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Organisationen-Porträt
In dieser Serie stellen wir Ihnen Organisationen aus dem Bereich Ernährung, Tierschutz und Umweltschutz vor. Wir zeigen deren Verhältnis zur vegetarischen Lebensweise in Worten und Taten auf.

Logo: Greenpeace

Greenpeace Schweiz (GP)

Die Aktionen von Greenpeace sind heute allen bekannt. Wie der Name schon sagt, entstand Greenpeace (= grüner Friede) aus der Friedens- und Umweltbewegung. Weltweit unterstützen 2,8 Millionen Menschen die verschiedenen Greenpeace-Stiftungen. Bekannt wurde Greenpeace weltweit durch ihre Aktionen gegen die Atombombentests und für die Rettung der Wale.
Die Stiftung Greenpeace Schweiz wurde 1984 gegründet und hatte im vergangenen Jahr 156695 Spender. Obwohl gemäss Statuten die Stiftung Greenpeace Schweiz Natur-, Umwelt- und Tierschutz fördert, gehören laut Pressestelle Tierschutzkampagnen oder gar die vegetarische Ernährung nicht zu ihrem Wirkungsbereich.

Da jedoch echter Klima- und Umweltschutz den hohen Konsum an tierischen Produkten nicht ignorieren kann (immerhin trägt er mehr zum Klimawandel bei als der gesamte weltweite Verkehr), haben wir das Verhalten von GP in dieser Beziehung genauer angesehen.

Greenpeace-Aktion auf dem AletschgletscherDie letzte Klimaschutzaktion von Greenpeace im August 2007: nackte Menschen auf dem Aletschgletscher. Mit solchen Kampagnen kommt Greenpeace immer wieder in die Medien und erhält natürlich mehr Mitglieder, als wenn sie den Menschen sagen würde, wie sie durch ihren eigenen Fleischkonsum das Klima schädigen. Was allerdings dem Klima mehr hilft, scheint zweitrangig zu sein.

Finanzierung/Organisation

GP ist völlig unabhängig von Wirtschaftskreisen. Die Organisation finanziert sich ausschliesslich durch Spenden und aus den Erträgen ihres Vermögens (das ökologisch angelegt wird). Im Jahre 2006 beliefen sich diese Einnahmen auf rund 21,3 Millionen Franken.
Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Greenpeace intensiv um Mitglieder wirbt und sehr viele Menschen glauben, sie seien Mitglied bei Greenpeace. Da GP aber als Stiftung organisiert ist, kann sie rechtlich gesehen überhaupt keine Mitglieder haben. Es gibt also auch keinerlei Mitbestimmungsrechte der Personen, die regelmässig einen «Mitgliederbeitrag» bezahlen. Und ohne Mitglieder gibt es natürlich auch keine Mitgliederversammlung.
Es mag zwar einen gewissen Vorteil haben, wenn man nicht auf die Ansichten von Mitgliedern Rücksicht nehmen muss, dennoch ist es natürlich für die Glaubwürdigkeit einer Organisation nicht gerade dienlich, wenn sie überall um neue Mitglieder wirbt und «Mitgliederbeiträge» kassiert, obwohl man gar nicht Mitglied werden kann.

Greenpeace und die vegetarische Ernährung

Wir haben Greenpeace auch direkt nach ihrer Einstellung zur vegetarischen Ernährung angefragt. Die Antwort:

«Wir führen keine Konsumenten- und Vegetarismuskampagne wie auch keine Tierschutzkampagne, sondern wir widmen uns mit vollem Engagement den Überthemen Meer, Wald, Klima, Gentechnologie, Verkehr, Atomenergie. Im Rahmen dieser Hauptkampagnen benennen wir auch die Probleme der intensiven Tierhaltung und die Probleme des grenzenlosen und vor allem unbewussten Konsums von Fleisch und Fisch.»

