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Der Weg in die ökonomische Sackgasse

Die Schweizer Landwirtschaft ist laut Bundesverfassung dazu verpflichtet, nach dem «Nachhaltigkeits-Prinzip» zu handeln. Das bedeutet: Der Bund muss sicherstellen, dass auch zukünftige Generationen die Möglichkeit haben werden, ihre Bedürfnisse mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen abzudecken. Doch ohne die Stützung durch die öffentliche Hand ist die schweizerische Landwirtschaft schon lange nicht mehr überlebensfähig. Dies beweisen die horrenden Summen, welche in Form von Subventionen und Direktzahlungen an die Landwirtschaft – hauptsächlich an die Milch- und Fleischproduzenten – ausbezahlt werden.

Ökonomie

Subventionen

Ausgaben des Bundes für
Produktion und Absatz 2004
Milchwirtschaft:
Fr. 542`226`600
Viehwirtschaft:
Fr. 27`140`409
Pflanzenbau:
Fr. 137`801`880
Total:
Fr. 707`168`889

Im Jahr 2004 hat der Bund allein für die Absatzförderung und Marktstützung der landwirtschaftlichen Produktion über 730 Mio. Franken ausgegeben. Der Grossteil davon (80%) wurde wiederum für die Förderung der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie verwendet.1 Demnach stehen der pflanzlichen Nahrungsmittelproduktion gerade mal knapp 20% zur Verfügung.
In der gesamten EU werden 35%, in den USA ca. 28% des landwirtschaftlichen Produktionswertes für Subventionen verwendet. Hierzulande sind jedoch mehr als 75% der Einnahmen der Schweizer Landwirtschaft auf direkte oder indirekte Subventionen zurückzuführen.2 Dies ist der höchste Anteil weltweit und kostet den Staat jährlich um die 7,6 Milliarden Franken.3 Mehr als die Hälfte davon muss in die Marktstützung investiert werden. Experten haben nämlich aufgezeigt, dass tierhaltende Landwirte, trotz Direktzahlungen, lediglich auf einen Stundenlohn von durchschnittlich 6 bis14 Franken kommen. Für einen Bauern aus der Bergregion ist sogar nur noch ein Verdienst von etwas mehr als 5 Franken möglich.4 Um das Überleben dieses Produktionszweiges zu garantieren, muss der Staat eben diese riesigen Summen an die entsprechenden Produzenten auszahlen. Nur aufgrund dieser Zuzahlungen «lohnt» sich die Tierhaltung überhaupt. In keinem anderen Wirtschaftszweig wird eine solch starke Verzerrung des Marktes bewirkt wie in der Landwirtschaft. Zwar werden die Einnahmen aus dem Geschäft privatisiert, die Kosten jedoch werden auf die Allgemeinheit (und somit den Steuerzahler) abgewälzt.

Ausgaben Direktzahlungen 2004

Allg. Zahlungen
Fr. 1`993`915`000
Ökol. Zahlungen
Fr. 494`695`000
Ökobeiträge
Fr. 398`109`000
Sömmerung
Fr. 91`066`000
Gewässerschutz
Fr. 5`521`000
Total
Fr. 2`983`306`000

Direktzahlungen

An die schweizerischen Bauernbetriebe wurden 2004 knapp 3 Milliarden Franken in Form von Zuschüssen ausbezahlt.5 Um von diesen Geldern zu profitieren, muss der Landwirt die Mindestvorschriften des so genannten ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) einhalten. Diese Anordnungen entsprechen teils der landwirtschaftlichen Praxis und teils den bereits bestehenden gesetzlichen Bedingungen. Die ÖLN-Bestimmungen zur Düngung hingegen unterschreiten die gesetzlich vorgegebenen Werte zum Schutz des Grundwassers und der Seen. Jedes andere Gewerbe hat sich an diese offiziellen Vorgaben zu halten (und das ohne dass es dafür Subventionen beziehen kann). Hingegen tolerieren die Behörden, dass durch die ÖLN-konformen, aber gesetzeswidrigen Bestimmungen seit Jahrzehnten Stickstoff und Phosphor in unser Grundwasser gelangen.6
Anstatt auf eine ausgewogene Grundlage für Gross- und Klein-, für Tier- und Pflanzenbauer zu setzen, profitieren vor allem die Grossbetriebe und Viehzüchter von den staatlichen Geldern, wie ein Blick auf die Preisliste zeigt. Landwirte, welche Raufutter (Heu) verzehrende Nutztiere halten, bekommen einen Zustupf von Fr. 900.– pro Rindvieh, je Fr. 400.– für übrige Tiere wie Schafe, Ziegen und Hirsche. Besondere Zuzahlungen für Pflanzenbauer sind hingegen nicht vorgesehen.7
Problematisch dabei ist, dass sich trotz dieser finanziellen Bevorzugung der Massentierhaltung die Fleischproduktion in keiner Weise rentiert. Knapp die Hälfte des gesamten Ertrages der Rinderhaltung wird durch den Bund in Form von Direktzahlungen beigesteuert. Im Gegensatz dazu weisen die Landwirte, welche auf den Ackerbau setzen, einen Rohertrag von 220000 Franken aus, und das obwohl gerade mal 20% davon aus Direktzahlungen stammen. Dies ist unter anderem auf die geringeren Unterhaltskosten zurückzuführen. Schliesslich braucht ein Obstanbauer nicht ständig Futtermittel einzukaufen und die tierischen Exkremente zu entsorgen. Dementsprechend ist auch der Arbeitsverdienst des Pflanzenbauers mit Fr. 54000.– mehr als doppelt so hoch als der eines Bauern, der auf die Rindviehhaltung setzt.8

