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Der Fleischkonsum in der Schweiz

Die neuste, von der Fleischlobbyorganisation Proviande finanzierte Umfrage bestätigt die seit Längerem absehbaren Trends: Die vegetarische Lebensweise nimmt langsam zu, diejenigen, die in der Vergangenheit viel Fleisch gegessen haben, essen heute noch mehr, diejenigen mit geringem Fleischkonsum haben diesen dafür weiter reduziert.

Studienhintergrund:
Die Umfrage wurde zwischen dem 1. und 17. März 2007 durchgeführt und in der Pressemitteilung vom 30. März 2007 von Proviande der Öffentlichkeit vorgestellt. Seit 1987 wird diese Umfrage alle fünf Jahre erstellt.
Es werden jeweils 800 Personen repräsentativ ausgewählt und persönlich interviewt.

Die Gesellschaft scheint sich also in zwei Lager aufzuteilen: auf der einen Seite die Menschen, die bei ihrem Konsum ausschliesslich auf den Genuss und Preis achten, und auf der anderen Seite die bewussten Konsumenten, die auch über gesundheitliche und ethische Folgen ihres Tuns nachdenken.

Immer mehr, immer billiger

Bei der letzten Umfrage im Jahre 2001 gaben noch 26% der Fleischkonsumenten an, dass die Deklaration von Biofleisch und eine artgerechte Haltung der Tiere für sie sehr wichtig seien. Bei der neuen Umfrage waren es nur noch 15%. Ein Grund dafür mag sein, dass einige derjenigen, denen das Wohl der Tiere ein ernsthaftes Anliegen ist, gar kein Fleisch mehr konsumieren.
Ausserdem sind die Vielfleischesser der Meinung, dass die Tierhaltung generell gut ist, was natürlich das schlechte Gewissen beim Fleischkonsum etwas besänftigen kann.
Aber viele Personen scheint es schlicht nicht zu interessieren, wie die Tiere gehalten werden: Nur 39% gaben an, schon intensiv über die Tierhaltung nachgedacht zu haben. Im Jahre 2001 waren es noch 52%.

Die Gründe der Fleischesser

Weshalb wird heute noch so viel Fleisch gegessen, obwohl dessen Nachteile immer bekannter werden?
Für 48% der befragten Fleischesser ist Fleisch für eine vollwertige Ernährung notwendig, 45% glauben, es brauche Fleisch, um fit zu bleiben. Diese Rate ist gegenüber der früheren Umfrage von 2001 unverändert geblieben. Viele erhoffen sich Kraft und Energie vom Fleisch.

Der wesentlichste Punkt beim Fleischkonsum ist jedoch der Genuss beim Essen (für 67%). Dafür spricht auch, dass Personen, die gute Alternativen zu Fleisch kennen, Fleisch häufiger für unwichtig halten. Die wenigsten bezeichnen Fleisch als ungesund.

Wer täglich Fleisch isst, hat seinen Konsum in den letzten 5 Jahren sogar noch gesteigert. Dagegen hat seinen Konsum nochmals eingeschränkt, wer weniger als einmal pro
Woche Fleisch isst.

Männer halten Fleisch in der Ernährung für wichtiger, als Frauen dies tun. An den Aussagen kann man erkennen, dass die Fleischwerbung der letzten Jahrzehnte mehr bewirkt hat als alle wissenschaftlichen Studien, welche den Nachteil des heutigen hohen Fleischkonsums für die menschliche Gesundheit belegen.
Die Aussagen können aber auch so interpretiert werden, dass diejenigen, die aus Genusssucht oder Bequemlichkeit nicht auf das Fleisch verzichten wollen, sich ihre «Argumente» so zurechtbiegen, dass sie ihre Sucht damit begründen können.
Es ist schliesslich einfacher zu behaupten, dass der Körper das Fleisch braucht, um gesund zu bleiben, als zugeben zu müssen, dass man zu wenig Willenskraft hat, um auf den Konsum von Fleisch zu verzichten.
Dies würde auch erklären, weshalb vegetarisch lebende Bodybuilder und Spitzensportler nichts gegen diese Vorurteile bewirken können. Die bequemen Vorurteile sind stärker als die lebenden Gegenbeweise.

 

31% der Interviewpartner essen weniger
Fleisch oder Fleischerzeugnisse als 2001.

Gastronomie

63% der Gastronomen gaben an, heute gleich viele Fleischgerichte zu verkaufen wie vor fünf Jahren, 19% servieren weniger und 6% mehr Fleischgerichte.
Als Grund für die Abnahme des Fleischverkaufs nennen die Gastronomen hauptsächlich den häufigeren Verzehr von fleischlosen Menüs, die grössere Anzahl von Vegetariern, wirtschaftliche Gründe und die Vogelgrippe.
Beim auswärtigen Essen ist den befragten Konsumenten die genussreiche Verpflegung am wichtigsten, gefolgt von der Abwechslung und dem gesundheitlichen Aspekt.
Der gesundheitliche Aspekt wird von Frauen und in der Westschweiz als wichtiger erachtet. Schnelle und preiswerte Verpflegung ist insbesondere den jüngsten Befragten wichtig. Diese Ergebnisse decken sich mit denjenigen von 2001.

 

Rund 15% verzichten auf Schweinefleisch, Rindfleisch, Wurst und Salami, während 14% häufiger Geflügel konsumieren.

5% Vegetarier?

95% aller Interviewpartner geben an, zumindest gelegentlich Fleisch oder Fleischerzeugnisse zu konsumieren.
Der Anteil der Vegetarier beträgt somit 5% (allerdings wurde nicht nach dem Fischkonsum gefragt). Wie bereits 2001 ist der am häufigsten genannte Grund, sich vegetarisch zu ernähren, die Tierliebe. Bei den 15- bis 29-Jährigen sind sogar 8,7% Vegetarier. Wie bei allen anderen Umfragen konnte auch hier festgestellt werden, dass Frauen etwas häufiger vegetarisch leben als Männer: 5,7% gegenüber 4,5%. Die korrekten Zahlen der Anzahl Vegetarier liegen vermutlich etwas tiefer, da die Fragestellung nicht eindeutig genug war und immer mehr Menschen sich heute als Vegetarier bezeichnen, selbst wenn sie noch ab und zu Tiere essen (z.B. Fische).

Generell gesehen essen 31% der Interviewpartner weniger Fleisch oder Fleischerzeugnisse als 2001.
Personen, die sich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinandergesetzt haben, konsumieren eindeutig seltener Fleisch.
Dass der Fleischkonsum dennoch nicht zurückging, hat seinen Grund darin, dass diejenigen, die schon früher täglich Fleisch gegessen haben, nun noch mehr Fleisch konsumieren. Dagegen hat seinen Konsum nochmals eingeschränkt, wer weniger als einmal pro Woche Fleisch isst.
Diese beiden Trends bewirkten, dass der Fleischkonsum insgesamt fast gleich geblieben ist.

Renato Pichler