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Editorial: Ernährungswissen aus der Werbung


Liebe Leserinnen und Leser
Immer wieder finden Sie im Vegi-Info überzeugende Gründe gegen das Aufessen von Tieren und deren Produkten. Die Fakten zu den negativen Folgen der ganzen Tierwirtschaft sind erschütternd.
Dennoch leben wir in den Industrienationen in einem Umfeld, das nach wie vor auf die Tierwirtschaft setzt. Die EU steckt jeden zweiten Euro, den sie ausgibt, in die Landwirtschaftsförderung und unterstützt damit nicht nur Tierfabriken, sondern auch die Tiertransporte quer durch den Kontinent. Auch die Schweiz gibt den grössten Anteil ihrer Landwirtschaftssubventionen für die Tierhalter aus. Die Profiteure dieser Gelder sorgen dafür, dass ihre künstlich verbilligten Produkte weiterhin gekauft und unterstützt werden, indem sie deren Image durch Werbung polieren. Im Kinofilm «Supersize me» wurde das Kräfteverhältnis in der Werbung der Nahrungsmittelindustrie gegenüber den staatlichen Organisationen anschaulich dargestellt: Im Jahr 2001 wurden in den USA folgende Beträge für die Werbung in TV, Radio und Printmedien ausgegeben: 1400 Millionen US-Dollar von McDonald’s; über 1000 Millionen von Pepsi-Cola; 200 Millionen von einem einzigen Süsswarenhersteller.
Als Vergleich: Auf dem Höhepunkt der «5 am Tag»-Kampagne für höheren Früchte- und Gemüsekonsum standen 2 Millionen Dollar dafür zur Verfügung.
In der Schweiz sind zwar die Dimensionen nicht ganz so gross, aber die Verhältnisse ähnlich. Die meisten Menschen beziehen ihr Wissen über die Ernährung aus der Werbung. Die Schweizer Milchlobby schaffte es, die umstrittene Aussage «Milch gibt starke Knochen» weiterhin verbreiten zu dürfen, obwohl gesundheitliche Anpreisungen für Nahrungsmittel verboten sind. Doch meist wird in der Werbung bloss mit Emotionen gearbeitet, da es kaum einen vernünftigen Grund gibt, weshalb man die umworbenen Produkte konsumieren sollte. Die Fleischwirtschaft begnügt sich z.B. mit den Worten «Schweizer Fleisch» und hofft auf das patriotische Gefühl der Schweizer und deren Glauben an eine heile Welt in Schweizer Ställen. Die Werbestrategen wissen, dass man etwas nur genügend häufig sagen muss, damit es die Leute glauben. In diesem Kampf wird die Wirtschaft immer gewinnen.
Vegetarisch zu leben heisst deshalb auch Selbstverantwortung zu übernehmen. Man kann nicht mehr sein Verhalten einfach der Werbung anpassen, sondern muss sich stets bewusst sein, was man tut, und dagegen ankämpfen, sich von der Werbung treiben zu lassen.

Renato Pichler
Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus