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Essen Vegetarier Fische?

Obwohl heute Vegetarismus zum allgemeinen Sprachgebrauch gehört, gibt es leider noch immer viel Unwissen in dem Zusammenhang.

FischeDabei wäre es sehr einfach: Vegetarier essen keine Tiere oder, wie es Paul McCartney einmal sagte: «Ich esse nichts, was Augen hat.»
Damit wäre obige Frage bereits beantwortet. Doch wie kommen manche Leute überhaupt auf die Idee, dass Vegetarier zwar keine Tiere essen, aber beim Fisch eine Ausnahme machen würden?
Es gibt dafür zwei ganz unterschiedliche Gründe: einen aus gesundheitlicher Sicht und einen aus religiöser/traditioneller Sicht. Beide widerspiegeln sich wiederum im Gesetz.

Ist Fisch Fleisch?

Oft werden Vegetarier als Personen definiert, die kein Fleisch konsumieren. Deshalb stellt sich natürlich die Frage, ob der Körper eines Fisches aus Fleisch besteht. Es gibt verschiedene Konstrukte, die es ermöglichen, Fische nicht zum Fleisch zu zählen (obwohl bei denen nie gesagt wird, was Fisch sonst sein soll). Der einfachste Fall ist, dass man Fisch einfach als eine zusätzliche Kategorie einführt, die mit nichts anderem vergleichbar ist. Somit gäbe es also: Tiere (aus Fleisch), Fische (nicht aus Fleisch) und Pflanzen. So ganz nachvollziehbar ist diese Unterteilung aber nicht.
Bis vor der letzten Gesetzesangleichung der Schweizer Lebensmittelgesetzgebung galt Fisch auch als Fleisch. Dann wurde dies leider an das EU-Gesetz angepasst und man hat für den Fisch extra eine neue Kategorie Fische eingeführt.
Somit gilt heute Fisch nicht mehr als Fleisch. Was jedoch am Konsumverhalten der Vegetarier selbstverständlich nichts ändert, da der Fisch dadurch nicht einfach zu einer Frucht oder zu einem Gemüse wurde.

Ist Fisch gesünder?

Ein Grund, weshalb sich heute viele bemühen, Fisch nicht zum Fleisch zählen zu müssen, ist, dass das Fleisch einen immer schlechteren Ruf bekommen hat und der Fisch hingegen von den Ernährungswissenschaftlern immer mehr gelobt wird. Deshalb kam die Trennung von Fleisch und Fisch auch in der Sprache ganz gelegen.
Der neue Glaube an den angeblich sehr gesunden Fisch kommt daher, dass man in einigen Untersuchungen feststellen konnte, dass Personen, die viel Fisch konsumieren, gesünder sind als solche, die kaum Fisch konsumieren. Wenn es um die vegetarische Ernährung ginge, würden bei solchen Untersuchungen alle (fleischessenden) Ernährungswissenschaftler sofort einwenden, dass es nicht klar sei, ob der gesundheitliche Vorteil wirklich vom Fischkonsum stamme. Schliesslich ist auch der restliche Lebensstil von Fischkonsumenten häufig anders als derjenige von (Schweine-)Fleischkonsumenten. Und auch der Aspekt, dass jemand, der viel Fisch konsumiert, logischerweise weniger Schweinefleisch und andere bekanntermassen ungesunde Fleischsorten isst, wurde kaum je berücksichtigt.
Bei Vegetarierstudien wird immer wieder eingewendet, dass Vegetarier sich auch sonst gesundheitsbewusster ernähren, bei Fischkonsumenten wurde dieser Einwand hingegen kaum je erwähnt, sondern jede Studie gleich als neue wissenschaftlich bestätigte Erkenntnis verbreitet.
Daran sieht man bereits, dass eine «wissenschaftliche» Erkenntnis sehr unterschiedlich aufgenommen wird, je nachdem ob sie bei den Wissenschaftlern willkommen ist oder nicht.
Natürlich versuchte man den gesundheitlichen Wert des Fischkonsums auch mit labortechnischen Mitteln zu untermauern. Dadurch entstand der Omega-3-Fettsäuren-Boom (da diese im Fisch viel häufiger vorkommen als in anderen Fleischsorten). Auch hier wurden erst Jahre nach dem Hype die Studien ernsthaft hinterfragt und dadurch stark relativiert.1
Studien, welche belegen, dass ein hoher Fischkonsum die Gesundheit von Babys gefährden kann (wegen der Schwermetallbelastung der Fische), wurden jahrelang heruntergespielt oder ignoriert. Heute schätzt die amerikanische Umweltbehörde (EPA), dass alleine in den USA durch die Quecksilberbelastung jährlich rund 630000 Kinder gefährdet sind, mit Geburtsgebrechen und Lernschwierigkeiten auf die Welt zu kommen.2

Fischkonsum als Religion

Auch viele nicht religiöse Menschen essen freitags Fisch. Dies ist schon so zur Tradition geworden, dass dessen Ursprung kaum noch bekannt ist.
Von fast allen Religionsgruppen ist bekannt, dass sie Fastentage haben. Manche essen an einem Tag in der Woche gar nichts, andere haben gewisse Tage pro Jahr. Bei den Christen galt noch bis 1960 offiziell ein Fleischverbot am Freitag (bezugnehmend auf die Kreuzigung vom Karfreitag). Erstaunlicherweise wurde hierbei aber in der offiziellen christlichen Staatskirche beim Fisch eine Ausnahme gemacht. Fisch galt im Zusammenhang mit dem Fasten nicht als Fleisch und durfte deshalb trotz des Fastentages konsumiert werden. Dr. Alois Wolkinger vom Institut für Moraltheologie und Dogmatik an der Universität Graz nennt als Grund: «In der Antike wurde deshalb gefastet, weil man sich umso weniger Böses einverleibt, je weniger man isst. Das gilt vor allem für das Fleisch von Tieren, die sich sexuell vermehren mit Ausnahme von Fischen, die sich nach der damaligen Auffassung asexuell vermehren.»3
Heute weiss man längst, dass sich auch Fische sexuell vermehren, doch der Glaube, dass Fisch kein Fleisch sei, hat sich bis heute erhalten.

Die Trennung von Fisch und Fleisch hat also verschiedene Wurzeln, die jedoch allesamt heute widerlegt sind. Doch gegen eine solche Tradition kommt neues Wissen nur schwer an. Deshalb gibt es immer wieder die völlig unnötige Frage an die Vegetarier: «… aber wenigstens Fisch isst du?»

Fussnoten:

  1. Relation of omega-3 Fatty Acid intake to other dietary factors known to reduce coronary heart disease risk. American journal of cardiology. 1.5.2007, 1;99(9):1230-3. Omega-3-Fettsäuren: Gesundheitswirkung nicht belegt, LME Aktuell, 25.06.2007, http://lme.agrar.de/20070625-00000/
  2. Siehe auch das Fische-Infoblatt der SVV mit ausführlichen Quellenangaben: www.vegetarismus.ch/info/10.htm und Vegi-Info 2004/1.
  3. www-theol.uni-graz.at/cms/dokumente/10001252/f00631d4/fasten.lit.pdf
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 15.11.2016

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