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Ist die Fleischproduktion ein vernachlässigbarer Klimafaktor?

Dass die weltweite Fleischproduktion zu 18% am Klimawandel beteiligt ist, wurde in den Medien fast überall verschwiegen, obwohl diese Zahl von der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (UNO) errechnet wurde.
Stattdessen veröffentlichte das Schweizer Bundesamt für Umwelt (BAFU) die Zahl 12%, und auf Anfrage eines SVV-Mitgliedes gab der WWF Schweiz sogar nur 4,1% an. Hat sich die UNO also geirrt?

Die verschiedenen Zahlen erinnern auf den ersten Blick an den Ausspruch von Winston Churchill: «Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.» Heute sind jedoch Manipulationen der öffentlichen Meinung viel subtiler als direkte Fälschungen.
Bei allen veröffentlichten Zahlen liegen wissenschaftlich völlig exakte Untersuchungen zu Grunde. Dadurch sind sie rechtlich nicht angreifbar.

JeepAuf die Frage kommt es an

Den grössten Einfluss auf das Resultat einer Studie hat die Fragestellung, die man damit verbindet.
Die UNO interessiert sich verständlicherweise nicht für kleinräumiges Denken, sondern analysiert den Einfluss aller Faktoren auf den weltweiten Klimawandel und kam dabei auf die erwähnten 18%, die auf die Tierwirtschaft zurückzuführen sind.
Das BAFU hat sich bei seinen Untersuchungen1 auf den Einfluss der Schweizer Landwirtschaft innerhalb der Landesgrenzen beschränkt. Dies hat zur Folge, dass der hohe Individualverkehr in der Schweiz einen viel grösseren prozentualen Anteil erhält als in anderen Ländern, in denen nicht so viele Autos vorhanden sind. Doch auch ein weiterer Aspekt ist hierbei zu berücksichtigen: Das BAFU hat nicht etwa die Auswirkungen der Ernährung der Schweizer Bevölkerung ausgewertet, sondern nur die der Schweizer Landwirtschaft. Dadurch wird das Ergebnis durch viele nicht berücksichtigte Einflussfaktoren verfälscht:

  1. Der Wasserverbrauch bei der Verarbeitung von Fleisch ist um ein Vielfaches höher als derjenige bei der Verarbeitung pflanzlicher Nahrungsmittel. Dies ist hauptsächlich auf die notwendigen Hygienemassnahmen in Schlachthöfen zurückzuführen.
  2. Tierische Produkte müssen gekühlt werden. (Tief-)Kühltransporter und Lagerhäuser für Frischfleisch und die Kühlvitrinen in den Metzgereien brauchen erheblich mehr Strom als der gewöhnliche Transport und die Lagerung von pflanzlichen Nahrungsmitteln.
  3. Importe: Die Fleischindustrie stand vor einigen Jahren unter starker Kritik, weil Regenwälder für den Futtermittelanbau abgeholzt werden (was bis heute der Fall ist). Deshalb wurden die Anbauflächen für Futtermittel in der Schweiz stark erhöht, um diese Kritik zu entschärfen. Dadurch erscheint heute die Futtermittelproduktion auch wesentlich ökologischer zu sein als früher, da die langen Transportwege verkleinert werden konnten.

Klimaschutz BäumeWas hier aber vergessen wird: Die Fläche des Schweizer Bodens konnte auch die Fleischindustrie nicht vergrössern. Deshalb wurde der Anbau von Nahrungsmitteln für die menschliche Ernährung durch den Anbau von Futtermitteln verdrängt. Ausserdem braucht es mehrere Kilogramm Futter, um nur 1 Kilogramm Fleisch zu produzieren. Die Folge: Ein Grossteil des Getreides für Schweizer Brot wird heute aus Kanada und anderen Ländern importiert, weil es in der Schweiz an Platz für den Getreideanbau fehlt. Diese langen Transportwege des Brotgetreides sind somit eine direkte Folge des hohen Futtermittelbedarfs (und somit auch hohen Landbedarfs) der Schweizer Tierhalter und müssten eigentlich auch in die ökologische Bewertung der Fleischproduktion einfliessen.
Diese Faktoren erklären, weshalb das BAFU für die Klimaauswirkungen des Fleischkonsums ganz andere Zahlen erhält als die UNO: Es hat eben nicht die Auswirkungen des Fleischkonsums analysiert, sondern nur einen Teilbereich in seine Untersuchungen einbezogen.

