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Nachtrag vom März 2006: Coop verwendet für seine Produkte nun auch das offizielle Vegetarismus-Label. Es werden nun laufend die alten Packungen mit dem neuen, kontrollierten Label ersetzt. Siehe: SVV-Newsletter.

Gelatine in «vegetarischem» Coop-Rezept

Coop-Signet und offizielles Europäisches Vegetarismus-Label

Links das Coop-Label, rechts das offizielle Europäische Vegetarismus-Label. Der Haken des Coop-Labels soll eine seriöse Kontrolle vortäuschen.

Die Migros vertraut seit einiger Zeit dem offiziellen Europäischen Vegetarismus-Label (V-Label). Coop möchte natürlich nicht alle Kunden, welche für die vegetarische Ernährung aufgeschlossen sind, an die Migros verlieren und beauftragte ihren Designer, selbst ein vegetarisches Label zu kreieren, das sie ohne seriöse Kontrollen auf all ihre eigenen Produkte drucken kann. Welchen Nutzen hat ein solches Label für die Konsumenten?

Da jegliche Kontrollen beim Coop-Label wegfallen, konnte Coop sehr schnell viele Produkte mit ihrem Label verzieren. Es wurde einfach bei einem Packungsneudruck zusätzlich auf die Packung gebracht.

Coop-Label ohne seriöse Kontrolle

Wer kontrolliert das Coop-Label? Die SVV erhielt bereits mehrmals Anrufe aus Basel (Coop-Hauptsitz) mit der Bitte um Auskunft, ob eine bestimmte Zutat vegetarisch sei. Offensichtlich fehlt der Coop jegliches Fachwissen auf diesem Gebiet.
Bei Kundenanfragen bezüglich der Kontrolle des Labels erwähnt Coop jeweils, dass ihre bisherige interne Qualitätskontrolle schon dafür sorge, dass das Label korrekt eingesetzt werde. Wie dies allerdings seriös umgesetzt werden soll, wenn die zuständigen Personen keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiet mitbringen, erfährt der Konsument nicht. Coop hofft darauf, dass die Konsumenten ihr blind vertrauen, da es ja wohl kaum sein kann, dass eine so grosse Firma ein eigenes Label ohne jegliche seriöse Kontrollen lanciert – oder etwa doch? Folgendes Beispiel lässt das Vertrauen in Coop erschüttern:

Rezepte-Serie von Coop

Coop veröffentlicht monatlich mehrere Rezepte mit Zutaten, die alle bei Coop erhältlich sind. Die Rezepte wurden in vier Gruppen aufgeteilt: Fleisch, Fisch, Dessert und Vegetarisch. Das vegetarische Rezept war bis Juni jeweils zusätzlich mit dem Coop-eigenen «Label» als vegetarisch gekennzeichnet. Da die allermeisten Konsumenten nicht wissen, dass dieses Label keinerlei Aussagekraft hat (das Wort «vegetarisch» stand ja direkt daneben), wurde mit diesem Label eine zusätzliche Kontrolle suggeriert, welche nie stattfand.

Vegetarisches Rezept mit Gelatine

Normalerweise ist es sehr schwer, eine Falschdeklaration nachzuweisen, wenn der Produzent jede unabhängige Kontrolle ablehnt. Im vegetarischen April-Rezept von Coop war der Fehler jedoch offensichtlich. Das Rezept «Penne an pikanter Tomatensauce mit QimiQ» enthielt sogar auf der Rückseite eine ganze Werbeseite für das Emmi-Produkt «QimiQ». Darin ist zu lesen: «… besticht dieses natürliche Milchprodukt aus 99% Rahm und 1% Gelatine …». Selbst den meisten Nichtvegetariern ist bekannt, dass Gelatine ausschliesslich aus Schlachtprodukten hergestellt wird (meist Schweineschwarte und Knochen). Die «fachmännische» Kontrolle von Coop hat dies jedoch entweder übersehen oder einfach ignoriert und wirbt so in einem vegetarischen Rezept auf einer ganzen Seite für ein Schlachtprodukt.

Reaktion von Coop

Die SVV hat Coop auf diesen gravierenden Fehler aufmerksam gemacht. Coop hat es jedoch nicht einmal für nötig erachtet, eine Stellungnahme zu ihrem Fehler abzugeben (im Anhang zu diesem Artikel finden Sie den vollständigen unbeantworteten Brief an Coop).
Dennoch hat Coop auf ihre eigene Weise reagiert: Seit dem Juni-Rezept wurde das vegetarische durch ein fleischloses Rezept ersetzt. Mit dieser Änderung von vegetarisch zu fleischlos macht sich Coop zunutze, dass das Wort fleischlos in der Lebensmittelverordnung (LMV) nicht genau definiert ist.

Enthält Tofu Eier?

Die Reaktion von Coop auf den offensichtlichen Fehler zeigt einmal mehr die generelle Strategie bezüglich der vegetarischen Produkte auf: Einerseits so tun, als ob man sich um die vegetarische Kundschaft bemüht, andererseits aber alles vermeiden, was mit Kosten oder administrativem Aufwand verbunden sein könnte.
Ein weiterer Beleg dafür ist, dass Coop selbst rein pflanzliche Produkte als ovo-lakto-vegetarisch deklariert.
Dies ist gemäss Lebensmittelverordnung zwar nicht illegal (da ein rein pflanzliches Produkt natürlich auch kein Fleisch enthält) und erleichtert die Deklaration für Coop, für die Konsumenten ist dies aber sehr irreführend. Ovo-lakto-vegetarisch können alle Produkte bezeichnet werden, die keine Schlachtprodukte enthalten (Eier und Milchprodukte dürfen aber enthalten sein). Bei einer seriösen Kontrolle aller mit dem Coop-Label gekennzeichneten Produkte wäre es ein Leichtes, die Produkte in die korrekte vegetarische Kategorie (gemäss LMV) einzuteilen. Mangels Fachleuten geht Coop aber auch hier lieber den einfacheren Weg und bezeichnet selbst reinen Tofu als ovo-lakto-vegetarisch und überlässt es den Kunden herauszufinden, dass trotz dieser Deklaration keine Eier (ovo) und Milch (lakto) enthalten sind.


Der Brief an Coop:

4. Mai 2004
Das Coop-Label für vegetarische Produkte

Sehr geehrte Damen und Herren
Als wir erfahren hatten, dass Coop seine vegetarischen Produkte mit einem selbst kreierten Label, ohne jegliche unabhängige Kontrolle, kennzeichnen wird, waren wir einerseits erfreut, dass auch Coop den Bedarf nach einer vegetarischen Kennzeichnung sieht, andererseits aber auch sehr skeptisch, ob das Label für Vegetarier irgendeinen Wert haben wird, wenn es keiner unabhängigen Kontrolle unterliegt.
Da wir in der Schweiz das offizielle Europäische Vegetarismus-Label (siehe: www.v-label.info) vertreten, wissen wir aus Erfahrung, dass auch grössere Firmen sich noch immer schwer tun mit einer seriösen Kontrolle eines vegetarischen Labels, da die nötige Fachkenntnis fehlt oder diese Kennzeichnung zu wenig ernst genommen wird. Deshalb beraten wir alle Lizenznehmer in allen Bereichen der vegetarischen Ernährungsweise (also auch bei ihrer diesbezüglichen Werbung).
Dass Coop bezüglich Fachkenntnis keine Ausnahme ist, mussten wir in der Vergangenheit bereits feststellen.
Der neuste Fehler ist aber so offensichtlich, dass es einen erstaunt, dass solche groben Fehler nicht einmal bei der Coop-eigenen Kontrolle entdeckt werden: Sie kennzeichnen Ihr angeblich vegetarisches April-Rezept, das in allen Filialen aufgelegt wurde (Penne an pikanter Tomatensauce mit QimiQ), auch mit Ihrem eigenen Label, obwohl das Rezept Gelatine enthält, wie man auf der Rückseite desselben Rezeptblattes nachlesen kann.
Wir gingen zwar schon bisher davon aus, dass die Coop-eigene vegetarische Deklaration nicht sehr zuverlässig ist, dass aber solche offensichtlichen Fehler gemacht werden, hat selbst uns erstaunt.
Schade, dass Coop leider nur bei der Biodeklaration von Anfang an auf ein seriöses Label setzte, aber nun die vegetarischen Kunden nicht als so wichtig erachtet, um auch ihnen ein seriöses, brauchbares Label anzubieten. Auf diesem Gebiet scheint die Migros (und diverse andere Firmen) Coop einen Schritt voraus zu sein, da die Migros nun vermehrt auf das offizielle, kontrollierte V-Label setzt (z.B. in der Cornatur- und Anna’s-Best-Linie).
Es würde uns freuen, wenn Coop künftig die Vegetarier wieder als vollwertige Konsumentengruppe ansehen und nicht mit einem ungenügend kontrollierten Label in die Irre führen würde.
Solange Coop keine unabhängigen Kontrollen zulässt und weiterhin auf ein selbst kreiertes Label setzt, sehen wir uns gezwungen, die Vegetarier vor diesem Label zu warnen, da es offensichtlich keinerlei Aussagekraft hat.

Mit freundlichen Grüssen

Renato Pichler
SVV-Präsident

Beilage:
Coop-April-Rezept «vegetarisch»