| Sie sind hier: Startseite > Vegi-info > 2003-4 > Mein Schlachthoferlebnis: Vegi-Info 2003 ... |
Mein Schlachthoferlebnis
Zunächst einmal: Ich kann nicht von mir behaupten, sehr
zimperlich zu sein. Ich breche nicht gleich zusammen, wenn Blut
fliesst, wenn man Tiere zerlegt im Schlachthof. Man ist als
Veterinärmedizin-Student dank Anatomie und Pathologie ja einiges
gewohnt. Allerdings besitze ich doch einen stark ausgeprägten
Gerechtigkeitssinn, was wohl den Waagen unter den Sternzeichen sehr
eigen zu sein scheint. Ich habe auch im Laufe der Jahre gelernt,
viele Dinge zu relativieren, bei denen ich früher ganz sicher
emotionaler reagiert hätte. In einem Aspekt will mir dies aber
beim besten Willen nicht gelingen: Ich kann zwischen lebendigen Wesen
keinen Unterschied machen! Ob Haus-, Nutz- oder Wildtier, ob alter
Mensch, Arbeiter, Kind – jedes Wesen hat eine Seele, die in
einem Körper lebt aus Fleisch und Blut, mit einem Herzen drin,
und wenn schon nicht mit Verstand, so doch mit einer Intuition, die
in uns allen tief verankert ist, die man nicht ignorieren kann.
Angst, Freude, Trauer – all dies sind uralte Gefühle,
Instinkte, die Mensch und Tier gleichermassen empfindet.
Nun aber zur eigentlichen Geschichte:
Meine Freundin und ich traten unser landwirtschaftliches Praktikum
erst recht spät im Studium an. Wir landeten auf einem sehr
sauberen, gut geführten landwirtschaftlichen Grossbetrieb mit
Milchkühen, Mastkälbern, Schweinen, Schafen und
Hühnern. Sicher war das ein konventioneller Grossbetrieb, vom
Staat finanziert, aber die Tiere wurden hier vergleichsweise
paradiesisch gehalten, mit Auslauf und Sauberkeit im Stall.
Wir standen jeden Tag früh auf, molken die Kühe,
fütterten sie, misteten die Ställe – kurz, es war ein
herrliches Landleben, womit ich prima zurechtkam.
Eines Tages bekamen wir das Angebot, auch einmal den Schlachthof
besichtigen zu können, «Westfleisch», einen
kommerziellen riesigen Schlachtbetrieb. Da wir beide wussten, dass
uns in diesem Studium auch ein Schlachthof-Praktikum erwartete,
wollten wir uns einen Eindruck von solch einer Einrichtung
verschaffen, um dann später vorbereitet zu sein, obgleich ich
mich ja am liebsten um diese Dinge gedrückt hätte. Keiner
der Kommilitonen der höheren Semester konnte uns wirklich
befriedigende Auskünfte über seine Schlachthof-Praktika
geben, sodass wir keine richtige Vorstellung von alldem hatten.
Andererseits musste ich das auch mit eigenen Augen gesehen haben, ich
wollte es auch wissen! Glücklicherweise gab es da eine
Praktikantin auf dem Hof, deren Vater zufällig der Besitzer
dieses Schlachthofes war. Also fragten wir sie vor unserem Besuch
dort detailliert aus! Sie erzählte uns (mit ihren zarten 19
Jahren), dass das da alles nicht so schlimm sei: Einmal hätten
da zwei Milchkühe im Gatter gestanden, die gross schauten mit
ihren grossen Klimperaugen. Die hätten wohl gedacht, dass es
gleich in den allmorgendlichen Melkstand ginge. Sie wären dann
abgeführt worden, man hörte den Bolzenschuss und alles sei
vorüber gewesen. Das wäre also alles nicht so tragisch, wie
es immer geschildert würde!
Ü berzeugt von der Richtigkeit ihrer Ausführungen,
verschwand das mulmige Gefühl, die Angst, es könnte zu
grausam sein, was wir sehen würden. Ich war, offen gestanden,
sogar neugierig geworden, gespannt darauf, wie man Tiere doch human
schlachten würde.
Am nächsten Morgen plärrte der Wecker uns
unerbärmlich aus dem Bett. Es war fünf Uhr morgens.
Verschlafen quälten wir uns aus den Federn, zogen uns an und
fuhren los in Richtung Schlachthof, einer genauen Wegbeschreibung
durch unseren Betreuer auf der Karte folgend.
