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Lachs: Mastschwein der Meere

In Zeiten vor der menschlichen Einflussnahme waren Fische in einer – im Vergleich zu heute – unvorstellbar grossen Zahl und Fülle vorhanden. «Dank» der zunehmenden Investitionen in technische Neuerungen (z.B. Schlepp- oder Treibnetze) können aber seit dem 20. Jahrhundert ganze Meeresböden leer gefegt werden. Dies führt zu einem Problem, das wir heute als Überfischung kennzeichnen: In den Gewässern werden dauerhaft mehr Fische gefangen, als durch natürliche Vermehrung nachwachsen oder zuwandern. Oder noch klarer ausgedrückt: Überfischung bedeutet die langfristige Ausrottung der Meeresfauna.

Aquakulturen: die Lösung?

Im Jahr 2002 wurden weltweit über 100 Millionen Tonnen Meerestiere aus dem Wasser gefischt. Doch mittlerweile zeigt sich, dass die Ozeane erschöpft sind und längst nicht mehr das hergeben können, was die Fischer sich eigentlich wünschen. Durch die Aufklärung durch Umweltverbände und Medien werden ausserdem immer mehr Leuten die dramatischen Auswirkungen im Zusammenhang mit der Überfischung der Weltmeere deutlich und sie suchen nach Alternativen. Eine davon ist, Fische und auch andere Meerestiere, wie zum Beispiel Garnelen, in extra dafür separierten Wasserreservaten – sogenannten Fischfarmen oder Aquakulturen – zu züchten, damit sich auf diese Weise der Bestand in den Meeren wieder erholen kann. Mittlerweile stammt etwa ein Drittel des weltweit konsumierten Fisches aus diesen Farmen. Die Züchter lobten anfangs die angeblich so nachhaltige und zukunftsweisende Züchtung, doch in der Zwischenzeit stellt sich heraus, dass Aquakulturen nicht die erhoffte Lösung für das Problem der Überfischung sind – im Gegenteil:

Laut dem Bericht «The State of World Fisheries and Aquaculture 2006» der UN-Welternährungsorganisation (FAO) zum Fischfang, der im März 2007 veröffentlicht wurde, sind 52% der Meeresfisch-Bestände so intensiv befischt, dass eine Steigerung nicht mehr möglich ist, 16% überfischt und 7% waren erschöpft. Gerade mal 1% der Bestände befand sich im Zustand der Erholung, nachdem sie vorher bis zur Erschöpfung befischt wurden.

Zunahme der Überfischung

Viele Fische sind keine Vegetarier und müssen deshalb wiederum mit Fischen (in Form von Fischöl, -mehl oder -pellets) gefüttert werden. Damit Lachse zum Beispiel ein Kilo an Gewicht zulegen, müssen sie ungefähr das Zehnfache an Nahrung zu sich nehmen. Dafür verwendet man dann solche Fische, die dem Menschen nicht schmecken, und fördert auf diese Weise die Jagd auf Fischarten, die bisher noch von der Überfischung verschont geblieben sind. Rund ein Drittel der auf dem Globus gefangenen Fische wird zu Futter für die Zuchtfische verarbeitet. Zuchtfarmen verschärfen also das Problem der Überfischung eher, als dass sie es lösen. Denn diese bisher für den menschlichen Verzehr uninteressanten Fisch- und Meerestierarten bilden ihrerseits die Nahrung für grössere Fische, denen nun das Futter vom Menschen sozusagen vor der Nase weggeschnappt wird. Die Folge davon: Auch diese Fischbestände brechen zusammen.

Ursprünglich gab es auf den Philippinen über 500000 Hektar Mangrovenwälder. Heute gibt es nur noch 36000 Hektar. Der Rest (rund 93%) wurde für den Weltmarkt in Krabbenzuchtbetriebe umgewandelt.

Ökologische Folgen des Fleischkonsums, Broschüre der SVV

Mangrovenwälder werden zerstört

So wie bei der Rinderzucht ein Teil des Regenwalds abgeholzt wird, um auf diese Weise Weideflächen für die Tiere zu schaffen, so werden für die Fisch- und Garnelenfarmen Hunderttausende Hektar Mangrovenwald unwiederbringlich zerstört. Diese ökologisch wertvollen Brackwassergebiete sind der Lebensraum von zahlreichen Fisch-, Vogel- und anderen Tierarten, die dabei getötet, vertrieben oder von ihren Familien getrennt werden. Die Mangrovenwälder bilden aber nicht nur ein Schutzgebiet für viele Tiere, sondern die dicht bewachsenen Wälder dienen auch den Menschen als Schutz oder zur Abschwächung von Naturkatastrophen wie zum Beispiel Tsunamis.

Giftstoffe (Schwermetalle/Antibiotika)

Auch hier hat die Fischindustrie mit denselben Problemen zu kämpfen wie die Massentierhaltung im Allgemeinen. Weil zu viele Tiere auf zu engem Raum gehalten werden, ist es bei der industriellen Zucht unvermeidlich, dem Futter der Tiere Medikamente und/oder Antibiotika beizumischen. Auf diese Weise versuchen die Züchter Krankheiten einzudämmen. Mehr noch als bei pflanzenfressenden «Nutztieren» häufen (kumulieren) sich beim Fisch die zugeführten Giftstoffe, weil er auch andere Meerestiere verzehrt, die ebenfalls schon belastet sind. Mit jeder zusätzlichen Stufe der Nahrungskette werden auch die Giftstoffe weiter konzentriert.
Die Rückstände dieser Medikamente werden teils ausgeschieden und belasten das Ökosystem der Meere. Bei Stichproben stossen unabhängige Labors aber immer wieder auf Rückstände von Antibiotika im Fleisch der Fische und Garnelen.
Trotz der Verabreichung von Medikamenten sind die Tiere immer wieder von Krankheiten befallen. Zuchtfische, die aus den Käfigen in das offene Meer fliehen können, breiten die Krankheiten aber auch auf ihre frei lebenden Artgenossen aus und dezimieren so den Wildbestand.
Wildlachse legen normalerweise Tausende Kilometer zurück. Die Haltung in den Käfigen der Zuchtfarmen ist so unnatürlich, dass auch ihr Fleisch dadurch nicht mehr rosa erscheinen würde (wie es die Konsumenten gewohnt sind), deshalb werden dem Futter meist künstliche Farbstoffe zugefügt.

Wie noch vor einigen Jahren beim Fleisch wird den Konsumenten nun beim Fisch vorgegaukelt, dass es sich dabei um ein gesundes und lebensnotwendiges Nahrungsmittel handelt. Bei genauerer Betrachtung bietet aber der Fischkonsum weder gesundheitliche noch ökologische Vorteile. Vielmehr entsprechen die Probleme bei der industriellen Fischzucht jeder anderen Form der Massentierhaltung – auch hier wird ein Lebewesen wider seinem natürlichen Verhalten gefangen gehalten und für den menschlichen Verzehr gemästet, gequält und getötet.

Bernadette Raschle