| Sie sind hier: Startseite > Vegi-info > 2004-4 > Die milch kritisch betrachtet: Vegi-Info ... |
Buchtipp: Die Milch kritisch betrachtet
Das Image der Milch wurde in den letzten
Jahrzehnten durch enorme Marketinganstrengungen gepflegt. Noch vor
100 Jahren war ein natürlicher Ekel vor der Milch einer Kuh weit
verbreitet, heute ist sie aus der Ernährung kaum mehr
wegzudenken. Bei all diesen Werbeanstrengungen für dieses
Produkt wird jede kritische Hinterfragung nicht gerne gehört.
Aus dem englischen Sprachraum sind zwar schon seit einigen Jahren
kritische Stimmen zum Konsum von artfremder, industriell
verarbeiteter Kuhmilch bekannt.1 Doch noch nie gab es ein
solch umfassendes Werk zu den verschiedensten Aspekten der Milch.
Maria Rollinger aus Deutschland hat in umfangreichen Recherchen
die Milch von allen Seiten beleuchtet und ihr ein umfassendes, 350
Seiten starkes Buch gewidmet. Dabei geht sie nicht nur auf die
gesundheitlichen Auswirkungen des Milchkonsums ein, sondern
erläutert auch, wie es dazu kam, dass heute die meisten
europäischen Erwachsenen diese Säuglingsnahrung ihr ganzes
Leben lang konsumieren und sogar glauben, dies sei gesundheitlich
notwendig. Sie beschreibt auch ausführlich, wie früher die
Milch produziert, verarbeitet und verkauft wurde. Die ganze
Entwicklung der Milch vom reinen Naturprodukt eines Dorfbauern zum
heutigen Industrieprodukt ist nicht nur für Historiker
interessant zu lesen. Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde der Begriff
Rohmilch kaum verwendet, da es selbstverständlich war, dass
Milch vom Bauern praktisch unverarbeitet direkt zum Konsumenten
gelangte. Heute ist die Rohmilch fast vollständig
vom Markt verschwunden. Die Bauern liefern fast
ihre gesamte Milch an Molkereien/Käsereien, wo sie zu
unzähligen Produkten weiterverarbeitet wird. Aber auch die als
Naturprodukt gepriesene Milch selbst wird dort nicht etwa nur
gekühlt und abgepackt. Für die Herstellung der Konsummilch
werden heute 20 bis 30 technische Grundbelastungen angewendet. Die
bekanntesten Schritte sind Homogenisieren und Pasteurisieren bzw.
Uperisieren. Dazwischen und danach wird sie oft mehrfach etwas
erhitzt und wieder abgekühlt. Sie wird in ihre einzelnen
Bestandteile zerlegt (Rahm und Milchplasma) und danach wieder
zusammengefügt. Dadurch kann man immer den auf der
Produktepackung angegebenen Fettgehalt erreichen. Weshalb ist dies
nötig? Die Kuhmilch ist ja für das junge Kalb gedacht und
passt sich nach der Geburt des Kalbes laufend in ihrer
Zusammensetzung der Entwicklung des Kalbes an. Dies wird in der
Molkerei ausgeglichen, um ein standardisiertes Industrieprodukt zu
erhalten.
| Ein Zeichen, wie sehr sich die Milchindustrie bemüht, noch
mehr Konsumenten für ihr Produkt zu gewinnen, ist die
Überflutung des europäischen Marktes mit neuen Produkten:
Im Jahre 2002 kamen 19% aller neuen Produkte auf dem europäischen Markt von der Milchindustrie. An zweiter Stelle kommen abgeschlagen mit nur 8% alle neuen Fertiggerichte, die immer wieder als Boom angesehen werden. Quelle: www.ciaa.be |
Natürlich wird in diesem umfassenden Buch auch auf die
Problematik des Milchzuckers (= Laktose) ausführlich
eingegangen. Gemäss Schweizer Milchproduzentenverband leiden in
der Schweiz immerhin 17% der Bevölkerung an
Milchzuckerunverträglichkeit.2 Doch auch viele andere
Inhaltsstoffe der Milch (Kasein, Wachstumsfaktor IGF I,
Zitronensäure, Kalzium, Xanthinoxidase und andere Enzyme) und
Produkte aus der Milch (Butter, Sauermilchprodukte, Käse,
Milchpulver, laktosefreie Milch) werden kritisch beleuchtet.
Dadurch, dass dieses Buch erst in diesem Jahr erschienen ist, konnten
auch viele neuere Erkenntnisse über das Gemelk der Kuh mit
einfliessen. Für alle, welche nebst der ständig
präsenten Milchwerbung auch einmal von einer anderen Seite
dieses weit verbreitete Produkt kennen lernen wollen, bietet dieses
Buch eine Fülle von Informationen, die sicher manche Leser
überraschen wird.
Weitere Informationen zum Buch hat es auch im Internet unter:
www.milchbessernicht.de
Dort finden Sie auch das vollständige Inhaltsverzeichnis und
einige Textproben aus dem Buch.
Maria Rollinger: «Milch besser nicht», Jou-Verlag,
2004, Fr. 29.–, ISBN 3-00-013125-6. In der Schweiz erhältlich bei der SVV.
Fussnoten:
- Z.B. Don’t drink your milk! New frightening medical facts about the world’s most overrated nutrient von Dr. med. Frank A. Oski. 1992
- Was tun, wenn Milch Beschwerden macht? Eine Ernährungsinformation der Organisation der Schweizer Milchproduzenten SMP. 2001
Weiterer Artikel zu diesem Thema:
Schokolade ohne Milch ist gesünderDie Milch (allgemeine Informationen)
[Vegi-Info 2004/4 Inhaltsverzeichnis]
Danke für Ihr Interesse an den Informationen der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV). Damit wir diese Homepage (mit rund 2000 Seiten) weiterhin kostenlos anbieten und erweitern können, benötigen wir auch Ihre Unterstützung!
Werden Sie Mitglied der SVV oder abonnieren Sie unsere Zeitschrift Vegi-Info.
Oder spenden Sie ganz einfach online: Paypal/Kreditkarte. Damit ermöglichen Sie den Weiterbestand dieser Homepage. Danke!