Doch weshalb kommt Felix Meier, Leiter Konsum und Wirtschaft des WWF Schweiz, auf eine Zahl, die nur rund ein Drittel so gross ist wie diejenige des BAFU und sogar nur ein Viertel wie die Zahl der UNO?
Auch hier liegt die Lösung darin, dass seine Zahl nicht die Frage beantwortet, wie stark der Beitrag des Fleischkonsums den Klimawandel beeinflusst (obwohl es bei der Anfrage genau darum ging).
Die 4,1% berücksichtigen ausschliesslich das CO2 (Kohlendioxid). Da die Landwirtschaft jedoch das Klima hauptsächlich durch Lachgas und Methan schädigt, werden die Hauptprobleme der Fleischproduktion gar nicht mit berücksichtigt. Dadurch schneidet natürlich die Fleischproduktion wesentlich besser ab.
Die 4,1% sind somit nicht gelogen, jedoch ist es eine Antwort auf eine andere Frage. Da die Frage nach der Auswirkung des Fleischkonsums offenbar zu unangenehm war, wurde nicht darauf eingegangen und auf eine andere Frage geantwortet (in der Hoffnung, dass der Fragende dies nicht bemerkt).

Alle drei Zahlen sind deshalb korrekt. Aber nur die von der UNO errechneten 18% beantworten die entscheidende Frage, welchen Einfluss die Fleischproduktion auf das Weltklima hat. Deshalb versucht man so gut es eben geht, diese Zahl nicht zu nennen und die Bevölkerung mit anderen Zahlen zu verwirren.

Klimaschutz SchweineUnd was geht mich das an?

Ein gerechtfertigter Einwand gegen die 18% der UNO könnte jedoch lauten, dass in der Schweiz durch den hohen Individualverkehr und den hohen Beitrag der Heizungen und Industrie zur Klimaerwärmung der Anteil der Fleischproduktion am Klimawandel etwas geringer sein könnte als im weltweiten Durchschnitt. Sollte man sich deshalb in der Schweiz nicht in erster Linie auf den Verkehr und andere CO2-produzierenden Bereiche konzentrieren?
Die Schweizer Regierung bezieht dazu eindeutig Stellung: Sie ignoriert in ihrer Klimapolitik fast vollständig die Landwirtschaft. Diese Strategie ist allerdings höchstens gerechtfertigt, wenn man die Schweiz isoliert betrachtet. Für den weltweiten Klimawandel haben Landesgrenzen keine Bedeutung.
Natürlich ist es gut, mit technischen Lösungen dem Klimawandel zu begegnen (z.B. bessere Motoren und Heizungen), jedoch sollten diese wirtschaftsfördernden (und deshalb politisch einfacher durchzuführenden) Massnahmen nicht dazu benutzt werden, um von den anderen Ursachen des Klimawandels abzulenken.
Die Welternährungsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen (UNO) erwartet eine Verdoppelung des weltweiten Fleischkonsums bis zum Jahr 2050. Die negativen globalen Auswirkungen der Fleischproduktion werden also in Zukunft noch weiter zunehmen.
In der Schweiz wird sich der Fleischkonsum wohl kaum verdoppeln, da er jetzt schon hoch ist. Doch die Schweiz hat zusammen mit den anderen Industrienationen nicht nur technologisch eine Vorbildfunktion für andere Staaten, sondern auch beim Fleischkonsum: Solange in reichen Staaten viel Fleisch konsumiert wird und in ärmeren Staaten wenig, werden die ärmeren Bevölkerungsteile dieser Erde auch einen höheren Fleischkonsum anstreben. Mit einer Reduktion des Fleischkonsums könnte die Schweiz aufzeigen, dass Fleisch kein Statussymbol ist und Wohlstand nicht mit hohem Fleischkonsum gleichzusetzen ist. Damit könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung des rasant steigenden weltweiten Fleischkonsums leisten. Sie könnte auch eine Führungsrolle in der Entwicklung von Fleischalternativen einnehmen.
Dies würde nicht nur dem Klima, sondern auch der ganzen restlichen Umwelt sehr dienen. Ganz abgesehen von einer verbesserten Gesundheit der Bevölkerung.

Renato Pichler

1 Das Klima in Menschenhand – neue Fakten und Perspektiven, BUWAL, 2002, www.klima-schweiz.ch/fakten

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