wir mit diesem Wissen viel Segen stiften – in der Familie und bei Bekannten. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob ein Sechzigjähriger noch weitere 25 Jahre ein aktives und erfülltes Leben führen kann oder ob er aufgrund eines unerkannten Vitamin-B12-Mangels schwere Nervenschäden erleidet, zunehmend der Demenz verfällt und schliesslich die letzten Lebensjahre gepflegt werden muss.

Aus: natürlich vegetarisch, Frühling 2008, www.vebu.de

Sally M. Pacholok, Could it be B12?Kommentar der SVV zum B12:

Zum Vitamin B12 gibt es viele sehr unterschiedliche Meinungen. Von «das ist doch überhaupt kein Problem» bis «alle Vegetarier haben einen B12-Mangel». Beide Seiten können ihre Vorurteile jedoch nicht wissenschaftlich belegen.
Es gibt sowohl lebenslange Veganer, die noch nie einen B12-Mangel hatten, als auch Veganer, Vegetarier und Fleischesser, die sich B12 spritzen lassen mussten, um bleibende Nervenschäden zu verhindern.
Ob jemand Fleisch konsumiert oder nicht, kann also zumindest nicht das einzige Kriterium für einen B12-Mangel sein (ganz abgesehen davon, dass die Supermärkte keine B12-Tabletten verkaufen würden, wenn diese nur für die wenigen Veganer nötig wären).
Thomas Klein bezieht sich in seinem Buch hauptsächlich auf das nebenstehende englischsprachige Werk aus den USA. Darin wird darauf hingewiesen, dass rund 40 Prozent aller US-Amerikaner über 40 einen gefährlich niedrigen B12-Wert haben (und dies meist nicht wissen).
Es ist natürlich nicht klar, ob diese Zahl auch auf Europa übertragbar ist. Jedoch stimmt es, dass auch europäische Ärzte kaum informiert sind über die Symptome eines B12-Mangels (vor allem wenn der bei Fleischessern verbreitete Folsäuremangel fehlt). Wodurch das wahre Ausmass dieses Problems im Dunkeln bleibt.
Informierte Ärzte denken zwar bei einem veganen Patienten daran, dass bestimmte Symptome mit einem B12-Mangel zu tun haben könnten, bei fleischessenden Patienten ist dies aber noch höchst selten der Fall. Dies verzerrt das Bild und lenkt von der Tatsache ab, dass unsere heutige Ernährungsweise, die hauptsächlich auf hochreiner industriell hergestellter Nahrung beruht, einen Hauptgrund des Problems darstellt. Dafür spricht auch, dass vegane Rohköstler, die auch viele frisch gesammelte Wildkräuter essen, praktisch nie einen B12-Mangel bekommen. Und dies vor allem ein Problem der Industriestaaten ist.
Weitere Informationen dazu finden Sie im Vegi-Info 2005/1.

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 17.6.2013

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