Es war empfindlich kalt an diesem Morgen, nasskalt, denn es hatte
seit unserer Ankunft fast nur geregnet. Hinzu kam, dass auch dieses
mulmige Angstgefühl uns wieder beschlich, wie vor dem Gang zum
Zahnarzt. Auf den Strassen nahm die Anzahl der Tiertransporter stetig
zu, sodass wir auf dem letzten Wegstück nur noch diesen zu
folgen brauchten, denn der Schlachthof lag weitab, versteckt mitten
in der «Pampa». Es war noch dunkel, als wir um sieben Uhr
vor dem Schlachthof ankamen. Die Leute der LPA
(Leistungsprüfungsanstalt), mit denen wir verabredet waren,
konnten wir noch nicht entdecken, also blieben wir im Auto sitzen und
betrachteten uns dieses Gebäude von aussen. Es war steril, ein
weisser Kasten mitten in der Landschaft, wie man es von Kaufland oder
Pro Markt vor den Toren der grossen Städte kennt. Er war gut
abgezäunt, mit Wächter und einem grossen Parkplatz. Zu
hören war nichts, kein Schreien oder Brüllen, auch die Luft
war klar, kein Rauch, kein Gestank – der Tod schien ewig weit
weg zu sein.
Nach ungefähr fünf Minuten tauchten die Leute von der LPA
auf. Sie hatten heute neun Schweine zur Schlachtung hier und hatten
dann die Fleischqualität dieser Tiere in all ihren Parametern zu
beurteilen.
Wir marschierten nach einer kurzen Begrüssung also in dieses
sterile Gebäude. Alles sah so alltäglich aus: Menschen
kamen zur Arbeit, alles war ruhig. Dann aber kamen wir an der Kantine
vorbei, wo Weissbekleidete blutbeschmiert unbeschwert assen und
tranken. Bald näherten wir uns einer Tür, dahinter grauer
Betonboden, Metallgehämmer war in der Ferne zu hören, ein
Geruch des Todes lag in der Luft. Mir wurden die Knie ganz weich.
Noch hörte ich kein Tier schreien! Hinter einer weiteren
Tür vernahm ich diese Geräusche stärker, sie kamen
immer näher, und auf dem rauen Boden lagen etliche kleine
Fleischbrocken. In einem Extraraum zogen wir uns diese weissen
Ganzkörper-Anzüge über, weisse Gummistiefel und einen
weissen Helm. Dann gingen wir den Weg zurück, den wir gekommen
waren.
Wieder traten wir aus dem Gebäude – kein Mucks, alles
still. Wir gingen an der blanken, weissen Aussenwand des
Schlachthofes entlang und kamen alsbald zu einer kleinen
unscheinbaren Tür an der Seite. Als sie geöffnet wurde,
offenbarte sich uns ein Anblick des Grauens! Die Hölle
könnte nicht schlimmer sein:
Das Metallgeklapper war nun ohrenbetäubend und stammte von den
Treibern, die die kreischenden Schweine, mit ihren Schlagstöcken
gegen die Treibgang-Gitter scheppernd, vorwärts trieben, es
stammte von den Maschinen, die am Fliessband und ohne Pause
unaufhörlich den Tieren den Tod brachten. Ein widerlicher,
penetranter Gestank von totem Fleisch, Blut und verbrannten Haaren
durchdrang die feuchtwarme Luft, sodass einem der Atem stockte. Die
dort arbeitenden Männer waren düstere Gestalten,
blutbeschmiert mit finsterem Blick, sie brüllten ständig
aus voller Kehle die verängstigten Tiere und gegen den Lärm
an. Kurz, die Teufelsmaschinerie des Todes stand zum Greifen nah
unmittelbar vor unseren geschockten Augen.
Ich war wie gelähmt, meine Schritte durch die Halle an den
zitternden Leibern auf dem Fliessband vorbei wurden immer langsamer.
Alles in mir bäumte sich auf vor Schmerz – ich wollte das
nicht sehen! Ich blieb hinter den anderen zurück. Wir mussten
über eine schmale Metalltreppe über den Treibgang hinweg
zur anderen Seite, wo die Wartehalle für die Tiere war. Als ich
gerade diese Treppe betreten hatte, schoss der Treiber knapp hinter
mir am Treibgang entlang und brüllte direkt hinter mir die unter
mir sich panisch drängelnden Schweine an. Ich erschrak
dermassen, dass ich diesem Kerl vor Schreck fast eine Ohrfeige
verpasst hätte – ich hechtete über die Treppe und
fand mich direkt in der Wartehalle wieder. Es war ein düsterer,
grosser Raum, wo mehrere Pferche je ein Dutzend Schweine
beherbergten. Die Berieselungsanlage beregnete die dicht
gedrängten Tiere (zur Beruhigung und damit die
Elektrobetäubung effektiver wird) und machte die stinkende Luft
feucht und schwer, was mir das Durchatmen erschwerte, obwohl ich das
bei diesem Anblick mit diesem Kloss im Hals doch bitter nötig
gehabt hätte.
