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Eine Affen-Invasion hält Neu-Delhi in AtemAffe

In der indischen Hauptstadt haben sich mehr als 5000 Makaken über viele Jahre ein glückliches Stadtleben erkämpft, das sie auch recht vermehrungsfreudig werden liess, denn an Nachwuchs fehlt es nicht.
Auch Futter für die wachsende Zahl der Fassadenkletterer ist reichlich vorhanden, denn menschliche Freunde sorgen für regelmässigen Nachschub, offen stehende Fenster und Türen laden zu Besuchen in fremde Wohnungen ein, in denen die Einrichtung neu zu ordnen und der Kühlschrank sauber auszuräumen ist, und von Schulkindern, Passanten und Gemüsehändlern lässt sich Proviant ziemlich mühelos klauen. Sogar die Angehörigen von Ministerien müssen aufpassen, dass ihnen ihre Verpflegung nicht vom Schreibtisch gerissen wird, denn die im Grünen liegenden Regierungsviertel sind bei den kletterfreudigen Tieren, die auch den Besuch im Büro des Premierministers nicht scheuen, ganz besonders beliebt.
Die Affen wurden zu Meistern im Drangsalieren menschlicher Stadtbewohner, sie mobben und beissen sie, bestehlen sie, verwüsten ihre Wohnungen, legen Stromversorgung lahm, graben Gärten um, öffnen Mülleimer und verteilen den Inhalt und schummeln sich in Züge und U-Bahnen.
Sogar Asiens grösster Gerichtskomplex Tis Hazari litt unter der Affen-Invasion. Rechtsanwälte und Klienten waren den Attacken der Tiere, die kräftig zubeissen können, ausgesetzt. Ein verärgerter Richter beim Obersten Gericht schimpfte: «Wenn man die Affen nicht einfangen kann, macht man eben besser die Einrichtung zu.»

MakakenaffeKrieg der Spezies?
Was kann man gegen die charismatischen Übeltäter tun in einem Land, in dem Hindus den Affengott Hanuman verehren und Gewalt gegen Affen nicht akzeptabel ist?
Versuche, die aus ihrem ursprünglichen Lebensraum vertriebenen Vandalen durch mit Languren-Affen besetzte Patrouillen zur Räson zu bringen, schlugen fehl, denn die verjagten Makaken kamen einfach zurück, nachdem die vom Verteidigungsministerium angestellten Languren Feierabend hatten. Hochfrequenz-Lautsprecher brachten genauso wenig Erfolg wie Geburtenkontrolle.

Ratlos hat das indische Verfassungsgericht im Oktober 2006 die Abschiebung von 300 Tieren in die Wälder des zentralindischen Bundesstaates Madhya Pradesh angeordnet und will für die Rehabilitation auch ordentlich in die Tasche greifen. Die widerstrebenden Gastgeber aber haben sich bis jetzt erfolgreich gegen die schwierigen Einwanderer gewehrt, denn sie haben immer noch alle Hände voll zu tun mit einer ihnen im Jahr 2004 zugeführten Affengruppe, die sie «die Wände hochtreibt».

Nun hocken die Diebe in Käfigen und eine Lösung des Dilemmas ist nicht in Sicht. Tierschützer protestieren gegen die Gefangennahme und weisen darauf hin, dass die Affen diese Art der Haltung nicht lange ertragen können und dahinsiechen werden.
«Lasst die Affen in Ruhe», fordert die Abgeordnete Maneka Gandhi.
Welche Alternativen haben diejenigen, die die Entscheidungen im besten Interesse von Mensch und Tier treffen müssen? Wenn auch im Moment zufriedenstellende Lösungen fehlen, so mangelt es doch nicht an gutem Willen der indischen Bundesregierung, denn in allen anderen Ländern ist jeder Konflikt mit Tieren schnell gelöst. Man denke nur an das Schicksal des Bären Bruno in Bayern oder an die Wölfin, die Ende Oktober 2006 im Goms erschossen wurde.

Herma Caelen


Die Inderin Lobsang hat in Neu-Delhi studiert und die Affen-Situation vor Ort beobachtet. Sie gab uns ein Interview:


Vegi-Info: Welche Erfahrungen hast du gemacht mit den Stadtaffen in Neu-Delhi?
Lobsang: Ich finde sie schrecklich. Ich habe Angst vor ihnen. Wenn sie sehen, dass man kaut, kommen sie und reissen einem das Essen aus der Hand. Sie beissen auch. Ihre Bisse und Kratzwunden sind gefährlich, denn sie entzünden sich schnell. Am sichersten ist es, sofort zum Arzt zu gehen.

Es sind also keine zahmen Tiere?
In Indien hält man normalerweise keine Affen als Haustiere, es sei denn, man will mit ihnen Geld verdienen, indem man ihnen Tricks beibringt und sie in Kleider steckt. Im Allgemeinen sind die Affen wild und ziemlich aggressiv. Sie attackieren vor allem Leute, die allein sind, und kleine Kinder. Sogar wenn man ihnen Essen anbietet, kann es passieren, dass sie einem in die Hand beissen.

Bist du auch angegriffen worden?
Nein, das nicht. Aber als ich eines Tages vergessen hatte, meine Wohnung ordentlich abzuschliessen, sah ich einen Affen aus dem Fenster springen, als ich abends nach Hause kam. Allerdings hat das Tier nichts zerstört und auch nichts Essbares gefunden, denn meine Lebensmittel sind gut verstaut.

Die Angriffe und Einbrüche scheinen also ein Mittel zur Nahrungsbeschaffung zu sein. Was fressen die Affen?
Alles, was sie finden oder klauen können. Und dann verzehren sie es wie Menschen: Sie pellen die Schale von der Banane und knacken die Erdnüsse auf, bevor sie sie essen.

Und du magst die Stadtaffen nicht, obwohl sie so possierlich sind?
Nein, ich finde sie wirklich ganz furchtbar und mache einen grossen Bogen um sie. Aber nicht alle sind meiner Meinung; eine Freundin von mir ist ganz verliebt in die Tiere.