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Überlegenheit des Menschen als Rechtfertigung des Fleischkonsums

Kätzchen mit fixierendem BlickGenauso wie sich die Tiere untereinander unterscheiden, unterscheidet sich auch der Mensch in vielen Eigenschaften von anderen Tierarten. Zur Rechtfertigung, dass man Tieren ihr Leben nehmen kann, um den eigenen Gaumen zu befriedigen, wird oft der Unterschied zwischen Mensch und Tier stark hervorgehoben. Doch was sind dies genau für Unterschiede? Und wie gross sind sie wirklich?

Früher glaubten die Menschen, dass sie der Mittelpunkt des ganzen Universums seien. Heute wissen wir, dass die Erde nur ein Planet am Rande einer Milchstrasse ist, der um unsere Sonne kreist.
Die Erde hat also längst ihre Sonderstellung im Universum verloren. Doch auch hier auf der Erde wird dem Menschen immer mehr seine «Krone der Schöpfung» streitig gemacht.

Das Tierreich

Heute kann man in jedem (nicht religiös-fundamentalistischen) Biologieunterricht lernen, dass der menschliche Körper dem Tierreich zugeordnet wird. Durch die Genforschung wird immer klarer, wie wenig der Mensch sich von den anderen Tieren unterscheidet. Die Unterschiede sind so minimal, dass man schon länger plant, defekte menschliche Organe durch tierische (z.B. vom Schwein) zu ersetzen. Rein körperlich bzw. genetisch sind die Unterschiede zwischen einem Schmetterling und einem Elefanten wesentlich grösser als zwischen einem Menschen und einem Schimpansen.
Deshalb macht es biologisch gesehen keinen Sinn, die Menschen so stark von der restlichen Tierwelt zu trennen, wie manche es gerne tun würden.

springender LeopardKörperliche Überlegenheit der Tiere

Der Mensch hat einen sehr universell nutzbaren Körper. Von allem kann der Mensch ein bisschen, aber nichts beherrscht er besser als alle anderen Tiere. Der Gepard rennt viel schneller, der Adler sieht besser, der Delphin schwimmt besser, die Vögel können fliegen, Hunde riechen besser, ein Gorilla ist viel stärker usw.
Auf keinem Gebiet der körperlichen Fähigkeiten ist der Mensch den Tieren überlegen.
Hier mag man zwar einwenden, dass Menschen heute dank ihrer Technik fliegen können und sich schneller fortbewegen können als alle anderen Tiere. Doch sind die meisten dieser technischen Errungenschaften erst in den letzten Jahrzehnten bis Jahrhunderten entwickelt worden. Der Mensch war aber schon davor ein Mensch. Schliesslich behauptet niemand, dass die Menschen vor 1000 Jahren noch keine richtigen Menschen waren, weil sie noch nicht die heutigen technischen Mittel besassen.

EdelsitticheKommunikationsfähigkeit

Aber der Mensch hat doch eine hoch komplexe Sprache entwickelt? Diese Kommunikationsfähigkeit hat doch kein anderes Tier?
Auch dieser Mythos wurde durch Forschungen in den letzten Jahren stark relativiert.
Man fand heraus, dass Wale sich über viele Kilometer verständigen können. Die menschliche Sprache reicht hingegen bestenfalls einige hundert Meter.
Die Sprache mancher Tiere ist so komplex, dass sie bis heute noch nicht ganz entschlüsselt werden konnte. Andererseits ist es aber für manche Tiere nicht einmal so schwer, Teile der menschlichen Sprache zu erlernen. Im Juli 2004 wurde in einem Wissenschaftsmagazin der Border Collie Rico vorgestellt, der 200 Wörter verstand.[1] Bei einem wissenschaftlichen Experiment konnte er nach nur einmaligem Erwähnen der Namen von 40 neuen Spielsachen 37 davon korrekt zuordnen. Versuchen Sie dies einmal nachzumachen. Von 40 Wörtern einer fremden Sprache nach nur einmaligem Hören 37 zu behalten.
Damit wurde gezeigt, dass nicht nur Menschenaffen, Papageien, Delphine und Seelöwen solche bemerkenswerten Sprachfähigkeiten haben. Je mehr Tierarten man intensiv untersucht, desto mehr ist man über deren Fähigkeiten überrascht.
Ein wesentliches Problem bei der Erforschung der Kommunikationsfähigkeit der Tiere ist, dass diese keinen Kehlkopf wie Menschen haben und die meisten deshalb nicht dieselben Laute hervorbringen können. Bei Versuchen mit Affen konnte man dieses Problem umgehen, indem man mit ihnen über Symbole kommunizierte, die man auf Tafeln festhielt. Der Bonobo-Affe Kanzi konnte so z.B. rund 200 Symbole korrekt verwenden. Er bildete damit nicht nur vorgegebene Sätze, sondern erfand auch eigene Sätze mit den zur Verfügung stehenden Symbolen.[2] Zu Beginn der Experimente dachten die Wissenschaftler noch, dass die Symbole einen Bezug zu den entsprechenden Ausdrücken haben müssten. Später stellte man aber fest, dass auch völlig abstrakte Symbole von ihm gelernt werden können.
Ausserdem gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass die meisten Tiere telepathisch kommunizieren können.[3] Dies wäre der akustischen menschlichen Sprache weit überlegen, da Telepathie entfernungsunabhängig und viel schneller ist. Ausserdem wäre damit auch die babylonische Sprachverwirrung der Menschen gelöst …
Es gibt auf diesem Gebiet also sicher noch viel zu erforschen. Mit jeder neuen Erkenntnis scheint aber die Vorherrschaft der Menschen auch im Kommunikationsbereich zu schwinden.

Sind das neue Erkenntnisse?

Viele Tierfreunde werden sich wundern, dass man überhaupt daran zweifeln kann, dass z.B. ein Hund oder eine Katze eine eigene Persönlichkeit hat. Tagtäglich kann man dies ja erfahren, wenn man mit verschiedenen Tieren zusammenlebt. Egal, ob dies nun die bekannten Haustiere wie Hunde und Katzen sind oder Pferde und Rinder. Sobald man mehrere Tiere näher kennen lernt, merkt man ihre persönlichen Eigenheiten genauso, wie man es bei bekannten Menschen tun würde.
Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema befassen, haben deshalb vor allem mit ihren Wissenschaftskollegen Probleme, wenn sie ihre Studienresultate präsentieren.
Und dies nicht nur in der Vergangenheit: Als Samuel Gosling von der Universität in Texas/Austin seine Studienresultate über die Persönlichkeiten der Hunde an der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) im Februar 2005 präsentierte, hatten die anderen Wissenschaftler grosse Mühe, diese Arbeit vorurteilslos aufzunehmen.[12]
Das Problem der etablierten Wissenschaft liegt an den möglichen Folgen dieser Erkenntnisse: Würde man die einzelnen Tiere tatsächlich als Persönlichkeiten betrachten, gäbe es wesentlich grössere Probleme mit der Ausbeutung der Tiere, nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die Ernährung. Dennoch wagen es verdankenswerterweise immer wieder einzelne Wissenschaftler, in dieses Gebiet vorzudringen. Auch wenn sie ihre Aussagen alle durch fundierte wissenschaftliche Untersuchungen belegen können, müssen sie sich oft den Vorwurf der Vermenschlichung der Tiere gefallen lassen. Es ist eben nach wie vor unbeliebt, die starre Grenze zwischen Mensch und Tier zu relativieren.
Allerdings muss auch erwähnt werden, dass noch vor wenigen Jahren eine solche Studienpräsentation an dieser wichtigen Jahrestagung der AAAS wohl kaum möglich gewesen wäre.
Ein Wandel ist also im Gange.

