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Hundestar bringt Wissenschaftler ins Grübeln

Ist Rico, der schwarzweisse Border Collie, ein Superhund? Oder haben wir es bei dem Neunjährigen nur mit einem besonders auffälligen Mitglied einer zwar bisher als bester Freund des Menschen bezeichneten, sonst aber unterschätzten Spezies zu tun?

Verstehen Hunde die menschliche Sprache?

Hundebesitzer werden bei der für sie merkwürdigen Frage die Augenbrauen hochziehen und achselzuckend antworten: «Natürlich tun sie das. Das weiss doch jeder!» Welcher Tierfreund kennt nicht eine eindrucksvolle Serie von Geschichten, die man vom ganz normalen Wundertier Hund immer wieder hört.
Trotzdem werden auch alle, denen die Talente ihrer vierbeinigen Freunde völlig selbstverständlich erscheinen, bei Ricos Auftritt in der Fernsehsendung «Wetten, dass …?» gestaunt haben. Als er ein Objekt nach dem anderen sicher erkannte, erregte er auch die Aufmerksamkeit einiger Forscherinnen vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, die anschliessend über drei Jahre strenge Tests mit ihm durchführten – mit sensationellen Ergebnissen.
Zunächst berichtete das Wissenschaftsmagazin «Science» über die Studie. Anschliessend übernahmen viele der grossen internationalen Zeitungen die aufregende Nachricht, dass nämlich Rico dieselbe «Sprachfertigkeit» hat wie Delphine, Menschenaffen, Seelöwen und Papageien, mehr als 200 Wörter versteht und sogar, dank eines hohen Abstraktionsvermögens, ein ihm unbekanntes Wort mit einem bisher nicht gesehenen Spielzeug in Verbindung bringen kann.
Neue Begriffe erlernt er nach dem gleichen System wie kleine Menschen und schneidet im Vergleich mit Dreijährigen daher auch recht gut ab. Und genau wie bei Kleinkindern ruht sich Rico nicht auf seinen sprachlichen Lorbeeren aus, sondern lernt in rasantem Tempo immer noch dazu. Schon jetzt beschränken sich seine Talente nicht nur auf das Identifizieren von Gegenständen, sondern praktischerweise kennt er auch Befehle und folgt ihnen. So veranlasst ihn die Aussage «räum auf», all seine vielen Spielsachen brav in eine Kiste zu legen oder, bei einem entsprechenden Befehl, auch bestimmte davon zu einer anderen Person zu tragen.
Es ist bekannt, dass viele Spezies fähig zum Erkennen von Gegenständen sind. Hunde wie Rico allerdings besitzen offensichtlich auch noch Fähigkeiten zu einer viel komplexeren Kommunikationsform als vermutet. Sie verstehen ihre menschlichen Freunde ohne Schwierigkeiten und, so spekulieren mittlerweile sogar einige mutige Wissenschaftler, könnten bei entsprechender anatomischer Ausstattung vielleicht sogar reden. Sue Savage-Rumbaugh von der amerikanischen Georgia State University wirft die Frage auf, ob Rico und seinesgleichen vielleicht schon seit langem versuchen zu sprechen und nur nicht verstanden werden.
Die Frage der Denk- und Kommunikationsfähigkeit von Tieren hat die Wissenschaft schon lange beschäftigt und gezeigt, dass viele Arten sich untereinander komplexer Lautäusserungen und ausgefeilter Verständigungstechniken bedienen. Auch in der Kommunikation mit Menschen gibt es viele überraschend gut funktionierende und im Laufe der Evolution von beiden Seiten entwickelte Techniken.
Der international bekannte Biologe Marc Bekoff von der Universität Colorado kommentiert: «Viele behaupten, dass nur Menschen zu sprachlicher Wahrnehmung und deren Weiterentwicklung fähig sind. Diese Studie aber zeigt, dass das nicht stimmt, sondern dass auch andere Tiere durchaus diese Möglichkeiten haben.»
Es ist anzunehmen, dass derartige Untersuchungen nun wiederholt werden. Ähnliche Ergebnisse können erwartet werden und somit die Erkenntnis, dass Rico ein ganz normaler Hund ist, wenn auch einer mit einem besonders grossen Vokabular. Schliesslich haben schon vor ihm Blindenhunde immer wieder ihre erstaunliche Fähigkeit zum Denken in abstrakten Kategorien unter Beweis gestellt.
Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Menschen und Hunde schon seit mindestens 15000 Jahren befreundet sind, ist am Ergebnis der Rico-Studie höchstens erstaunlich, dass sie nicht schon längst durchgeführt wurde und dass jetzt erst wissenschaftlich bestätigt wird, was Hundehalter schon immer wussten: Hunde können nicht nur fast alles verstehen, sondern deren Talente versagen auch nicht in einem mehrsprachigen Umfeld (meine eigenen Hunde können das beweisen).
Es ist zu hoffen, dass Rico und alle zukünftigen vierbeinigen Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts uns Menschen von der immer klarer werdenden Notwendigkeit überzeugen können, allen Tieren mehr Respekt zu erweisen.

Herma Caelen


Marc Bekoff:
Autor von «Das Leben retten» (Bombus Media) und «Das unnötige Leiden der Tiere» (Herder, Freiburg)
www.literati.net/Bekoff/

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