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Meine vegane Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit

Luna mit Ihrer Mutter AlexandraIn vielen Büchern über Schwangerschaft und Stillzeit wird von einer veganen Ernährung der (werdenden) Mutter abgeraten, ohne auf aktuelle Studien über Veganer und Veganerinnen einzugehen. Das Gleiche gilt für die Ernährung von Babys und Kindern.

Ich selbst lebe seit zwölf Jahren vegetarisch, seit neun Jahren bin ich Veganerin. Ich setze mich seit vielen Jahren für die Rechte der Tiere ein, leite gemeinsam mit meinem Mann den Verein für Tierrechte HUMANITAS, bin Diplomsozialarbeiterin und Tierheilpraktikerin. Nun im Alter von 30 Jahren habe ich unsere Tochter Luna geboren. Luna ist jetzt acht Monate alt, ihr Gesicht ist verschmiert mit Avocado-Birnen-Mus, sie strahlt übers ganze Gesicht, versucht mit vollem Mund zu brabbeln. Sie hat acht Kilogramm, ist 70 cm gross und die Kinderärztin schwärmt von ihrem Entwicklungsstand. Luna ist putzmunter und gesund: ein medizinisches Wunder? Nicht für mich, aber für alle, die skeptisch gegenüber der veganen Ernährung sind.

Noch bevor ich wusste, dass ich schwanger bin, habe ich glücklicherweise eine Blutanalyse durchführen lassen, die mir bestätigte, dass ich absolut gesund bin. Trotzdem war ich einen kurzen Moment lang verunsichert, als mein Gynäkologe mir bei der ersten Schwangerschaftsuntersuchung zuerst gratulierte, nachdem ich ihn über meine vegane Lebensweise informiert hatte aber mit bitterernster Miene mitteilte: «Jetzt haben wir ein Problem!» Heute kann ich über diesen Satz nur lachen, in jenem Moment war ich aber trotz meiner umfassenden Kenntnisse über Ernährung verunsichert. Nachdem er mir einen Vortrag über Aminosäuren gehalten hatte, empfahl er, ich solle doch zumindest Milch und Käse sowie Vitamintabletten für Schwangere zu mir nehmen, dann würde es schon klappen.

Meine Buchtipps:

  • Dr. Gill Langley, Vegane Ernährung, Echo-Verlag
  • Claus Leitzmann, Vegetarische Ernährung, UTB
  • Irmela Erckenbrecht, Das vegetarische Baby, pala-Verlag
  • Dr. med. M. O. Bruker und Ilse Gutjahr, Biologischer Ratgeber für Mutter und Kind, emu-Verlag
  • M. Jung und R. Linsenmaier, Vegetarische Menüs für Babys und Kleinkinder, Mary-Hahn-Verlag
  • Urs Hochstrasser-Mahaaj, Kinderernährung lebendig und schmackhaft, Hans-Nietsch-Verlag
  • Kordula Werner, Babybreie selbst gemacht, vgs

Ich konsultierte daraufhin meine Hausärztin, die kinesiologisch verschiedenste Vitaminpräparate für Schwangere austestete und zum Schluss kam, dass ich kein einziges davon verwenden solle, da die Präparate eher negative Auswirkungen auf mich hätten. Der zusätzliche Konsum von Milch und Käse kam für mich so und so nicht in Frage und so blieb alles, wie es war: VEGAN.
Ich hatte eine Traumschwangerschaft mit nur wenigen Beschwerden. Nachdem ich aber meinem Gynäkologen erklärt hatte, dass ich ab und zu das Gefühl hätte, durch den beruflichen Stress Herzrasen zu haben, überwies er mich für die übliche Mutter-Kind-Pass-Untersuchung zum Internisten. Als dieser auf dem Überweisungsschein «vegan» las, konnte er sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen: «Wenn Sie ab und zu ein Stück Fleisch essen würden, ginge es Ihnen vielleicht besser.» Die Untersuchung ergab natürlich nichts und als ich beruflich etwas entlastet wurde, war auch das Herzrasen weg.

Sicherheitshalber, mehr um meinen Gynäkologen zu beruhigen, wurden regelmässig Blutanalysen durchgeführt. Da ich seit jeher (schon als Kind) zu Eisenmangel neige, nahm ich während der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ein Eisenpräparat (Lösferron bzw. Vegiferrum). Die Blutwerte waren jedoch in Ordnung – kein Hinweis auf einen Mangel – auch nicht bei meinem B12-Wert.
Luna beschloss dann, eine Woche länger als gebucht in meinem Bauch zu bleiben, um dann per ungeplantem Kaiserschnitt zur Welt zu kommen. Die Kleine hatte sich nicht ins Becken gesenkt, die Fruchtblase war bereits gesprungen und ich bekam, als der Muttermund bereits 7 cm geöffnet war, überraschend Fieber. Aus der Traum von einer tollen Wassergeburt.

