Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen

Die SVV heisst seit 2014: Swissveg

Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Seite veraltet!
Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert! Unsere aktuellen Infos finden Sie auf unserer neuen Homepage: Swissveg.


Jagd

Die Befürworter der Jagd behaupten immer wieder, dass durch den gezielten Abschuss von Wildtieren einer Überpopulation und Wildschäden vorgebeugt werden könne. Ausserdem werde die Natur bewahrt und Mensch und Tier würden vor Krankheiten geschützt, indem man nur kranke Tiere erschiesse.

Tote Füchse

Krankheiten

Doch diesen Aussagen stehen handfeste Beweise von Ökologen und Biologen gegenüber. Wenn man der Natur nämlich ihren Lauf lassen würde, müsste sich der Mensch zum Beispiel nicht so sehr vor Tollwut-Ansteckungen durch Füchse fürchten. Denn ein krankes Tier stirbt sowieso innert kürzester Zeit. Durch das Jagen allerdings werden die Familienbande der Füchse zerrissen und die Tiere werden immer mehr aus ihrem natürlichen Lebensraum in die umliegenden Agglomerationen vertrieben. Dadurch wird die Krankheit auf Hunde übertragen und somit auch der Mensch grösserer Gefahr ausgesetzt. Anstatt also die Ansteckung für den Menschen zu verringern, wird das Risiko durch die Jagd sogar noch vergrössert. Abgesehen davon, ist es für einen Jäger unmöglich, durch das Fernglas auf mehrere hundert Meter Entfernung zu erkennen, ob ein Tier wirklich krank ist. Allein ein Tierarzt kann dies beurteilen.

Überpopulation

Durch ein komplexes Zusammenspiel zwischen Nahrungsangebot, Umweltbedingungen und vorhandenem Lebensraum regelt sich auch der Tierbestand von selbst. Lebt zum Beispiel mehr Wild auf einer Fläche, als diese mit Futter versorgen könnte, würde dementsprechend die Anzahl der neugeborenen Tiere sinken. Durch den Abschuss von Wild hingegen wird die Überpopulation in keiner Weise verhindert, im Gegenteil: Denn um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, bringen die Tiermütter mehr Junge als gewöhnlich zur Welt. Je mehr Wild also abgeschossen wird, desto mehr Jungtiere werden geboren. Demnach bedeutet eine hohe Anzahl an Jungtieren, dass es eigentlich zu wenig Tiere hat und sich die Population erholen sollte. Doch Jäger nutzen die scheinbar hohe Anzahl von Jungtieren, um damit die Jagd auf das Wild zu rechtfertigen.

Tote ReheWildschäden

Der Wald dient heute nicht mehr allein der Erholung und Ruhe, sondern vor allem der Holzproduktion. Häufig werden 20'000 Bäume und mehr auf einer Fläche gepflanzt, auf der eigentlich nur für 2000 ausgewachsene Bäume Platz wäre. Der grösste Teil davon wird demnach abgeschlagen und für die Holzverarbeitung weiterverwendet. Deshalb spielen vor allem wirtschaftliche Gründe eine Rolle, warum die Wildtiere den Jägern ein Dorn im Auge sind. Denn die Rehe zum Beispiel essen am liebsten die Rinde und die Triebe der wachsenden Bäume, doch somit stirbt auch der Rest der Pflanze ab. Um diese Mindereinnahme zu verhindern, erlegt der Jäger die potentiellen «Übeltäter» schon im Voraus. Aus ökologischer Sicht jedoch ist das Abschiessen von zahllosen Rehen keinesfalls nötig. Denn auch hier passen sich Pflanzen- und Tierwelt hervorragend einander an. Wenn die Jäger die Tiere nämlich nicht mit ihren Gewehren von den gewohnten Weideplätzen, den Wiesen und Feldern am Waldrand, verscheuchen würden, müssten sich die Rehe auch nicht nach alternativer Nahrung (eben den Jungpflanzen) umsehen. Übrigens kann man das Anfressen von Jungpflanzen ganz einfach verhindern, indem die neuen Aufforstungen eingezäunt werden.

Hirsch

Es geht auch anders!

Überall, wo der Mensch in die Natur eingreift, entstehen Probleme. Familienstrukturen werden durch den Tod von Leit- und Muttertieren zerstört. Die bejagten Tiere müssen sich immer weiter in den Wald zurückziehen oder ihre gewohnte Umgebung sogar ganz verlassen. Tagaktive Tiere müssen nachts ihr Futter suchen, weil die Gefahr, dann von einem Jäger erwischt zu werden, kleiner ist. Durch die Furcht der Tiere vor Verfolgern kommt man leider auch immer weniger in den Genuss, wildlebende Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu beobachten und sich mit ihnen zu beschäftigen. Durch ihre Angst ziehen sie sich extrem von den Menschen zurück, gelten als scheu und unnahbar.
Verzichtet man aber darauf, Tiere zu jagen, geschieht Erstaunliches. In der japanischen Stadt Nara zum Beispiel werden seit über 1000 Jahren aus religiösen Gründen keine Rehe und Hirsche mehr getötet. Seit dieser Zeit ist der Bestand auf eine ständig konstante Anzahl von rund 1200 Hirschen gewachsen. Die Tiere leben in den angrenzenden Wäldern oder in der Stadt selbst. Sie wissen genau, dass sie von den Menschen nichts zu befürchten haben, und lassen sich selbst von Touristen gerne streicheln und füttern.
Aber auch in europäischen Nationalparks, in denen die Jagd schon seit Jahrzehnten verboten ist, erlebt man durchwegs positive Veränderungen im Verhalten der Tiere. Die Wildhüter im grössten italienischen Nationalpark Gran Paradiso stellen nämlich immer wieder fest, wie zutraulich und lieb die als scheu geltenden Tiere sein können, sobald ihre Angst vor Verfolgern verflogen ist. Gämsen, Steinböcke, Hasen und Rehe haben keine Furcht, sich von den Besuchern beobachten zu lassen.
Im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer können Kinder Wildgänse aus nächster Nähe betrachten. Die ansonsten ängstlichen Tiere wissen, dass ihnen von den Menschen keine Gefahr droht.1
Aber nicht nur Wildtiere und Vögel, sogar auch Fische werden zutraulich, sobald sie keine Angst mehr davor haben, gefangen zu werden. Im kroatischen Nationalpark Plitvice ist das Baden und natürlich auch das Fischen in den Seen schon seit Jahren verboten. Die Tiere danken es den Besuchern, indem sie in Scharen bis ans Ufer schwimmen und sich sogar streicheln lassen!

Sinnvolle Jagd?

Jährlich werden in der Schweiz knapp 120’000 Rehe, Hirsche, Füchse, Murmeltiere, Gämsen und Kaninchen erschossen.2 Nachdem die erwähnten Argumente der Befürworter aber in keinem Fall haltbar sind, bestehen die Gründe für die Jagd einzig und allein in der Beschaffung von Tierfleisch und Fellen und in der offensichtlichen Freude, die der Jäger bei der Verfolgung und Tötung wildlebender Tiere verspürt. Solche Faktoren rechtfertigen in der heutigen Zeit in keiner Weise das Leid an unschuldigen Tieren und es ist überaus fraglich, ob solch eine blutige Tradition noch weiter fortgeführt werden sollte.

«Jedes Ding hat seine Zeit. Die Zeit für die Jagd ist abgelaufen.»
Hubert Weinzirl, ehem. BUND-Vorsitzender (*1935)

Fussnoten:

1. www.abschaffung-der-jagd.de
2. Eidg. Jagdstatistik, BAFU

Weitere Informationen: