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Die Schweiz: zu klein für den Klimawandel?

Umweltverbände wie Greenpeace oder WWF argumentieren, dass in der Schweiz der Individualverkehr und die Energieproduktion grösseren Einfluss auf das Klima haben als der Fleischkonsum. Da Verkehr und Energieverbrauch in der Schweiz sehr hoch sind, stimmt dieses Verhältnis für die Schweiz vermutlich. Doch stimmt auch die Schlussfolgerung daraus?

Die Argumentation hat einen Haken: Selbst wenn die Schweiz vollständig auf alternative Energien und öffentlichen Verkehr umstellen würde, hätte dies kaum einen Einfluss auf das Weltklima.1 Deshalb ist der Hauptgrund für eine Umstellung der Schweizer Energiepolitik und Verkehrspolitik (nebst lokaler Entlastung der Umwelt) einerseits die Vorbildwirkung auf andere Staaten und andererseits der Ansporn für die Industrie zur Entwicklung neuer umweltschonenderer Technologien.
Diese beiden Argumente müssen jedoch ebenso für den Ernährungsbereich gelten:
Solange die reiche Schweiz der Welt zeigt, dass man viel Fleisch essen soll, wenn man es sich leisten kann, wird dieses Vorbild von den ärmeren Staaten übernommen.
Die heutige Politik subventioniert einseitig die Fleischwirtschaft und investiert nichts in die Entwicklung guter Fleischalternativen. Der Ernährungsansatz wird vorsätzlich ignoriert, obwohl die Entwicklung und Förderung umweltschonender Nahrungsmittel genauso wichtig wäre wie die Entwicklung umweltschonender Technologien.

Das Klima kennt keine Landesgrenzen.

Produktion wichtiger als Transportweg

Lokal einkaufen ist bei verantwortungsbewussten Konsumenten längst selbstverständlich. So kann man heute in vielen Läden sogar Werbung für lokal produziertes Fleisch sehen. Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh sind nun der Frage nachgegangen, was den grösseren Einfluss auf die Umwelt hat: der Transportweg oder die Art der Produkte.
Die Resultate mögen viele erstaunen: Obwohl Lebensmittel in den USA im Schnitt mehr als 1640 Kilometer zurücklegen, wenn sie von der Fabrik in die Geschäfte gebracht werden, macht dies nur vier Prozent an den Treibhausgas-Emissionen aus. Selbst wenn man den ganzen Lebenszyklus der Nahrungsmittel ansieht, kommt man zwar im Schnitt auf rund 6760 Kilometer, doch im Verhältnis zur Produktion der Lebensmittel ist auch dies nur rund ein Zehntel der Treibhausgasemissionen.
Doch selbst wenn man den Transport isoliert betrachtet, ist Fleisch ein Problem: Da man zuerst das Futter für die Tiere produzieren und transportieren muss, erhält man für den ganzen «Lebenszyklus» des Fleisches, vom Futtermittelanbau bis zum Konsumenten, einen durchschnittlichen Transportweg von 20400 Kilometern, also rund dreimal mehr als im Durchschnitt aller Nahrungsmittel.
Viel entscheidender ist also, welche Produkte man kauft, und nicht, woher sie stammen. Dabei wurde auch (einmal mehr) festgestellt, dass Rindfleisch, Milch und Milchprodukte bei der «Produktion» die meisten Klimagase erzeugen.
Wer also etwas für die Umwelt tun will, sollte sich in erster Linie überlegen, welche Nahrungsmittel er einkauft. Wenn man dann noch zu lokal angebauten pflanzlichen Nahrungsmitteln greift, die biologisch produziert wurden, wäre dies natürlich optimal. Das Wichtigste ist jedoch, den Konsum von Fleisch und Milchprodukten weitestgehend durch schmackhafte pflanzliche Lebensmittel zu ersetzen.

Renato Pichler

Quelle: Food-Miles and the Relative Climate Impacts of Food Choices in the United States, Carnegie Mellon University in Pittsburgh USA, 16.4.2008.

Fussnoten:

  1. In der Schweiz gibt es zwar 548 Autos pro 1000 Einwohner, was mehr ist als der EU-Durchschnitt. In absoluten Zahlen sind dies aber noch nicht einmal 2% der 218 Mio. Autos in der EU.