Tabelle Direktzahlungen

Damit man die Fleischproduktion also weiterhin fördern kann, müssen enorme Summen in die Unterstützung der tierischen Produktion gesteckt werden. Wäre es dabei nicht viel sinnvoller, in die nachhaltige Förderung der Pflanzen- und Obstkulturen oder in die Entwicklung von Fleischalternativen zu investieren? Schliesslich können diese Produkte, selbst ohne Subventionen, durchaus mit den Fleischpreisen mithalten. Die Förderung solcher Wirtschaftszweige wäre nicht nur für den einzelnen Landwirt rentabler, sondern würde auch zu einer positiven Veränderung der gesamten Wirtschaftssituation führen. Denn nach Schätzungen des renommierten Worldwatch-Instituts in Washington müsste sich der Fleischpreis verdoppeln oder verdreifachen, wenn man die vollen ökologischen Kosten, einschliesslich der Verbrennung fossiler Brennstoffe, der Absenkung des Grundwassers, der chemischen Verseuchung des Bodens und der Erzeugung von Ammoniak und Methangas berücksichtigt. Ganz zu schweigen von den Folgekosten im Gesundheitswesen. Noch ein Beweis dafür, wie unglaublich kostenaufwendig die Herstellung von tierischen Nahrungsmitteln ist!

WTO

Durch die Vereinheitlichung des weltweiten Handels verspricht sich die Welthandelsorganisation (WTO) eine Steigerung der Warenproduktion, mit dem Ziel, den Lebensstandard der Bevölkerung zu erhöhen. Dieser lobenswerte Vorsatz nützt aber in erster Linie den einflussreichen Länder dieser Welt. Denn im Gegensatz zu den Entwicklungsländern profitieren vor allem die reichen Regionen von einer Öffnung des Weltmarktes. Schliesslich verfügt kaum eines der Drittweltländer über genügend finanzielle Mittel, um die Landwirtschaft mit Direktzahlungen zu unterstützen. Indien zum Beispiel kann gerade mal 1 Prozent seines Bruttosozialprodukts für Stützungsmassnahmen einsetzen, das WTO-Abkommen hingegen gestattet bis zu 10 Prozent. Da die ärmeren Länder den erlaubten Rahmen der Subventionen für ihre Landwirtschaft aus finanziellen Gründen nie ausschöpfen können, sind sie in einem solchen von Subventionen gesteuerten offenen Markt immer benachteiligt. Der Druck, möglichst billige Nahrungsmittel zu produzieren, wächst, und wer nicht mithalten kann, hat verschwindend geringe Chancen, sich auf dem riesigen Markt behaupten zu können. Zudem werden asiatische Länder wie Indien und China mit massivem Druck seitens der WTO dazu gezwungen, Beihilfen, Subventionen und Zölle abzubauen, wohingegen die Industrieländer ihre Landwirtschaftsbeihilfen ständig erhöhen. Wer Geld hat, regiert! Ganz zu Gunsten der Industriestaaten müssen die schwächeren Länder der Welt sich anpassen, wenn sie auf dem riesigen Weltmarkt mithalten wollen.9
Doch die unterschiedlichen Abkommen entstehen nicht nur auf Kosten einzelner Länder, sondern auch auf Kosten der Tiere. Denn die so genannten WTO-Freihandelsregeln besagen, dass kein Land den Import von Lebens- und Luxusmitteln aus ethischen Gründen sanktionieren darf. Das bedeutet: Obwohl zum Beispiel die Batteriehaltung in der Schweiz gesetzlich verboten ist, darf nicht verhindert werden, dass Billigeier aus dieser tierquälerischen Produktion importiert werden. Gerade diese Regeln zeigen, dass die WTO-Verhandlungen keinen Platz für ethische Erwägungen wie Tierschutz, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit lassen.

Neuseeland

Dass es durchaus einen Ausweg aus der ökonomischen Sackgasse geben kann, beweist sich am Beispiel von Neuseeland. Das Land, dessen Hauptexporte Milch- und Fleischprodukte waren, konnte sich die enorme Bevorzugung des Bauernstandes einfach nicht mehr leisten und war praktisch dazu gezwungen, über Nacht die Auszahlung sämtlicher Subventionen einzustellen. Anfänglich mussten zwar eine Reihe von Geschäften und Dienstleistern aufgeben, doch das Angebot wurde schliesslich an die reale Nachfrage angepasst. Entgegen aller gängigen Meinung erlebt das Land diese Umstrukturierung heute als äusserst positiv. Die Bauern haben gelernt, sich nach den Bedürfnissen der Kunden auszurichten und nur noch so viel zu produzieren, wie auch verlangt wird. Durch die stärkere Qualitätsorientierung der landwirtschaftlichen Betriebe wird dem Umweltaspekt eine grössere Rolle zugeordnet. Eine saubere Umwelt spielt heute bei der Vermarktung neuseeländischer Agrarprodukte eine zentrale Rolle.10

Schlussbetrachtung

Es ist also durchaus möglich, eine nachhaltige Wirtschaft zu erhalten, die nicht auf dem Rücken der so genannten «Nutztiere» aufgebaut ist. Doch leider sind die Auswirkungen einer fleischorientierten Ernährung nur wenigen in ihrem ganzen Ausmass bewusst. Die hier aufgezeigten Fakten sollen deshalb, nebst den ökologischen und ethischen Konsequenzen, auch die wirtschaftliche Tragweite unserer Essensgewohnheiten verdeutlichen. Es ist wünschenswert, dass sich dadurch in Zukunft nicht nur Umwelt- und Tierschützer mit der Problematik des Fleischessens auseinandersetzen, sondern ebenso Ökonomen und Politiker.

Bernadette Raschle

 

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Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 25.11.2016

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