Buddhismus und Vegetarismus
Grundlagen des Buddhismus
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«Ich gelobe, mich darin zu üben, mich des Tötens
und Verletzens aller Lebewesen zu enthalten.»
Wie kann ein bhikkhu, dessen Hoffnung es ist, andere zu
erlösen, sich selbst vom Fleisch anderer Lebewesen
ernähren?
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Der Buddhismus ist eine von Siddhartha Gautama (ca. 563–483
v. Chr.) gegründete Lehre, die mit fast 300 Millionen
Anhängern die viertgrösste Religion ist. Die grösste
Zahl Anhänger ist in Süd- und Ostasien zu finden,
insbesondere in Japan, Thailand und Burma. Siddhartha Gautama stammt
aus einer königlichen Familie. Der Prinz Siddhartha beschliesst
mit 27 Jahren, das königliche Gewand gegen das eines
Mönches zu tauschen, nachdem ihm die Sinnlosigkeit des
luxuriösen Lebens bewusst geworden ist. Nach mehreren Jahren
Suche nach der Erleuchtung in Klostern und harter Askese beschloss
Siddhartha, zukünftig den mittleren Weg zu gehen. Mit 35 Jahren
entscheidet Siddhartha, sich unter einen Pipal-Baum zu setzen und
nicht mehr aufzustehen, bis er die Erleuchtung gefunden hat. In der
dritten Nacht gelangt Siddhartha zur höchsten Erleuchtung.
Fortan wird Siddhartha Buddha genannt, was auf Sanskrit «der
Erwachte» bedeutet. Nach sieben Tagen entscheidet der Buddha,
seine Lehre der ganzen Welt mitzuteilen und so «allen Wesen der
Erde zu helfen». Die Hauptbestandteile seiner Predigt sind die
vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad.
Im Alter von 80 Jahren stirbt der Buddha in einem Kloster in
Sravasti/Indien.
Vegetarismus im Buddhismus
Für eine vegetarische Ernährung gibt es in den Lehrtexten des Buddhismus viel Zustimmung. In einem Vers, der angeblich der einzige Text sein soll, den der Buddha selbst niedergeschrieben haben soll, heisst es: «Meine Liebe gehört den Kreaturen, die keine Füsse haben; auch denen mit zwei Füssen und ebenso denen, die viele Füsse haben. Mögen alles Geschaffene und Lebendige, mögen alle Wesen, welcher Art auch immer sie seien, nichts erfahren, wodurch ihnen Unheil droht. Möge ihnen niemals Böses widerfahren.» Die von seinen Jüngern niedergeschriebenen Worte bezeugen dies, wodurch der Buddha in seine Predigten immer alle Wesen mit einschloss. Als Buddha und seine Mönche bei einem Almosengang auf eine Gruppe von Kindern trafen, die begeistert einem Krebs die Beine ausrissen, sagte Buddha: «Jedes Lebewesen verdient es, ein Gefühl von Sicherheit und Wohlergehen zu geniessen. Wir müssen das Leben schützen und anderen Glück schenken. Alle Lebewesen, seien sie gross oder klein, zwei- oder vierbeinig, ob sie schwimmen oder fliegen – sie alle haben das Recht zu leben. Wir dürfen andere Lebewesen nicht verletzen oder gar töten. Wir müssen das Leben schützen» (aus dem Metta-Sutta, Sn I, 8). So ist es keine Überraschung, dass die vegetarische Ernährung bei Buddhisten grossen Anklang findet. So heisst es im Surangama-Sutra: «... wenn wir das Fleisch anderer Lebewesen essen, zerstören wir den Samen des Mitgefühls …» und «… Motivation und Ziel unseres Bemühens ist das Überwinden des Leidens. Wenn wir selber das Leiden überwinden wollen, warum sollen wir es dann anderen zufügen? Wenn Du Deinen Geist nicht so weit bringst, dass er selbst den Gedanken an Gewalt und Töten verabscheut, wirst Du Dich von den Fesseln dieser Welt nie befreien.» Noch deutlicher steht es im Lankavatara-Sutra: «Um keine Lebewesen zu schrecken, soll ein bodhisattva, der sich dem Mitgefühl auch als Selbstdisziplin unterwirft, kein Fleisch essen ... Es ist nicht wahr, dass Fleisch richtige und erlaubte Nahrung ist, wenn das Tier nicht von ihm selbst getötet wurde, wenn er andere nicht beauftragt hat, es zu töten, wenn es [das Töten des Tieres] nicht speziell für ihn erfolgt ist ... Es mag in Zukunft Menschen geben, die … unter dem Einfluss ihres Verlangens nach Fleisch viele ausgeklügelte Argumente auf die verschiedensten Arten hervorbringen, um den Fleischverzehr zu rechtfertigen … Aber … der Fleischverzehr in jeder Form, auf jede Art und Weise, ist überall und ohne Ausnahme und für immer verboten ... Ich habe niemandem das Fleischessen erlaubt, ich erlaube es nicht und ich werde es nicht erlauben.»
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«Der Verzehr von Fleisch tötet den Keim der grossen
Barmherzigkeit mit allen Lebewesen.»
«Fleisch essen bedeutet, sein eigenes Fleisch zu essen.»