Leider konnte mir der Mediensprecher auf Rückfrage keine einzige Aktion von Greenpeace nennen, bei der der Fleisch- und Fischkonsum von GP in Frage gestellt wurde. Und dies nicht etwa, weil sich Greenpeace nicht mit der Ernährung auseinandersetzen würde. Auf ihrer Homepage wird man z.B. über die Nachteile von neuseeländischem Lamm- oder argentinischem Rindfleisch informiert. Der Transport der Nahrungsmittel wird dabei kritisiert, aber es wird nicht darauf eingegangen, dass die Produktion (egal wo sie geschieht) ein grundsätzliches Problem für die Umwelt darstellt.
Konsequenterweise findet man auf der Greenpeace-Homepage auch eine Seite zu den Schweizer Fischlabels und eine zu den Fleischlabels. Es werden also sehr wohl Konsumentenkampagnen gemacht, aber immer unter Ausschluss der zentralen Frage, ob es nicht sinnvoll wäre, den Fleischkonsum zu reduzieren.
Auf der Homepage von Greenpeace Schweiz findet man auch an keiner einzigen Stelle einen Hinweis darauf, dass der heutige Fleischkonsum Nachteile für die Umwelt haben könnte. Die vegetarische Ernährung wird schon gar nicht erwähnt.

Nach intensivem Suchen konnten wir jedoch eine Stelle in einem PDF-Dokument finden, die auf das Problem Fleischkonsum eingeht:
«Essen Sie weniger Fleisch! Denn allein die Viehzucht verursacht 18 Prozent der Treibhausgasemissionen, so die Welternährungsorganisation (FAO). Der Grund: Die Düngerproduktion kostet extrem viel Energie, Regenwälder werden für Weiden und Sojaanbau gerodet, in Tiermägen entsteht Methan.»

Greenpeace: Fleischkonsum zum Schutze des Klimas!Känguru
Dass Greenpeace auch im Ausland über die enormen Folgen des Fleischkonsums auf das Klima Bescheid weiss, aber auf keinen Fall deshalb den Fleischkonsum kritisieren will, zeigte sich einmal mehr in Australien: Dort forderte Greenpeace zu vermehrtem Konsum von Kängurufleisch auf! Der Grund: Da Rinder das Klima stärker belasten als Kängurus, würde ein Umstieg von Rindfleisch auf Kängurufleisch das Klima weniger stark belasten.
www.evana.org?id=26423

Doch die Freude über diese Stelle währte nur kurz: Das Dokument «So retten wir das Klima» stammt von Greenpeace Deutschland.
Interessanterweise taucht auf der Homepage von Greenpeace Deutschland sogar das Wort Vegetarier auf, um das Greenpeace Schweiz einen Riesenbogen macht:
«Reduzieren Sie den Fleischanteil Ihrer Ernährung. Wenn Sie sich ausgewogen und fleischreduziert ernähren (oder sogar Vegetarier werden), ersparen Sie dem Weltklima rund 400 Kilogramm CO2 im Jahr.»

Wäre schön, wenn Greenpeace Schweiz von ihren Kollegen in Deutschland diese Erkenntnisse auch übernehmen würde.
Dass auf der gesamten Greenpeace-Homepage kein Wort über die Auswirkungen der tierischen Nahrungsmittel auf die Umwelt fällt, wurde anscheinend dem Mediensprecher erst durch unsere Anfrage bewusst. Ob er sich dieser Sache tatsächlich, wie versprochen, annehmen wird, können Sie selbst im Internet verfolgen. Bereits im März 2007 wurde der SVV auf eine Anfrage bestätigt, «das wäre etwas zum Ändern oder Ergänzen», ohne dass irgendetwas geschehen ist. Und am fehlenden Wissen kann es nicht liegen: Der Mediensprecher hat sich seit Längerem in die SVV-Mailingliste eingetragen.

