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Organisationen-Porträt
In dieser Serie stellen wir Ihnen Organisationen aus dem Bereich Ernährung, Tierschutz und Umweltschutz vor. Wir zeigen deren Verhältnis zur vegetarischen Lebensweise in Worten und Taten auf.

Logo WWF - Pandabär

World Wide Fund for Nature Schweiz (WWF)

Den WWF kennt heute fast jeder in der Schweiz. In seinem Leitbild definiert er sich folgendermassen:
«Der WWF – World Wide Fund for Nature – will der Naturzerstörung Einhalt gebieten und eine Zukunft gestalten, in der die Menschen im Einklang mit der Natur leben. Er setzt sich weltweit ein für die Erhaltung der biologischen Vielfalt, für eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen und für die Eindämmung von Umweltverschmutzung und schädlichem Konsumverhalten. […] Der WWF Schweiz legt sein Schwergewicht auf den weltweiten Schutz von Wäldern, Süsswassergebieten und des Klimas, und er unterstützt Projekte zum Schutz von Meeren, Küsten und bedrohten Arten.
Zur Erreichung seiner Ziele strebt der WWF Schweiz gesellschaftliche und individuelle Verhaltensänderungen an.»
Und wie sehen die Taten bezüglich Vegetarismus aus?

Finanzierung und Organisation

Der WWF ist die grösste und bekannteste Umweltschutzorganisation in der Schweiz. Er finanziert sich zu 97% durch private Beiträge. Insbesondere von seinen 220000 «Mitgliedern». Durch die jährlichen Einnahmen von 40 Millionen Franken ist er finanziell nur von seinen vielen Mitgliedern abhängig, muss also auf keine spezifischen Wirtschaftsinteressen Rücksicht nehmen.
Was viele dieser «Mitglieder» allerdings nicht wissen: Als Stiftung kann der WWF gar keine Mitglieder haben. Es gibt deshalb auch nie eine Mitgliederversammlung in der die Mitglieder mit bestimmen könnten. Diesen Betrug an seinen Unterstützern rechtfertigt der WWF damit, dass es sich besser anhört Mitglied des WWF zu sein als Gönner.

Obwohl der WWF sein Image als Umwelt- und Tierschutzorganisation pflegt (weil man damit mehr Spendengelder erhält), war er dies noch nie. Seit der Gründung ist der Hauptzweck des WWFs nicht der Schutz von Tieren oder der Umwelt, sondern einzig der Artenschutz. Natürlich kann man bestimmte Tierarten am Effektivsten schützen indem man deren Lebensraum schützt. Zwischen Tier- und Artenschutz gibt es aber einen grossen Unterschied: Im Artenschutz zählt das Leben eines Tieres nichts - ausser es besitzt seltene Gene. Deshalb wird sich der WWF auch nie für Nutztiere einsetzen, weil es davon genügend gibt.

Der WWF und die vegetarische Ernährung

Wir haben den WWF auch direkt nach seiner Einstellung zur vegetarischen Ernährung angefragt. Die Antwort:

«Der WWF propagiert einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen, ohne verschiedene Lebensstile oder Essgewohnheiten gegeneinander auszuspielen oder sie zu werten. Für uns steht die Nachhaltigkeit im Zentrum – ob bei der Produktion von Fleisch, Fisch oder von pflanzlichen Lebensmitteln. Denn auch Früchte und Gemüse werden längst nicht immer nachhaltig produziert.»
Leider versucht hier der WWF, konventionell produzierte Früchte gegenüber «nachhaltig produziertem» Fleisch auszuspielen, um zu verschleiern, dass der Umstieg zur vegetarischen Ernährung in jedem Fall für die Umwelt enorme Vorteile bringt, egal ob man sich ausschliesslich von biologischen Produkten, «nachhaltig» produzierten Produkten oder konventionell ernährt: Immer profitiert die Umwelt davon, wenn man bei seiner Ernährung nicht den Umweg über den Tiermagen geht. Die Verlängerung der Nahrungskette ist in jedem Fall eine Verschwendung der natürlichen Ressourcen.