Luna wog bei der Geburt 3460 g und war 51,6 cm lang. Die Kinderärzte im Krankenhaus bestätigten, dass Luna gesund sei, warnten aber vor einer veganen Ernährung, ohne erklären zu können, warum. Nach einer Woche konnten wir dann endlich das Krankenhaus verlassen – bestärkt darin, dass wir den richtigen Weg beschreiten, nachdem ich den Entwicklungsstand der anderen Babys gesehen habe.

Auch zu Hause entwickelte sich Luna prächtig, ihre Entwicklungskurve liegt immer noch (weit) über dem Durchschnitt. Trotzdem warnt auch die Elternberaterin davor, Luna vegan zu ernähren. Dann die Überraschung: Ich informiere die Kinderärztin (die uns meine Hausärztin empfohlen hat) bei der ersten Mu-Ki-Untersuchung darüber, dass wir allesamt vegan leben, und sie sagt: «Ja, in Ordnung, nur weiter so.» Sie hat keine Vorbehalte, sagt auch, dass man immer noch supplementieren könne, falls ein Mangel auftauche, und damit hats sich. Zwischenzeitlich hat sich unsere Kinderärztin auch ein paar Bücher über vegane Ernährung von uns ausgeliehen und sich umfassend informiert.

Luna wurde von mir die ersten fünf Monate voll gestillt. Zwischen dem fünften und achten Monat erhielt sie immer wieder mal zwischendurch ein Avocado-Frucht-Mus (ihre Lieblingsspeise), ein bisschen Gemüse, Obst oder Brot zum Knabbern. Seit zwei Wochen isst sie regelmässig abends einen Hirse-Frucht- oder Gemüsebrei und mittags ihren heiss geliebten Avocado-Birnen-Brei. Ich habe mir etliche Bücher über vegetarische Kinderernährung angeschafft und freue mich schon darauf, Luna auch weiterhin lecker und vor allem gesund zu bekochen. Infos darüber, dass (werdende) Mütter sich und ihr Kind nicht vegan ernähren sollten, kann ich nur noch belächeln – Luna sei Dank! Ich will mit meinem Bericht nicht beweisen, dass ausschliesslich vegan ernährte Kinder gesund heranwachsen bzw. Veganerinnen schönere Schwangerschaften und leichtere Geburten haben. Auch sind Veganerinnen nicht gefeit vor Erkrankungen.

Fakt ist aber, dass vegane Ernährung weder einer (werdenden) Mutter noch einem Kind abträglich ist. Leider nehmen viele Autoren und Autorinnen von Schwangerschafts- und Ernährungsratgebern nur zu wenig auf aktuelle Studien bzw. Erfahrungsberichte Bezug. Nur so lässt sich ihr fehlendes Fachwissen erklären.

Mein Tipp für (werdende) Eltern:

Lassen Sie sich durch die Unsicherheit von so genannten Fachleuten nicht verunsichern. Die wenigsten Ärzte und Ärztinnen haben ein umfassendes Fachwissen über vegane Ernährung – die meisten konnten vermutlich noch keine Erfahrungen mit Veganern und Veganerinnen sammeln und ihr Wissen stammt aus Büchern. Leihen Sie Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt auch mal ein veganes Fachbuch – die meisten sind sehr interessiert. Wenn Sie sich damit sicherer fühlen, dann lassen Sie regelmässig Blutuntersuchungen durchführen. Auch verunsicherte Ärzte und Ärztinnen werden dadurch beruhigt. Und wenn doch mal ein Mangel sein sollte, bedenken Sie, dass auch Normalköstler und -köstlerinnen das eine oder andere Vitaminpräparat zu sich nehmen müssen. In meinem Freundinnenkreis habe ich selbst miterlebt, wie viele Mittel supplementiert wurden – alle meine Freundinnen ernähren sich weder vegetarisch noch vegan. Daher wäre es auch kein Beinbruch, wenn Sie sich wohler fühlen, wenn Sie ein Eisenpräparat, B12-Tropfen oder Ähnliches zu sich nehmen. Finden Sie Rat und Unterstützung bei anderen veganen Eltern. Dazu eignen sich auch die Foren der verschiedenen Vegan-Seiten im Internet (z.B. www.vegan.de).

