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Welternährungsorganisation FAO der UNO:

Die Tierhaltung ist für das Klima schlimmer als der gesamte Verkehr

Erstmals hat sich eine UN-Organisation mit den ökologischen Folgen der Fleischproduktion befasst. Heraus kam ein über 400-seitiges Dokument, das die verheerenden globalen Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt aufzeigt.

Welternährungsorganisation

Die FAO (Food and Agriculture Organization) der Vereinten Nationen (UNO) setzt sich international (gemäss eigener Auffassung) gegen den Hunger ein.
Sie sieht sich als eine neutrale Organisation, welche sowohl in den entwickelten als auch in Entwicklungsländern aktiv ist.
Ihre Ziele verfolgt sie unter anderem damit, die Landwirtschaft in Entwicklungsländern zu modernisieren. Schwerpunkt dabei ist die Förderung der Fleischproduktion und der Fischerei.
www.fao.org

Die Welternährungsorganisation FAO der Vereinten Nationen (UNO) ist bekannt dafür, den Fleischkonsum weltweit zu fördern. Offenbar kann jedoch selbst diese Organisation bei ihrer Tätigkeit die gravierenden Auswirkungen der globalen Fleischproduktion auf die Umwelt nicht mehr übersehen. Die neue Studie der FAO widmet sich deshalb den ökologischen Folgen der Fleischproduktion.

Sie befasst sich mit folgenden Themenbereichen:

Golf von Mexiko

Die Zuläufer vom Mississippifluss erfassen rund 41% des US-amerikanischen Wassers und bringen es in den Golf von Mexiko.
Deshalb ist der Zustand dieses Wassers besonders aussagekräftig für die ganzen Vereinigten Staaten.
Der Golf von Mexiko beinhaltet durch dieses verschmutzte Wasser heute auf einer Fläche von 20700 km2 so stark verändertes Wasser, dass in Bodennähe aus Sauerstoffmangel kein Leben mehr möglich ist. Dies kann direkt auf die Viehwirtschaft (inkl. Futtermittelanbau) zurückgeführt werden. Die FAO zitiert dazu eine Studie, die zum Schluss kam, dass der Land- und Düngemitteleinsatz im Einzugsgebiet des Mississippi um 50% gesenkt werden könnte, wenn die USA zu einer vegetarischen Ernährung wechseln würden, ohne die Menge des produzierten Nahrungseiweisses zu reduzieren.
Dennoch geht die FAO in ihrer Studie nicht weiter auf die vegetarische Ernährung als Lösungsansatz der vielen Umweltprobleme ein.

• Landverbrauch und -veränderung durch die Viehhaltung
• Einfluss der Nutztiere auf die Klimaveränderung und Luftverschmutzung
• Die Rolle der Nutztiere bei der weltweiten Wasserknappheit und Wasserverschmutzung
• Der Einfluss der Nutztiere auf die Biodiversität (Artenvielfalt)
• Politische Veränderungen und Möglichkeiten

Als Vegi-Info-Leser bzw. -Leserin sind Ihnen die meisten Fakten sicher längst aus der mehrseitigen SVV-Schrift «Ökologische Folgen des Fleischkonsums» bekannt. Deshalb hier nur ein kurzer Überblick über die Fakten, die man diesem neuen Bericht entnehmen kann:
• 70% des abgeholzten Amazonaswaldes werden für Viehweiden verwendet und der Futtermittelanbau belegt einen Grossteil der restlichen 30%.
• Die Viehwirtschaft ist heute die Hauptursache für die Waldrodung im Amazonas.
• Die FAO erwartet, dass sich die globale Fleisch- und Milchproduktion in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch verdoppeln wird.
• Der Einfluss der Nutztiere auf die Klimaerwärmung ist höher als der des weltweiten Verkehrs.
• 68% des weltweiten Ammoniumausstosses gehen zulasten der Viehwirtschaft. Dies fördert den sauren Regen.
• Die Nutztiere verbrauchen rund 8% des globalen Trinkwassers und gehören damit zu den grössten Wasserverbrauchern. Zum Vergleich: Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie etc.) kommt auf rund 1%.
• 70% des weltweiten Landwirtschaftslandes werden für die Viehhaltung verwendet.
• 33% (= 471 Mio. Hektaren) des weltweit kultivierten Landes werden für Futtermittelanbau benutzt.
• 26% (= 3433 Mio. Hektaren) der Oberfläche des Planeten (ohne Wasser- und Eisflächen) werden als Weideflächen für die Nutztiere eingesetzt.