Meine Freundin und ich standen verloren dort in der Halle, die
LPA-Leute suchten erst mal ihre Tiere. Allein auf uns gestellt
betrachteten wir die grausamen Zustände hier. Auch heute standen
zufällig zwei Kühe in einem Gatter, dicht
zusammengedrängt, ängstlich mit ihren grossen braunen Augen
um sich blickend – die dachten ganz sicher nicht an den
Melkstand, die hatten panische Angst!
Ich sah mich um, hatte den vollen Blick in die Schlachthalle, wie all
die Tiere hier auch. Man sah von hier aus direkt auf die
ausblutenden, an einem Lauf hoch gezogenen Schweine, die weisse
Kachelwand voller Blut und dann dieser Gestank. Davor konnte man den
Treibgang sehen, wo sich die geschlagenen, schreienden Kreaturen
hintereinander drängten, um den Schlägen und Elektroschocks
zu entkommen – vergeblich. Ich wurde meinen Kloss im Hals nicht
los, im Gegenteil, er wurde immer grösser und schnürte mir
die Luft nun fast völlig ab. Es tat so weh, diese Tiere in ihrer
Panik zu sehen. Sie wussten doch überhaupt nicht, wie ihnen
geschah, und spürten doch intuitiv, dass dort der Tod war.
Wo war denn, verdammt noch mal, jemand, der mir was erklärte,
der irgendwas sagte, mich einfach nur irgendwie ablenkte von alldem!
In dem Moment wurde ein verendetes Schwein an einem Lauf entlang der
Decke an den Metallschienen hängend durch die Halle
transportiert. Alle Schweine schauten in seine Richtung, wichen
allesamt zurück und reckten ihre Rüssel zu ihm in die Luft,
als ob sie ahnten, was geschehen war. Mein Blick wanderte dem toten
Schwein hinterher und blieb an einem anderen zitternden, mitten in
der Schlachthalle sitzenden Schwein hängen, das von allein
offensichtlich nicht mehr hoch kam. Es sass allein zwischen den
brüllenden Menschen dort, sah, wie die anderen Artgenossen
geschlagen, abgestochen und blutend aufgehängt wurden. Keiner
kümmerte sich darum, keiner versetzte ihm den Gnadenstoss! Ich
kämpfte erbittert gegen die aufsteigenden Tränen, ich
verlor diesen Kampf. Es brach aus mir heraus. Schluchzend und heulend
musste ich die Schlachthalle verlassen. Meine Freundin begleitete
mich nach draussen – auch sie musste nun weinen. Wir fragten
uns in diesem Moment beide ernsthaft, wie wir unser
Schlachthof-Praktikum überstehen sollten!
Nach einigen Minuten fing ich mich wieder, wir fassten beide Mut und
gingen wieder in die Halle.
Inzwischen waren auch die LPA-Leute wieder da, uns schweigend und
verlegen anblickend, sie kannten solche Reaktionen wohl schon. Sie
führten uns nun an jede einzelne Station der Schlachtung heran:
Zuerst gehen die Tiere in den Treibgang, an dessen Ende eine
elektrische Betäubungszange ist. Betäubt fallen die Tiere
dann aufs Band und werden gestochen, wobei ihnen ein Teil des Blutes
über einen Schlauch aus dem Körper gesaugt wird. Dann
kommen Ketten um die Hinterläufe und sie werden in die obere
Etage hoch gezogen, wobei sie noch ausbluten. Aber einmal,
erzählte man uns, da seien Minischweine hier zur Schlachtung
gekommen. Das wäre eine Gaudi gewesen! Die Elektrozange griff
nicht richtig, weil sie ja auf normale Schweinegrösse
ausgerichtet sei, und somit wachten die Mini-Pigs auf dem Fliessband
wieder auf und sprangen durch die Halle. Ich ahnte nur entfernt,
welch panische Todesangst diese Tiere erlitten haben mussten! Wut
machte sich in mir breit, als ich diese Menschen darüber lachen
sah. Ich hätte sie gerne persönlich auf dieses Band
geprügelt, damit sie sehen, was das heisst!
