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Fleischlos gleich vegetarisch?

Seit 1. Mai 2002 sind die Begriffe «vegetarisch» und «vegan» in der Schweizer Lebensmittelverordnung (LMV) definiert (siehe: Vegi-Info 2002/2). Der Begriff «fleischlos» wurde jedoch nirgends festgelegt. Diese Lücke nutzen nun diverse Gastronomiebetriebe und Firmen der Nahrungsmittelindustrie aus.

Beispiel Zürcher Frauen Verein (ZFV):

Der ZFV ist eine Gastronomiegruppe, welche nebst einigen eigenen Restaurants auch viele Kantinen betreut. Sie haben in der Regel auch immer ein vegetarisches Angebot.
Im ersten Halbjahr 2005 wurde jedoch in einem Personalrestaurant gleich zweimal ein Fischgericht als vegetarisch angeboten. Die SVV hat beide Male die Leitung des ZFV darauf aufmerksam gemacht, dass dies illegal sei. Ausserdem wurde die Hilfe der SVV mit dem Europäischen Vegetarismus-Label angeboten, um künftig solche Fehler zu vermeiden.
Die Reaktion war, dass sich die ZFV-Gruppe als kompetent in Sachen Vegetarismus darstellte (obwohl sie im selben Schreiben die groben Fehler zugab) und deshalb auf externe Hilfe verzichtet. Als weiterer Grund wurde auch angegeben, dass sie selbst bereits ein «Vegi-Label», den so genannten «Mr. Broccoli», hätten. Wie viel Wert solch ein unkontrolliertes Label hat, hat die Unternehmensgruppe durch die groben Fehler gleich selbst aufgezeigt. Da eine Kontrolle der Küche nicht möglich ist, weiss man nicht, ob diese groben Fehler nur die Spitze des Eisberges sind.
Ganz ohne Folgen war das Einschreiten der SVV in diesem Fall jedoch auch nicht: Ab sofort gibt es in dem entsprechenden Personalrestaurant kein vegetarisches Menü mehr im Angebot: Es wurde auf «fleischfrei» umbenannt. Dadurch können nun problemlos Gerichte mit Gelatine, Schlachtfetten und Fisch serviert werden. Den Mister Broccoli wird es freuen, aber ob Vegetarier mit einer solchen «Lösung» glücklich sind, scheint bei der ZFV-Gruppe nicht von Interesse zu sein. Da auch Gerichte mit Fisch, Kälberlab und anderen Schlachtprodukten mit diesem «Vegi-Label» gekennzeichnet werden, wäre zumindest eine Umbenennung auf «Fleischlos-Label» angebracht.

Beispiel Coop:

Wie bereits im Vegi-Info 2004/2 berichtet, hat Coop vor Ablauf der Übergangsfrist der neuen Lebensmittelverordnung jeweils ein vegetarisches Rezept, eins mit Fisch und eins mit Fleisch für ihre Kunden veröffentlicht. Auch Coop hat für das vegetarische Angebot ein eigenes «Label» kreiert. Dass auch dieses Label kaum seriös kontrolliert wird, zeigte sich darin, dass ein angeblich vegetarisches Rezept Gelatine (hergestellt aus Schweinschwarte und Knochen) enthielt.
Auch hier wurde der Fehler zwar zugegeben, aber gleichzeitig auf das eigene Label verwiesen. Die Massnahme war auch dieselbe: Seit Einführung der neuen Lebensmittelverordnung und der Reklamation der SVV gibt es auch bei Coop nur noch ein fleischloses Rezept. Damit ist auch hier keinerlei Fachkompetenz zur Erstellung des Rezeptes mehr nötig.
Neuerdings wird dasselbe Coop-Label auch in Coop-Restaurants verwendet. Dort ist es allerdings noch schwieriger, Fehler herauszufinden, da die Gerichte ja nicht mit ihren Zutaten deklariert werden.

Vegetarier essen vegetarisch

Was können Vegetarier dagegen tun? Verlangen Sie vegetarische Produkte. Begnügen Sie sich nicht mit einem fleischlosen Menü, bei dem Sie nicht wissen, wie viele Schlachtprodukte (völlig legal) enthalten sind. Und achten Sie auf das einzige firmenneutrale, seriös kontrollierte Europäische Vegetarismus-Label. Nebst einigen kleineren Lizenznehmern finden Sie das Label auch in diversen Migros-Restaurants und auf Produkten der Cornatur- und Anna’s-Best-Linie der Migros.
Coop verwendet es für kein einziges Produkt, da eine neutrale, externe Kontrolle dort nicht erwünscht ist.
Je mehr Konsumenten nach dem Label fragen (mündlich vor Ort oder schriftlich per Internet oder Brief), desto mehr wird das Label verwendet werden. Nutzen Sie Ihre Macht. Ohne Konsumenten ist keine Firma überlebensfähig. Deshalb werden alle Kundenwünsche ernst genommen. Und nicht zuletzt ist der wichtigste Stimmzettel in jeder Marktwirtschaft der Geldschein: Was Sie heute kaufen, bestimmt das Angebot von morgen.
Leider kann man nicht sicher sein, dass sich alle Gastronomen und Nahrungsmittelproduzenten an die Definition der Worte «vegetarisch» bzw. «vegan» halten, da die Lebensmittelinspektoren so stark überlastet sind, dass sie nur ganz selten solche Falschdeklarationen entdecken. Sicher kann man deshalb nur sein, wenn ein Produkt/Menü das Europäische Vegetarismus-Label trägt, denn dann wird es von unabhängiger Stelle laufend kontrolliert.

Fleischlos gleich Fisch?

Da das Wort fleischlos nirgends im Gesetz definiert ist, kann es als Ausweg für alle dienen, die nichts Vegetarisches anbieten wollen, aber dennoch versuchen, die vegetarischen Kunden anzusprechen.
Interessant ist dabei, dass noch kein Restaurant mit «vegetarischen» Fischgerichten sagen konnte, auf welchem Baum Fische wachsen …

Renato Pichler