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Doch trotz diesen deutlichen Ausführungen sind längst
nicht alle Buddhisten, wie häufig angenommen, Vegetarier. Im
Gegenteil, viele Buddhisten essen Fleisch mit der Begründung,
dass der Buddha das Essen von Fleisch erlaubt habe, wenn das Tier
nicht speziell für sie getötet worden sei. Im Jivaka-Sutra
ist ein interessantes Gespräch zu dieser Thematik zwischen dem
Arzt Jivaka und dem Buddha zu finden, wo Jivaka den Buddha Folgendes
fragt: «Herr, einige Leute sagen, dass du die Bhikkhus (die
Mönche) Fleisch essen lässt. Sie behaupten, Gautama nehme
das Töten von Tieren hin, um sich und seine Schüler zu
ernähren. Einige erheben die schwerwiegende Anklage, dass
Gautama die Leute dazu auffordere, der Sangha (der
Mönchsgemeinschaft) Fleisch zu spenden. Ich würde gerne
deine Gedanken zu diesem Thema hören.» Dazu antwortet
Buddha: «Jivaka, die Menschen sprechen nicht die Wahrheit, wenn
sie behaupten, ich liesse zu, dass Tiere getötet würden, um
mich und die Bhikkhus mit Nahrung zu versorgen. Sieht ein Bhikkhu,
wie jemand ein Tier tötet, um es ihm als Speise zu reichen, so
muss der Bhikkhu die Speise zurückweisen. Selbst wenn er nicht
mit eigenen Augen sieht, dass das Tier für ihn getötet
wird, sondern man es ihm nur erzählt, muss er sie
zurückweisen. Ja, wenn der Bhikkhu auch nur argwöhnt, dass
das Tier für ihn getötet worden ist, muss er ablehnen.
Jivaka, die Übung des Bettelns sieht vor, dass der Bhikkhu alles
annimmt, was immer ihm auch gereicht wird; nur das Fleisch eines
Tieres, das um seinetwillen getötet wurde, das darf er nicht
annehmen. Menschen, die die Gelübde des Mitgefühls, denen
die Bhikkhus folgen, verstehen, reichen den Mönchen nur
vegetarische Speisen. Doch es kann auch vorkommen, dass jemand nur
Speisen hat, die mit Fleisch zubereitet sind. Oder denk an die
Menschen, die zuvor noch keinen Kontakt mit dem Buddha, dem Dharma
(der Lehre) und der Sangha hatten und die nicht wissen, dass die
Bhikkhus vegetarische Gerichte vorziehen. In solchen Situationen
nimmt der Bhikkhu an, was ihm gereicht wird, um die Gefühle der
Gebenden nicht zu verletzen und um einen Kontakt zu den Menschen zu
schaffen, so dass sie etwas über den Pfad der Befreiung erfahren
können.
Jivaka, eines Tages werden alle Menschen verstehen, dass die Bhikkhus
nicht wollen, dass Tiere getötet werden. Dann wird niemand den
Bhikkhus mehr Fleisch anbieten, und die Bhikkhus brauchen nur noch
vegetarische Gerichte zu essen.»
Aus diesem Gespräch kann man schliessen, dass der Konsum von
Fleisch nur unter der Bedingung gestattet ist, dass der Gebende nur
Gerichte mit Fleisch anzubieten hat. Hat die Person, die nach der
Lehre Buddhas lebt, die Wahl zwischen vegetarischer Speise und Speise
mit Fleisch, so sollte sie die vegetarische Speise wählen.
Umstritten ist jedoch, woran Buddha im Alter von 80 Jahren starb.
Immer wieder ist zu hören, dass Buddha an einem giftigen
Stück Schweinefleisch gestorben sei. Doch dies ist ein
Missverständnis. Buddha bekam vom Laienanhänger namens
Canda ein besonderes Gericht aus Pilzen, die von einem Sandelbaum
gepflückt wurden und das sukara-maddava genannt wurde. Als der
Buddha mit dem Essen fertig war, sagte er zu Canda: «Lieber
Canda, bitte verbrenne die Reste des Pilzgerichtes – erlaube es
niemandem, davon zu essen» (Mahaparinibbana-Sutta D. 16 und T.
5). Das Paliwort sukara-maddava wird oft mit Fleisch oder
Schweinefleisch übersetzt. Das Paliwort für Schweinefleisch
heisst sukara-mamsa. Carolina A. Davids, die Frau von Rhys Davids,
einem bekannten Gelehrten, schreibt in ihrem Werk «A Manual of
Buddhism»: «Schweinefleisch (sukaramamsa) als Teil eines
Mahles wird tatsächlich einmal in den Schriften erwähnt,
und zwar in einem bemerkenswert unpassenden Vers, in dem ein
Haushälter, als er Buddha zum Essen einlädt, eine
umfangreiche Speisenfolge detailliert aufzählt. An keiner
anderen Stelle wird maddava jemals mit Fleisch in Zusammenhang
gebracht. … Es handelt sich um ein Gericht … aus einer
Wurzel, die – wie Trüffel – bei Schweinen sehr
beliebt ist und möglicherweise Leckerbissen für Schweine
genannt wurde.» ( A Manual of Buddhism S. 260)
Aus diesen Zitaten und Gesprächen kann man schliessen, dass
Buddha eine vegetarische Ernährung klar bevorzugte. Leider
befolgen nicht alle Buddhisten dieses Gebot und missbrauchen die
Worte Buddhas, um ihren Fleischkonsum zu rechtfertigen, indem sie
argumentieren, Buddha habe das Fleischessen erlaubt, wenn das Tier
nicht extra für sie getötet wurde. Es wurde aufgezeigt,
dass dieses Argument auf diese Weise nicht stimmt.
Daniel Meyer
Dieser Artikel gehört zur Religions-Serie der Vegi-Info. Die anderen Weltreligionen werden hier beschrieben:
Weiterführende Literatur:
- Wie Siddhartha zum Buddha wurde von Thich Nhat Hanh, ISBN 3-42334073-8
- Fünf Pfeiler der Weisheit von Thich Nhat Hanh, ISBN 3-42687012-6
- Buddhismus und Tierschutz: www.allewesen.org
- Buddhismus ist nicht Vegetarismus
[Vegi-Info 2004/2 Inhaltsverzeichnis]
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