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Das Fleisch der Reichen …

Ist Fleisch ein Nahrungsmittel, das wir uns angesichts der weltweiten Nahrungsmittelknappheit noch leisten können?

Sinkende Getreidereserven und steigende Getreidepreise erschweren unzähligen Menschen in der Dritten Welt den Zugang zu Grundnahrungsmitteln zusätzlich. Für weltweit 854 Millionen Hungerleidende ist dieser Kampf um das Überleben trauriger Alltag, denn jedes Jahr sterben 8 Millionen Menschen an Hunger; das sind über 20000 am Tag – zum grössten Teil Kinder.

Hunger und Armut in der Dritten Welt

Dabei ist es nicht so, dass einfach zu wenig Getreide für alle Menschen vorhanden wäre, im Gegenteil: In den letzten Jahren wurde so viel Getreide produziert wie noch nie zuvor!
Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Wohin verschwindet das ganze Getreide, wenn immer mehr Menschen an Hunger leiden?

Aufteilung der Welt-Getreideernte
Menschliche Nahrung 1006 47 %
Futtermittel 754 36 %
Industrie (Stärke, Süssstoff) 260 12 %
Biotreibstoff, Ethanol 100 5 %
Total (Mio. Tonnen): 2120 100 %

Sündenbock Ethanol

Oft hört man in der letzten Zeit etwas vom Biotreibstoff, der für die Verschwendung des Getreides verantwortlich sein soll.
Aber wie gross ist der Anteil von Biotreibstoff gemessen am Weltgetreideverbrauch tatsächlich?
Im Jahr 2007 standen insgesamt 2120 Mio. Tonnen Getreide zur Verfügung. Davon wurden für die Produktion von Biotreibstoff gerade einmal 100 Millionen Tonnen verwendet. 1006 Mio. Tonnen sind für die menschliche Nahrung bestimmt und 260 Mio. Tonnen für die Industrie zur Verarbeitung zu Stärke oder Süssstoffen. Die restlichen 754 Mio. Tonnen werden als Futtermittel für die Nutztiere verwendet.1
Ein Drittel der Weltgetreideproduktion wird also an Nutztiere verfüttert und genau da liegt das Problem. Denn die Produktion von Fleisch verschlingt Unmengen von natürlichen Ressourcen wie Wasser, Land und eben auch Futtermittel. Von dem verfütterten Getreide setzt ein Rind gerade mal 10% der Kalorien auch tatsächlich in Fleisch um. Die restlichen 90% benötigt das Tier für sich selbst, um seinen Organismus am Leben zu halten. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Wenn ein Rind mit 10 Kilogramm Getreide gefüttert wird, benötigt es 9 Kilogramm, um seinen Stoffwechsel am Laufen zu halten, und gerade mal 1 Kilogramm ist dann noch für den menschlichen Verzehr übrig. Wenn das nicht eine gigantische Verschwendung kostbarer Nahrungsmittel ist! Mit diesen über das Tier vernichteten Kalorien könnte ein Vielfaches an Menschen ernährt werden.

«Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heisst, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.»
Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für das Recht auf Nahrung 2

Warum bemerkt man diese Verschwendung erst heute?

Durch den steigenden Wohlstand in den aufsteigenden Industrienationen wie China und Indien (zusammen etwa 2,4 Milliarden Einwohner) verändern sich auch deren Ernährungsgewohnheiten. Kamen früher einfache Gerichte auf den Tisch, so verlangen die finanziell besser gestellten Chinesen und Inder immer mehr nach Fleisch- und Milchprodukten. So hat sich der Milchkonsum in China in der Zeit von 1995 bis 2005 verdreifacht. Und der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao schwärmt: «Ich habe einen Traum: Jeder Chinese, zuerst die Kinder, sollte eines Tages täglich einen halben Liter Milch trinken können.» Durch das gewaltigste Schulmilchprojekt der Welt, das bald jedem chinesischen Kind seine tägliche Ration Gratismilch sichern soll, setzt der Ministerpräsident diesen Wunsch dann auch gleich in die Tat um. Aber auch der weltweite Fleischkonsum hat sich in den letzten 10 Jahren um fast 70 Millionen Tonnen erhöht – Tendenz weiter steigend. Nicht umsonst steht das weltweit grösste McDonald’s-Restaurant in Peking.
Je mehr die Nachfrage nach Fleisch steigt, desto mehr steigt auch der Bedarf der Tierindustrie an Soja und Futtergetreide wie Mais, Gerste, Hafer und Weizen. Die Folge davon ist, dass die Preise für diese Grundnahrungsmittel in die Höhe steigen und sich die Armen diese Grundnahrungsmittel nicht mehr leisten können. Durch den Fleischkonsum steigen also nicht nur die Getreidepreise direkt, sondern auch die Preise für andere Grundnahrungsmittel.
Chris-Oliver Schickentanz, Experte für den globalen Getreidehandel bei der Dresdner Bank, schätzt den Anteil, den der erhöhte Fleischkonsum an den steigenden Agrarpreisen hat, auf 85 bis 90 Prozent. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen für Biosprit mache seiner Meinung nach nur maximal 15 Prozent aus.

«Der erhöhte Fleischkonsum macht einen Anteil von 85 bis 90 Prozent an den steigenden Agrarpreisen aus.»
Chris-Oliver Schickentanz, Dresdner Bank 3

Dabei könnte man nach einer Einschätzung der Welternährungsorganisation allein mit der jährlich produzierten Weizenmenge die gesamte Weltbevölkerung ernähren. Auch Jean Mayer, Ernährungswissenschaftler an der Harvard-Universität, ist davon überzeugt: «Durch eine Reduktion der Fleischproduktion allein in den USA um 10% könnte so viel Getreide eingespart werden, wie zur Versorgung von 60 Millionen Menschen notwendig ist.»
Was es braucht, ist eine Veränderung unseres Ernährungsbewusstseins. Es ist längst nicht mehr so, dass unsere Ernährungsentscheidung keinen Einfluss auf unsere Umgebung hat – im Gegenteil: Die bewusste Entscheidung, was wir essen – oder nicht essen – kann für ein Kind in der Dritten Welt lebensrettend sein.

Bernadette Raschle

Fussnoten:

  1. NZZ, 11. April 2008: «Immer mehr Getreide und immer mehr Hunger»
  2. In seinem 2005 erschienenen Buch «Das Imperium der Schande».
  3. Die tageszeitung: «Geld macht Hunger», 17. April 2008.

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Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 25.11.2016

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