Kultur / Werkzeuge

Vor allem bei verschiedenen Affengruppen konnte man auch innerhalb der Art eine kulturelle Überlieferung feststellen. Wodurch auch dieses Privileg der Menschen zu Fall gebracht wurde. Gleichzeitig zeigen solche unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen auch auf, dass die Tiere nicht nur genetisch bedingt auf Umweltbedingungen reagieren.
Zum Beispiel werden Gebrauch und Herstellung bestimmter Werkzeuge innerhalb einer Gruppe von Generation zu Generation weitergegeben.[4] Noch vor wenigen Jahrzehnten dachte man, dass die Herstellung von Werkzeugen ausschliesslich unter Menschen vorkomme. Heute weiss man, dass sogar Krähen dazu in der Lage sind.[5]

Selbstbewusstsein

Über sich selbst bewusst zu sein und über sich selbst nachdenken zu können. Dies wurde lange als ein wesentlicher Unterschied zwischen tierischem und menschlichem Bewusstsein angesehen. Heute weiss man durch viele psychologische Studien, dass sich auch in dieser Hinsicht das menschliche Bewusstsein nur wenig vom tierischen unterscheidet. Besonders bei Affen und Delphinen stellte man unzweifelhaft ein Selbstbewusstsein fest.
Die früher oft gestellte Frage, ob sich Tiere im Spiegel selbst erkennen können, konnte zumindest für die Menschenaffen bereits definitiv bejaht werden.[6]

Intelligenz

Doch der Mensch ist eindeutig intelligenter als die Tiere!? Unter Intelligenz versteht man üblicherweise die Fähigkeit des logischen Intellekts. Kein Tier kann eine komplexe Integralgleichung lösen, doch auch viele Menschen können dies nicht. Bei einem Intelligenztest würde ein erwachsener Schimpanse besser abschneiden als ein neugeborenes Menschenkind. Ist deshalb der Schimpanse mehr Mensch als der menschliche Säugling?
Da sich der Mensch nach der Geburt langsamer entwickelt als viele andere Tiere, sind ihm sogar gleichaltrige Menschenaffen in den ersten Monaten intellektuell überlegen.[7]
Zur Grenzziehung zwischen Mensch und Tier eignet sich also auch die Intelligenz nicht.

Schweinegruppen-Foto hinter Gitterstäben
Schweine sind mindestens so intelligent wie Hunde.
Dennoch interessiert man sich bloss für ihr Fleisch.

Gerechtigkeitssinn / Fairness

Um beurteilen zu können, ob etwas gerecht ist, muss man Vergleiche anstellen und sich in die Lage anderer versetzen können. Seit wenigen Jahren wurde wissenschaftlich abgesichert, dass auch diese Fähigkeit nicht dem Menschen alleine vorbehalten ist. Die englischsprachige Wissenschaftszeitschrift «Nature» berichtete im September 2003 über ein Experiment mit Kapuzineraffen:[8] Sie konnten Spielsteine gegen Gurken eintauschen. Alle waren so lange zufrieden, bis eines der Äffchen statt der Gurke jeweils die viel beliebteren Weintrauben erhielt. Dies wurde als so ungerecht empfunden, dass die anderen ihre ansonsten begehrte Gurke verschmähten, ja teilweise ihre Spielsteine sogar fortwarfen, solange der andere mehr dafür erhielt. Gleicher Lohn bei gleicher Arbeit scheint eine Forderung zu sein, die auch unter Affen Gültigkeit hat. Auch bei Schimpansen konnte der Gerechtigkeitssinn nachgewiesen werden.[9]

Menschlichkeit und Mitgefühl

Schon am Wort Menschlichkeit bzw. Humanität sieht man, dass geglaubt wird, dass nur Menschen die Fähigkeit haben, human zu handeln. Mittlerweile weiss man jedoch, dass Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe kein ausschliessliches Privileg der Menschen sind. Mitleid und Zusammenhalt können oft bei Tiergruppen stärker ausgeprägt auftreten als bei vielen Menschengruppen.[10]

Überlegenheit der Tiere

Nicht alle Unterschiede zwischen Mensch und Tier sind positiv für den Menschen. Einmal mehr hat man dies bei der Tsunami-Katastrophe in Südindien gesehen: Die Wildtiere brachten sich alle rechtzeitig in Sicherheit. Es gab kaum verletzte oder tote Wildtiere.[11] Für die Menschen kam der Tsunami jedoch völlig überraschend.
Da wir Menschen nicht über solche Fähigkeiten verfügen, fällt es besonders schwer, diese bei den Tieren zu akzeptieren oder gar zu erforschen. Dennoch gibt es immer wieder Belege dafür, dass der Mensch in mancher Beziehung den Tieren auch unterlegen sein kann.