Taten des WWF

Bei obiger Stellungnahme erstaunt es nicht, dass der WWF einen grossen Bogen um das Thema Vegetarismus macht. Er ist dabei so konsequent, dass das Wort «Vegetarismus» auf der ganzen WWF-Homepage kein einziges Mal vorkommt. Dem WWF sind die Folgen des Fleischkonsums jedoch durchaus bekannt, wie folgende Beispiele zeigen.

Regenwald

Der WWF ist unter anderem bekannt für seinen Einsatz zur Erhaltung des Regenwaldes (weil viele Tierarten mit dem Regenwald aussterben würden).
Der Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Regenwaldabholzung für Weideflächen und Futtermittelanbau ist auch dem WWF bekannt.
Bei seinem Einsatz zum Schutze des Regenwaldes lässt sich der Einfluss des Fleischkonsums nicht vollständig verleugnen. Deshalb kann man auf der WWF-Homepage lesen:
«Wussten Sie, dass Schweizer Schweine Tropenwald fressen? Indirekt natürlich, denn die Schweine fressen nicht wirklich Wald, sondern Sojaschrot in Form von Tierfutter. Ohne Sojabohnen gäbs hierzulande kaum Schweine- oder Geflügelfleisch. Die zur Fleischproduktion nötige Soja kommt vorwiegend aus Südamerika, wo dafür Tropenwald gerodet und Savannen niedergebrannt werden.»
Doch die Schlussfolgerung des WWF ist nicht etwa, seine Mitglieder dazu aufzufordern, den Fleischkonsum zu reduzieren (von der vegetarischen Ernährung ganz zu schweigen), sondern zu versuchen, den Sojaanbau etwas umweltverträglicher zu gestalten.
Dies wurde auch im WWF-Magazin 4/2007 so kommuniziert: Das Problem mit dem Futter-Sojaanbau wurde korrekt dargelegt, als Lösung würde jedoch die vegetarische Ernährung (oder auch nur die Reduzierung des Fleischkonsums) vollständig ausgeklammert. Aus der Einleitung des Artikels im WWF-Magazin auf Seite 29: «Die Milch- und Fleischproduktion braucht viel Soja. Dafür werden Tropenwälder und Savannen in Lateinamerika geopfert. Der WWF nimmt Handel und Produzenten in die Verantwortung.» So schön diese Einleitung auch klingen mag: Die Konsumenten, durch ihren Fleischeinkauf die eigentliche Ursache für die Regenwaldabholzung, werden in dem Artikel aussen vor gelassen. Kein Wort darüber, dass auch ein geringerer Fleischkonsum die Wälder entlasten könnte. Der WWF möchte nur, dass künftig das Soya für die Masttiere umweltverträglicher produziert wird (wie auch immer dies gehen soll, bei dem heutigen immensen und stetig steigenden Bedarf an Futtermitteln).

Fleischsteuer

Im Gegensatz zum WWF Deutschland (siehe Vegi-Info 2007/4, Seite 19) unterstützt der WWF Schweiz keine Emissionsabgabe auf Fleisch, um das Klima zu schonen. Allerdings wird eine «Lenkungssteuer auf Fleisch» im Klima-Masterplan erwähnt, den der WWF massgeblich mit gestaltet hat. Sie sehen darin aber nur einen minimalen Nutzen für das Klima, weil die meisten Menschen ihren Fleischkonsum dadurch kaum verringern würden.
Da der WWF sich bemüht, seinen Mitgliedern die Vorteile der Reduzierung des Fleischkonsums vorzuenthalten, verwundert einen diese Einschätzung auch nicht.