Als Nächstes stiegen wir eine schmale Treppe empor, die uns in
die höhere Etage führte, wo die lange Brühwanne stand,
in die die ausblutenden Tiere hoch gezogen wurden. Alles war so eng
hier. Ein schmaler Gang, gerade einmal so breit, dass ein Mensch
hindurch passte, verlief direkt neben dieser Brühwanne auf der
einen und einer Abflammeinrichtung auf der anderen Seite. Am Ende
dieser zehn Meter langen Wanne, in der schmierig-blutige Brühe
vor sich hin dampfte, war eine Entborstungsanlage, durch welche die
Tiere geschleudert wurden und als gänzlich nackte Schweine
wieder herausschossen. Dann wurden sie an den Hinterläufen
wieder an Haken gehängt und von ständig hervorschiessenden
Stichflammen abgebrannt, sodass keinerlei Borsten mehr am Körper
blieben. Es wurde immer schlimmer und lauter. Ich sah, wie die
Schweine langsam in die Brühwanne eintauchten. Ich war nicht
sicher, ob sie überhaupt schon richtig tot waren – ich
hoffte es, wagte es aber nicht, ihnen in die Augen zu schauen aus
Angst, es könnte noch Leben darin sein, denn schliesslich war
die Zeit für die Entblutung ziemlich kurz! Diese Hoffnung sollte
später zunichte gemacht werden, als man uns sagte, dass die
Lungen meist nicht mehr zu gebrauchen wären, es käme
oftmals vor, dass die Tiere in der Brühwanne noch einige Male
«reflektorisch» einatmeten – das hatte ich nicht
wirklich wissen wollen! Die Hölle konnte nicht schlimmer sein!
Ich schlich möglichst mittig diesen Gang entlang, wobei mich
jeder Flammenstoss zur einen Seite springen liess und dieser
brodelnde Hexenkessel zur anderen.
So zubereitet wurden die Schweine dann in der Mitte geteilt und
ausgenommen, Organe links, Körperhälften rechts vom
Fliessband, auf dem die Fleischkontrolleure standen und die Teile
kurz mit einem Blick durchzumustern versuchten. Sicher mag man mit
der Zeit einen Blick dafür bekommen, aber Fleischkontrolle, wie
wir sie gelernt hatten, gab es da nicht! Dafür hätte man
pro Tier auch viel mehr Zeit benötigt als drei Sekunden.
Am Ende sammelten wir die LPA-Schweine in einem separaten Raum am
Haken, um sie auf Speckdichte, Wassergehalt und pH-Wert des Fleisches
zu untersuchen.
Parallel zu dieser Schweineschlachtung lief die Rinderschlachtung im
Nebenabteil. Wir sahen nur, wie viele enthäutete
Rinderköpfe an
einem Haken dort herauskamen. Ein Horrorszenarium! Wir gingen ein
Stück weit in die Rinderschlachthalle hinein, an deren Ende die
Tiere geschossen wurden – sie brüllten erbärmlich!
Wir gingen nicht nah dort heran – ich hätte das nicht mehr
überlebt. Düstere Gestalten enthäuteten die riesigen
Tiere, weideten sie aus – keiner wusste so genau, ob die Rinder
das nicht doch noch mitbekamen! Alles war düster und furchtbar
an diesem Tag. Wir waren beide traumatisiert – wir wussten,
dass es so in den meisten grossen Schlachtbetrieben zuging! Es gibt
da keinen Platz für ruhiges Arbeiten, Geduld und Augenmass
– das Band läuft und jeder Stopp heisst riesige Verluste
für den Betrieb – nie würde das Band gestoppt werden
für ein noch lebendes Tier! Das war uns klar.
Das Paradoxe an diesem Tag war, dass, als wir diese Hölle
verliessen, die Sonne warm und freundlich schien, fast wie an einem
Frühlingstag, obwohl es doch die ganzen Tage vorher immer nur
grau und verregnet war. Ich fühlte mich krank und erschöpft
von diesem Erlebnis, und es war, als wollte uns Gott trösten mit
den warmen Sonnenstrahlen.
Ich empfinde heute eine solche Wut, wenn ich in die
Supermärkte gehe und die vollen Fleischtruhen sehe. Wie viel
davon wird wieder weggeschmissen, obwohl es noch gut zum Verzehr
wäre! Warum müssen die Gänse, Truthähne und
Brathühner schon im Oktober die Läden überfluten?! Ist
es nicht auffällig, wie voll die Wursttheke im Vergleich zur
Käsetheke ist?
Was wir den Tieren antun, kann nicht gerechtfertigt werden, nur
leider soll die Öffentlichkeit das alles ja auch nicht erfahren.