Alexandra Plese-Waibel, sani.vegan(at)gmx.at

Mögliche Präparate:

– Eisen: Vegiferrum (Flamant Vert S.A.R.L., 95, avenue de la Prospective, F-18000 Bourges) oder Lösferron forte (Viatris Pharma GmbH, rezept- und apothekenpflichtig)
– B12: Higher Nature (Apotheke zur Kaiserkrone, A-1070 Wien, Tel. 0043 (1) 526 26 46) oder B12-Kindertropfen (Organotherapeutische Werke GmbH, D-76275 Ettlingen)
– Jod: Algasan V (A. Vogel, Bioforce GmbH, D-78441 Konstanz)
- Veg 1 und/oder Vitamin B12 von der Vegan Society UK


Fragen an die Mutter:

Luna kriecht

Wie und wo hast du dich vorbereitet/informiert?

Alexandra: Ich hatte bereits vor der Schwangerschaft mit Luna ein umfassendes Fachwissen über vegane Ernährung und den Nährwert von Lebensmitteln. Auch hatte ich Kontakt zu anderen veganen Eltern (z.B. über Foren der vegan.de-Seiten).

Hast du allen Behörden/Fachleuten gesagt, dass du vegan lebst?

Ich mache aus meiner veganen Lebensweise prinzipiell kein Geheimnis. Daher haben auch alle Ärzte und Ärztinnen von Anfang an gewusst, dass ich mich vegan ernähre.

Wie haben diese darauf reagiert und mit welcher Begründung? Was war deine Entgegnung?

Die meisten von ihnen waren schlichtweg uninformiert und hielten eine vegane Ernährung für ungesund. Erst nachdem sie von uns Informationen erhielten, was es bedeutet, vegan zu leben, und parallel dazu die Entwicklung unserer Tochter mitverfolgen konnten, räumten sie ein, dass die vegane Ernährung doch gesund sei. Überrascht hat uns die Kinderärztin, die vorbehaltlos akzeptierte, dass wir vegan leben, Bücher von uns ausgeliehen hat und uns immer wieder kontaktiert, wenn sie Ernährungsfragen hat.

Wenn du deine Schwangerschaft, die Geburt und Stillzeit vergleichst mit dem, was du von diesen Fachleuten gehört hast: Was fandest du gegenüber einer «normalen» anders? Zum Beispiel wird oft gesagt, dass vegane Kinder bei der Geburt kleiner sind.

Ich fände es vermessen, wenn ich behaupten würde, dass Veganerinnen schönere Schwangerschaften, leichtere Geburten oder gesündere Kinder hätten. Ich selbst hatte eine Traumschwangerschaft und Luna kam mit einem normalen Gewicht und einer normalen Grösse zur Welt, entwickelte sich super und ist putzmunter. Ich kenne einige Mütter, die sich nicht vegan ernähren und deren Kinder kleiner sind und sich weniger schnell entwickeln als Luna. Genauso kenne ich, zwar nur wenige, aber auch grössere und dickere Kinder in Lunas Alter.

Was sagst du zu den vielen medizinischen Berichten über schwerstkranke vegane Säuglinge von Müttern mit zu wenig B12? Was hast du getan, um dies zu vermeiden?

Ich habe, noch bevor ich wusste, dass ich schwanger bin und auch während der Schwangerschaft und jetzt, während ich stille, meine Blutwerte regelmässig analysieren lassen. Ich hatte nie Probleme mit meinem B12-Wert und musste daher auch keine Präparate zu mir nehmen. Ich bin der Meinung, dass es durchaus geeignete Mittel gibt, die bei Bedarf eingenommen werden könnten (z.B. B12-Kindertropfen).

Was sagen die «Fachleute» nun, nachdem du ein gesundes Kind zur Welt gebracht hast? Wie erklären sie sich dieses «Wunder»?

Zwischenzeitlich räumen die Ärzte und Ärztinnen, die mit uns in Kontakt waren, ein, dass eine vegane Schwangerschaft und ein vegan ernährtes Kind durchaus möglich sind. Sie gehen aber davon aus, dass Eltern dazu ein enormes Wissen über Inhaltsstoffe der Nahrungsmittel bzw. über vegane Ernährung haben müssen.

Danke für die Mitteilung deiner Erfahrungen.

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 21.12.2011

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