Überlegenheit des Menschen

Trotz allem haben die Menschen sich die Erde «untertan gemacht». Dies geschah jedoch nicht auf einer ethischen, moralischen Basis, sondern auf dem schlichten Recht des Stärkeren, da der Mensch in der Herstellung von Tötungswaffen allen Tieren bei weitem überlegen ist.
Ausserdem ist kein Tier so flexibel im Denken und Handeln wie der Mensch.
Doch dies als Rechtfertigung für die heutige Behandlung unserer Mitgeschöpfe zu benutzen, bedarf der Unterdrückung all derjenigen Eigenschaften, von denen immer wieder behauptet wird, sie stellen den Menschen über das Tier: Mitgefühl, Nächstenliebe, Moral.
Wenn diese Eigenschaften, welche die Menschen den Tieren absprechen und ihnen auch nicht zukommen lassen wollen, entwickelt werden würden, könnte ein neues Miteinander zwischen Mensch und Tier entstehen, von dem beide Seiten sehr profitieren würden.
Aufzuhören, die Tiere als blosse Nahrungsmittel zu behandeln und als Fleischlieferanten zu töten, wäre ein erster und notwendiger Schritt, das Mensch-Tier-Verhältnis zu harmonisieren.
Dazu würde es bereits genügen anzuerkennen, dass die Leidensfähigkeit zwischen Mensch und Tier sich nicht grundsätzlich unterscheidet.

Renato Pichler

Weitere Informationen allgemein:

Affen:

Vögel / Hühner:

Mäuse und Ratten:

Andere Tiere:

Fussnoten:

  1. Rico’s remarkable „vocabulary“ raises new questions about language learning in animals, American Association for the Advancement of Science, 10. Juni 2004.
    Collie dog’s word power impresses, BBC news, 11. Juli 2004
  2. Sue Savage-Rumbaugh und Roger Lewin: Kanzi, der sprechende Schimpanse: Was den tierischen vom menschlichen Verstand unterscheidet, Droemer-Knaur-Verlag, 1995
  3. J. Allen Boone: Kinship with all Life – Simple, challenging, real-life experiences showing how animals communicate with each other and with people who understand them. Und: "Testing a Language - Using a Parrot for Telepathy" von Rupert Sheldrake
    Weitere Bücher zu diesem Thema: Interspezieskommunikation
  4. Michael Krützen: Hüterinnen des Wissens – Bei Delfinen werden Kenntnisse von Mutter zu Tochter weitergegeben, 7.6.2005
  5. National Geographics News: Crow Makes Wire Hook to Get Food, 8.8.2002
  6. Volker Arzt und Immanuel Birmelin: Haben Tiere ein Bewusstsein? – Wenn Affen lügen, wenn Katzen denken und Elefanten traurig sind, Goldmann-Verlag, 1995
  7. Der Spiegel: Bruder Affe ist manchmal schlauer, 13.2.2005
  8. Sarah F. Brosnan: Monkeys reject unequal pay, Nature 425, 297-299 (18.9.2003) und: Der Spiegel: Gerechtigkeitssinn: Affen wollen nicht mit Gurken handeln, 18.9.2003 und: Stern: Verhaltensforschung: Affen haben Gespür für Gerechtigkeit, 17.9.2003, ORF: Affen haben einen Sinn für Gerechtigkeit
  9. Hamburger Abendblatt: Gerechtigkeitssinn der Affen, 1.2.2005
  10. Die Welt: Trauernde Elefanten überfallen ein Dorf, 24.5.2004
  11. EVANA: Nach Tsunami: Tiere faszinieren Menschen, 18.1.2005
  12. Animal parenting, personality and pair-ups und auf Deutsch dazu: Das Wesen des Hundes ähnelt dem des Menschen