Renato Pichler

Kontakt zu Greenpeace Schweiz:
Greenpeace Schweiz
Heinrichstrasse 147
Postfach
8031 Zürich

www.greenpeace.ch
E-Mail: gp@greenpeace.ch

Telefon 044 447 41 11
Fax 044 273 07 90

Die positive Ausnahme: Greenpeace Waadt


Zumindest eine Schweizer Greenpeace-Regionalgruppe kümmert sich nicht um die Boykottpolitik von Greenpeace Schweiz, wenn es ums Thema Fleischkonsum und Klimawandel geht. Die Waadtländer Greenpeace-Aktivisten empfehlen in ihrer zurzeit laufenden Kampagne gegen den Klimawandel die vegetarische und sogar die vegane Ernährung. Dies ist naheliegend, wenn man weiss, dass die milchproduzierenden Rinder am meisten klimaschädliche Gase ausstossen. Der Grund für diesen offenen und ehrlichen Umgang mit diesem Thema liegt darin, dass die Greenpeace-Regionalgruppe Waadt relativ klein ist und dort auch Veganer mit entscheiden. Es besteht also kein Konflikt zwischen den eigenen Handlungen und dem, was man fürs Klima tun sollte.
Dies zeigt, dass es durchaus im Ermessen der verantwortlichen Personen liegt, ob sie das Thema Fleischkonsum weiterhin ignorieren oder ehrlich und offen darüber berichten. Fordern Sie Greenpeace Schweiz auf, ihre Zensur der Fakten rund um den Fleischkonsum zu beenden!
www.greenpeacevaud.ch/campagnes/campagnes1b.html

 


Nachtrag vom 7. April 2008:

Endlich hat Greenpeace reagiert und Anfangs April 2008 seine Homepage angepasst. Die Seite "Geniessen ohne Reue" wurde durch einen Abschnitt über den Fleischkonsum ergänzt.

[...] Wer zudem seinen Fleischkonsum reduziert, ganz auf Fleisch verzichtet oder sich sogar ohne Milchprodukte und Eier (vegan) ernährt, leistet einen noch grösseren Beitrag zum Umweltschutz.

Um eine einzige tierische Kalorie zu erzeugen, braucht es im Durchschnitt 7 Kalorien an Futtermittel. Um Futtergetreide wie Sojabohnen und Mais anzubauen, werden im Amazonas immer grössere Flächen Urwald gerodet - was auch katastrophale Auswirkungen aufs Weltklima hat. Gehen Abholzung und Fleischkonsum im gleichen Stil weiter, sind in 40 Jahren 40% des Amazonas-Regenwaldes verschwunden.

Weitere Aktionen in diese Richtung sind gemäss Geschäftsführer von Greenpeace geplant. Es tut sich also etwas, sogar bei Greenpeace Schweiz ...


Nachtrag vom Mai 2009:

Greenpeace wacht auf. Das A3-Blatt "Greenpeace Action 02 / Mai 2009" widmete sich dem thema "Fataler Fleischhunger". Darin wird darauf hingeweisen, wie schädlich der Fleischkonsum für den Regenwald ist. In dem Blatt wird sogar klar geschrieben, dass jeder durch die Reduzierung seines Fleischkonsums etwas für den Regenwald tun kann und Grenepeace fordert ausdrücklich das Ende der Subventionen der Rinderzucht im Amazonasgebiet. Leider fehlt die konkrete Empfehlung, weniger Fleisch zu essen, auf der Homepage von Greenpeace auf der entsprechenden Seite, auf die das Infoblatt verweist. Jedoch sind die Fakten dort gut wiedergegeben: Rinderzucht zerstört den Amazonas-Urwald.

Weitere Infos:

Welche Ziele haben die Organisationen?

Es ist gut, dass es verschiedene Organisationen gibt, die sich für unterschiedliche Ziele einsetzen.
Dabei sollte eine Organisation jedoch ihre Ziele nicht vernachlässigen, bloss weil neue Erkenntnisse unpopuläre Massnahmen erfordern. Leider ist es heute so, dass Umweltschutz- und Tierschutzorganisationen immer mehr ihre eigentlichen Ziele verraten, indem sie alle Fakten über die Auswirkungen der Fleischproduktion ignorieren, um ihre (meist fleischessenden) Spender nicht zu verlieren. In dieser Artikelserie zeigen wir Ihnen deshalb, wie die Organisationen mit den neuen Fakten umgehen.