Klimaerwärmung

Und wo steht der WWF im Zusammenhang von Klimaveränderung und Fleischkonsum?
Auf der Homepage findet man tatsächlich eine Seite mit dem Titel «Das Klima bittet zu Tisch». Doch schnell wird klar, dass man auch hier vom WWF enttäuscht wird: Obwohl dem WWF die gravierenden Auswirkungen des Fleischkonsums auf das Klima bekannt sind, wird dieser Aspekt auch auf dieser Seite mit keinem einzigen Wort erwähnt. Statt etwas über den Vorteil des Konsums pflanzlicher Lebensmitteln für das Klima, findet man auf der Seite ausschliesslich negative Punkte beim Konsum importierter Gemüse und Früchte (der Import von Fleisch wird nicht erwähnt, alle Beispiele beziehen sich auf die Nachteile pflanzlicher Nahrungsmittel!). Selbst beim Vergleich verschiedener Nahrungsmittel über ihren Erdölverbrauch findet man kein tierisches Produkt, sondern Spargeln, Gurken und Erdbeeren. Kritik an tierischen Nahrungsmitteln scheint beim WWF offensichtlich tabu zu sein.
Auch wenn es kaum etwas mit dem Klima zu tun hat, wird hier zumindest der Kauf von Fleisch aus artgerechter Haltung empfohlen. Doch auch hier währt die Freude nur kurz: Der Grund für diese Empfehlung: «Das wirkt sich auch auf die Qualität Ihres Fleisches aus.»
Offensichtlich scheint es aber nicht allen beim WWF mit dieser Haltung wohl zu sein: Bei der italienischen und französischen Version derselben Seite findet man tatsächlich einen Abschnitt, der auch den Fleischkonsum thematisiert:

Französisch: «Nourriture végétale: les plantes sont de parfaits aliments, elles contiennent tous les éléments nutritifs utiles à la vie et leur production est nettement moins préjudiciable, pour le climat et pour nos eaux, que celle des produits carnés.»
Italienisch: «Prodotti vegetali: i vegetali sono un alimento perfetto, in quanto contengono tutti i nutrienti necessari all’organismo e il loro impatto sul clima e sulle acque è decisamente inferiore rispetto ai prodotti animali.»
Übersetzung:
(nicht Online)
«Vegane Ernährung: Pflanzen sind die perfekten Nahrungsmittel, sie enthalten alle lebensnotwendigen Nährstoffe und ihre Produktion ist weniger nachteilig für das Klima und das Wasser als die Produkte aus Fleisch.»


Der Pressesprecher des WWF, Fredi Lüthin, wollte uns auf Anfrage leider keine Auskunft über den Grund dieser Zensur auf der deutschsprachigen Seite geben.

Nachtrag: Im April 2008 hat der WWF Schweiz dann doch noch den Abschnitt über die pflanzlichen Nahrungsmittel auf deutsch ergänzt. «Das Klima bittet zu Tisch».

Wie sehr dem WWF die vegetarische Ernährung widerstrebt lässt sich aber auch an ihrem Klimacheck ablesen: Auf die Frage "Wie oft gedenken Sie Fleisch oder Fisch zu essen?" lässt der WWF nur die Antworten "selten" und "täglich" zu. Vegetarier scheint es für den WWF nicht zu geben. Konsequenterweise ist bei der Antwort "selten" sogar ein Teller mit Hühnerkeule abgebildet. Anzeigen des Screenshot (Bildchirmfoto) der Frage.

Nachtrag 2011: Der WWF hat obige Seite zum Klimacheck von der Homepage entfernt. Nun wird bereits auf mehreren neuen Seiten der Fleischkonsum angesprochen. Die neue Seite "Tipps für den Alltag" empfiehlt ausdrücklich "Geniessen Sie vermehrt Vegetarisches". Als Alternative zu Fleisch wird jedoch Käse empfohlen, der fast ebenso klimaschädlich ist, wie Fleisch. Die Schritte beim WWF sind leider noch klein, aber immerhin tut sich etwas...

Nachtrag 2013: Nachdem es schon fast zur Allgemeinbildung gehört, dass Fleischkonsum klimaschädlich ist, hat auch der WWF Schweiz seine Strategie diesbezüglich geändert und empfiehlt offen: "Essen Sie so oft wie möglich vegetarisch" um die Umwelt zu schonen. Übrigens: Es ist immer möglich vegetarisch zu leben. Der WWF hat auch eine kleine ovo-lakto-vegetarische Rezeptesammlung auf seiner Hoempage publiziert.