Lösungsansätze

«Es ist offensichtlich, dass die Verantwortung für die nötigen Reaktionen auf die Umweltschäden durch die Viehhaltung weit über diesen Wirtschaftszweig und die ganze Landwirtschaft hinausgehen.»
Samuel Jutzi, Direktor der Abteilung für Tierproduktion und Gesundheit der FAO
In der Einleitung zur Studie, Seite iv

Besonders interessant ist natürlich, was die FAO in ihrem Bericht als Lösung für diese gravierenden Probleme vorschlägt. Da die FAO bisher immer wieder dafür gesorgt hat, dass in Entwicklungsländern mehr Fleisch konsumiert wird, wäre es ein bewunderungswürdiges Eingeständnis, wenn sie nun dies als Fehler anerkennen würde. Doch leider bleibt die FAO gefangen in ihrer Hauptstossrichtung: Möglichst günstige tierische Nahrungsmittel allen Menschen zur Verfügung zu stellen.
Evtl. wird sie dies künftig mit einem etwas schlechteren Gewissen tun, aber mehr wird sich gemäss ihrer eigenen Schlussfolgerung aus der Studie kaum ändern.
Bei der Begründung, weshalb tierische Nahrung so wichtig sei, bezieht sich die FAO auf nur ein Experiment, das mit mangelernährten kenianischen Kindern durchgeführt und von der Fleischindustrie finanziert wurde (siehe dazu: Vegi-Info 2005/1 und Pressemeldung der EVU).
Am Ende der Studie fragt die FAO auch, weshalb bis heute der Zustand so ist. Ihre Antwort darauf (S. 305): «Die Öffentlichkeit hat ein nicht angemessenes Wissen über den Umfang des Problems. Vermutlich trifft dies sogar auf die Mehrheit der Umweltaktivisten und Entscheidungsträger zu, dass auch sie den wahren enormen Auswirkungen der Viehwirtschaft auf das Klima, Biodiversität und Wasser nicht die angemessene Beachtung schenken.»

Die FAO fordert auch, dass die Preise der Produkte (Futtermittel und tierische Erzeugnisse) auch die Kosten der Umweltzerstörung beinhalten sollten. Obwohl ein zerstörter Regenwald auch mit noch so viel Geld nie mehr wiederhergestellt werden kann, wäre dieser Ansatz ein wichtiger Schritt, weil damit die tierischen Produkte so viel teurer werden würden, dass der Konsum sich auf umweltschonendere pflanzliche Produkte verlagern würde. Diese Forderung macht die FAO (gemäss eigenen Angaben) jedoch nur, weil sie annimmt, dass die Menschen bereit sind, den Mehrpreis für tierische Produkte zu bezahlen. Damit würde der Konsum tierischer Produkte wieder zu einem Statussymbol und Vorbild für alle ärmeren Bevölkerungsschichten, was einen weiteren Anstieg des Konsums fördern würde.

Bleibt zu hoffen, dass sich die Prophezeiung der FAO, dass sich der Fleischkonsum bis 2050 verdoppeln wird, nicht erfüllt, auch wenn die FAO weiter den Fleischkonsum fördert und so tut, als sei diese Verdopplung ein Naturgesetz, gegen das man nichts unternehmen könne.
Die SVV wird in jedem Fall die Entwicklung innerhalb der UNO genau verfolgen und über weitere Schritte wieder berichten.

Würde die US-amerikanische Bevölkerung von ihrer jetzigen Kost auf rein pflanzliche Ernährung umsteigen, würden alleine dadurch die USA 6% weniger Treibhausgase produzieren.
Gemäss Studie «Diet, Energy, and Global Warming» der Universität Chicago, publiziert in: Earth Interactions, Volume 10 (2006), Paper No. 9

«Alles, was direkt vom Feld kommt, hat Zukunft. Wir können die Menschheit nicht mit lauter Produkten ernähren, die über das Tier gehen. Das ist eine wahnsinnige Verschwendung von Energie und Rohstoffen und belastet die Umwelt.»
Helmut Maucher, ehemaliger Chef von Nestlé

SVV-Aktion

Auch die Schweiz hat einen weltweit gesehen relativ hohen Fleischkonsum und trägt damit auch zu den oben genannten Problemen aktiv bei.
Die SVV hat deshalb Mitte Januar allen National-, Stände- und Bundesräten die Informationen über diese neue FAO-Studie zukommen lassen (E-Mail an Parlamentarier). Es gab erstaunlich viele positive Reaktionen. Interessant war, dass kein einziger Politiker geantwortet hat, dass er die Studie bereits kenne, für all jene, die antworteten, war diese Studie unbekannt.
Natürlich gab es auch negative Rückmeldungen. Diese kamen aber fast ausschliesslich von Schweinemästern und Rinderhaltern (davon gibt es leider einige im Parlament). Die sehr emotionalen negativen Antworten hatten aber kaum Bezug zu den verschickten Informationen und liessen erkennen, dass diese Politiker gar nicht gewillt sind, solche Studienresultate auch nur eines Blickes zu würdigen. Es wäre gut, wenn die Vegetarier sich bei den nächsten Wahlen genau ansehen würden, wen sie wählen …

Schweizer Zahlen

Die Schweiz ist nicht nur indirekt (durch den Import tierischer Produkte und Futtermittel) am Klimawandel beteiligt, sondern auch direkt durch die eigenen Nutztiere.
Der «SonntagsBlick» vom 14.1.06 veröffentlichte dazu Zahlen des Bundesamtes für Umwelt:

Der Methanausstoss der Schweizer Wiederkäuer beträgt 136000 Tonnen pro Jahr (täglich: 373 Tonnen!). Wobei Methan über 20-mal stärker das Klima beeinflusst als dieselbe Menge Kohlendioxid.

Weitere Informationen inklusive des Links zur vollständigen FAO-Studie (sie kann kostenlos heruntergeladen werden: 407 Seiten / 5 MByte) finden Sie unter folgender Internet-Adresse der SVV:
www.vegetarismus.ch/klimaschutz

Renato Pichler

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 12.11.2009

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