Fleisch muss billig produziert werden, genauso wie Milch,
Milchprodukte und Eier. Das Tier als solches existiert für den
Produzenten nicht mehr, es hat keine Rechte. Es liegt in erster Linie
in der Hand des Verbrauchers, diesen Wahnsinn einzudämmen.
Wenn man schon Fleisch essen muss, dann sollte man es sich vom Bauern
aus der Umgebung holen, der regional oder nur im Haus schlachtet.
Sicher, man sollte ihn kennen und wissen, wie er seine Tiere
hält und schlachtet, aber Fleisch aus der Massenproduktion ist
das Verwerflichste überhaupt.
Leider wird der kleine Bauer vom grossen Markt untergebuttert,
während die Grossproduzenten das Geld machen, weil sie billig
produzieren. Aber man glaube nicht, dass dieses Fleisch oder diese
Massenprodukte überhaupt so wahnsinnig gesund sind! Dem
Verbraucher wird vorgegaukelt, dass alles staatlich
qualitätsgeprüft ist. Wer einen Einblick hatte, weiss, dass
die Lebensmittelkontrolleure nur an der Oberfläche kratzen, sich
gut stellen mit den Produzenten und Betrieben, über
Missstände in Hygiene und Tierschutz hinwegsehen. In meiner
Ausbildung sind wir immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es bei
diesen hygienischen Umständen nur deshalb kaum zu
gesundheitlichen Problemen kommt, weil Fleisch in der Regel ja
gekocht und gebraten wird und damit die Bakterien abgetötet
werden. Die Beamten an der Basis können ja am wenigsten etwas
dafür, sie sind nur Marionetten der Politik, diese wiederum
Marionetten der Wirtschaft. Nie habe ich diese Abhängigkeiten
deutlicher gesehen als in meinen Praktika.
Ich wollte mein eigentliches Schlachthof-Praktikum nicht an einem
solchen Riesenschlachthof machen und hatte das Glück, in eine
Regionalschlächterei zu kommen. Das Arbeiten war ein
gänzlich anderes. Sicher war mir immer mulmig bei der Tatsache,
dass Tiere für uns Menschen getötet werden, aber in diesem
Kleinbetrieb wurden die Tiere einzeln hereingeführt und sofort
betäubt und zum Ausbluten gestochen. Sie hatten wirklich
genügend Zeit zum Sterben, bevor sie weiter verarbeitet wurden.
Man hatte uns damals in dem grossen Schlachthof erzählt, dass
Rinder grundsätzlich viel zappelten beim Töten und
Weiterverarbeiten. In diesem Kleinbetrieb sah ich aber, dass dem überhaupt
nicht so war, man musste nur den Bolzenschuss richtig setzen. Kein
Tier zappelte mehr wie wild, die Rinder waren wirklich betäubt
und nach dem Ausbluten tot, weil man ihnen Zeit liess. Hier setzte
man den Bolzen auch direkt am Kopf des Tieres an, in dem grossen
Schlachthof schoss man aus der Ferne – das konnte ja nicht gut
gehen!
Wenn der Öffentlichkeit, und zwar jedem, diese
Realitäten zu Gesicht kämen, würde keiner mehr so
leichtfertig in den Laden gehen und sich diese Massen an Fleisch und
anderen Tierprodukten kaufen. Deshalb müssen diese Tatsachen an
die Öffentlichkeit, welches ein schwerer Kampf gegen diese
wirtschaftlichen und politischen Monopole ist.
Zumindest muss jeder für sich bewusst entscheiden, wie seine
Ernährung aussehen soll. Das habe ich getan!
K. aus Deutschland
Weitere Texte zum Thema Schlachten:
Noch ein erschütternder Erfahrungsbericht: "Um eines kleinen Bissens Fleisches
willen...", eine Veterinär-Studentin im Schlachthof.
Ausführlicher Bericht eines ehemaligen Schlächters:
Mein Weg durch die Hölle
Bilder aus dem Schlachthof: Fotos
[Vegi-Info 2003/4 Inhaltsverzeichnis]
Danke für Ihr Interesse an den Informationen der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV). Damit wir diese Homepage (mit rund 2000 Seiten) weiterhin kostenlos anbieten und erweitern können, benötigen wir auch Ihre Unterstützung!
Werden Sie Mitglied der SVV oder abonnieren Sie unsere Zeitschrift Vegi-Info.
Oder spenden Sie ganz einfach online: Paypal/Kreditkarte. Damit ermöglichen Sie den Weiterbestand dieser Homepage. Danke!