Labels

Der WWF engagiert sich auch bei der Bewertung von Lebensmittel-Labels. In seinem Label-Ratgeber werden 28 Labels vorgestellt. Die Mehrheit davon betreffen Fleischprodukte. Das Vegetarismus-Label wurde konsequenterweise auch hier vollständig ignoriert.
Einen kleinen Lichtblick gibt es hier aber dennoch: Im kleinen gefalteten Ratgeber (im Visitenkartenformat), der auch in der Zeitschrift «saldo» und «K-Tipp» und von der Stiftung für Konsumentenschutz versendet wurde, findet man die Aussagen: «Wenn Fleisch, dann aus artgerechter Haltung» und «Weniger Fisch ist Meer». Ob der positive Einfluss der Konsumentenschutzorganisationen zu diesen Aussagen geführt hat, konnten wir leider nicht herausfinden.

Artenschutz

Auch wenn der WWF in seiner Einstellung zum Vegetarismus völlig versagt, bleibt anzumerken, dass er in seinem Hauptgebiet, dem Artenschutz (bei dem das Leben des einzelnen Tieres nur einen Wert hat, wenn es zu einer aussterbenden Art gehört), Grossartiges leistet. So ist auch zu erklären, weshalb der WWF tatsächlich mit dem Slogan «Weniger Fisch ist Meer» wirbt. So kann man vom Aussterben bedrohte Fischarten retten. Daneben gibt der WWF aber auch einen Fischführer heraus mit dem Slogan «Dieser Fisch gehört auf den Tisch!». Solange ein Fisch nicht vom Aussterben bedroht ist, steht er eben nicht mehr unter dem Schutz der weltweit grössten Artenschutzorganisation, sondern wird von ihr zum Verzehr empfohlen.
Nicht umsonst ist das Logo des WWF ein vom Aussterben bedrohtes Tier: der Pandabär.

Renato Pichler

Kontakt zum WWF Schweiz:
WWF Schweiz
Hohlstrasse 110
Postfach
8010 Zürich

Tel. 044 297 21 21, Fax 044 297 21 00
E-Mail: service@wwf.ch
Homepage: www.wwf.ch


Nachtrag von Juni 2009

Der WWF scheint sich langsam dem öffentlichen Druck zu beugen. Heute wissen schon alle informierten Personen, dass der Fleischkonsum mit der Regenwadabholzung zusammen hängt. Dies weiterhin zu verdrängen wäre für den WWF also kein Vorteil mehr. Andererseits glaubt er weiterhin, dass er mit seinen Hauptsponsoren und Partnern Probleme bekommen wüde, wenn er die Wahrheit klar und deutlich in seiner Zeitschrift, auf seiner Webseite und in anderen Publikationen verbreiten würde. Deshalb hat der WWF fast schon etwas schüchtern einen kleinen «Versuchsballon» gestartet: Im «Sticker-Mania» Heft, dass die Migros zusammen mit dem WWF für Kinder heraus gab und das Thema Urwald behandelt, wurden die Kinder dazu aufgefordert zum Schutze des Urwalds weniger Fleisch zu konsumieren.
Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein grosser Schritt für den WWF Schweiz.

Weitere Infos:

Welche Ziele haben die Organisationen?

Es ist gut, dass es verschiedene Organisationen gibt, die sich für unterschiedliche Ziele einsetzen.
Dabei sollte eine Organisation jedoch ihre Ziele nicht vernachlässigen, bloss weil neue Erkenntnisse unpopuläre Massnahmen erfordern. Leider ist es heute so, dass Umweltschutz- und Tierschutzorganisationen immer mehr ihre eigentlichen Ziele verraten, indem sie alle Fakten über die Auswirkungen der Fleischproduktion ignorieren, um ihre (meist fleischessenden) Spender nicht zu verlieren. In dieser Artikelserie zeigen wir Ihnen deshalb, wie die Organisationen mit den neuen Fakten umgehen.