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Mein Schlachthoferlebnis


Zunächst einmal: Ich kann nicht von mir behaupten, sehr zimperlich zu sein. Ich breche nicht gleich zusammen, wenn Blut fliesst, wenn man Tiere zerlegt im Schlachthof. Man ist als Veterinärmedizin-Student dank Anatomie und Pathologie ja einiges gewohnt. Allerdings besitze ich doch einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, was wohl den Waagen unter den Sternzeichen sehr eigen zu sein scheint. Ich habe auch im Laufe der Jahre gelernt, viele Dinge zu relativieren, bei denen ich früher ganz sicher emotionaler reagiert hätte. In einem Aspekt will mir dies aber beim besten Willen nicht gelingen: Ich kann zwischen lebendigen Wesen keinen Unterschied machen! Ob Haus-, Nutz- oder Wildtier, ob alter Mensch, Arbeiter, Kind – jedes Wesen hat eine Seele, die in einem Körper lebt aus Fleisch und Blut, mit einem Herzen drin, und wenn schon nicht mit Verstand, so doch mit einer Intuition, die in uns allen tief verankert ist, die man nicht ignorieren kann. Angst, Freude, Trauer – all dies sind uralte Gefühle, Instinkte, die Mensch und Tier gleichermassen empfindet.

Nun aber zur eigentlichen Geschichte:
Meine Freundin und ich traten unser landwirtschaftliches Praktikum erst recht spät im Studium an. Wir landeten auf einem sehr sauberen, gut geführten landwirtschaftlichen Grossbetrieb mit Milchkühen, Mastkälbern, Schweinen, Schafen und Hühnern. Sicher war das ein konventioneller Grossbetrieb, vom Staat finanziert, aber die Tiere wurden hier vergleichsweise paradiesisch gehalten, mit Auslauf und Sauberkeit im Stall.
Wir standen jeden Tag früh auf, molken die Kühe, fütterten sie, misteten die Ställe – kurz, es war ein herrliches Landleben, womit ich prima zurechtkam.
Eines Tages bekamen wir das Angebot, auch einmal den Schlachthof besichtigen zu können, «Westfleisch», einen kommerziellen riesigen Schlachtbetrieb. Da wir beide wussten, dass uns in diesem Studium auch ein Schlachthof-Praktikum erwartete, wollten wir uns einen Eindruck von solch einer Einrichtung verschaffen, um dann später vorbereitet zu sein, obgleich ich mich ja am liebsten um diese Dinge gedrückt hätte. Keiner der Kommilitonen der höheren Semester konnte uns wirklich befriedigende Auskünfte über seine Schlachthof-Praktika geben, sodass wir keine richtige Vorstellung von alldem hatten.
Andererseits musste ich das auch mit eigenen Augen gesehen haben, ich wollte es auch wissen! Glücklicherweise gab es da eine Praktikantin auf dem Hof, deren Vater zufällig der Besitzer dieses Schlachthofes war. Also fragten wir sie vor unserem Besuch dort detailliert aus! Sie erzählte uns (mit ihren zarten 19 Jahren), dass das da alles nicht so schlimm sei: Einmal hätten da zwei Milchkühe im Gatter gestanden, die gross schauten mit ihren grossen Klimperaugen. Die hätten wohl gedacht, dass es gleich in den allmorgendlichen Melkstand ginge. Sie wären dann abgeführt worden, man hörte den Bolzenschuss und alles sei vorüber gewesen. Das wäre also alles nicht so tragisch, wie es immer geschildert würde!
Ü berzeugt von der Richtigkeit ihrer Ausführungen, verschwand das mulmige Gefühl, die Angst, es könnte zu grausam sein, was wir sehen würden. Ich war, offen gestanden, sogar neugierig geworden, gespannt darauf, wie man Tiere doch human schlachten würde.

Am nächsten Morgen plärrte der Wecker uns unerbärmlich aus dem Bett. Es war fünf Uhr morgens. Verschlafen quälten wir uns aus den Federn, zogen uns an und fuhren los in Richtung Schlachthof, einer genauen Wegbeschreibung durch unseren Betreuer auf der Karte folgend.
Es war empfindlich kalt an diesem Morgen, nasskalt, denn es hatte seit unserer Ankunft fast nur geregnet. Hinzu kam, dass auch dieses mulmige Angstgefühl uns wieder beschlich, wie vor dem Gang zum Zahnarzt. Auf den Strassen nahm die Anzahl der Tiertransporter stetig zu, sodass wir auf dem letzten Wegstück nur noch diesen zu folgen brauchten, denn der Schlachthof lag weitab, versteckt mitten in der «Pampa». Es war noch dunkel, als wir um sieben Uhr vor dem Schlachthof ankamen. Die Leute der LPA (Leistungsprüfungsanstalt), mit denen wir verabredet waren, konnten wir noch nicht entdecken, also blieben wir im Auto sitzen und betrachteten uns dieses Gebäude von aussen. Es war steril, ein weisser Kasten mitten in der Landschaft, wie man es von Kaufland oder Pro Markt vor den Toren der grossen Städte kennt. Er war gut abgezäunt, mit Wächter und einem grossen Parkplatz. Zu hören war nichts, kein Schreien oder Brüllen, auch die Luft war klar, kein Rauch, kein Gestank – der Tod schien ewig weit weg zu sein.
Nach ungefähr fünf Minuten tauchten die Leute von der LPA auf. Sie hatten heute neun Schweine zur Schlachtung hier und hatten dann die Fleischqualität dieser Tiere in all ihren Parametern zu beurteilen.
Wir marschierten nach einer kurzen Begrüssung also in dieses sterile Gebäude. Alles sah so alltäglich aus: Menschen kamen zur Arbeit, alles war ruhig. Dann aber kamen wir an der Kantine vorbei, wo Weissbekleidete blutbeschmiert unbeschwert assen und tranken. Bald näherten wir uns einer Tür, dahinter grauer Betonboden, Metallgehämmer war in der Ferne zu hören, ein Geruch des Todes lag in der Luft. Mir wurden die Knie ganz weich. Noch hörte ich kein Tier schreien! Hinter einer weiteren Tür vernahm ich diese Geräusche stärker, sie kamen immer näher, und auf dem rauen Boden lagen etliche kleine Fleischbrocken. In einem Extraraum zogen wir uns diese weissen Ganzkörper-Anzüge über, weisse Gummistiefel und einen weissen Helm. Dann gingen wir den Weg zurück, den wir gekommen waren.
Wieder traten wir aus dem Gebäude – kein Mucks, alles still. Wir gingen an der blanken, weissen Aussenwand des Schlachthofes entlang und kamen alsbald zu einer kleinen unscheinbaren Tür an der Seite. Als sie geöffnet wurde, offenbarte sich uns ein Anblick des Grauens! Die Hölle könnte nicht schlimmer sein:
Das Metallgeklapper war nun ohrenbetäubend und stammte von den Treibern, die die kreischenden Schweine, mit ihren Schlagstöcken gegen die Treibgang-Gitter scheppernd, vorwärts trieben, es stammte von den Maschinen, die am Fliessband und ohne Pause unaufhörlich den Tieren den Tod brachten. Ein widerlicher, penetranter Gestank von totem Fleisch, Blut und verbrannten Haaren durchdrang die feuchtwarme Luft, sodass einem der Atem stockte. Die dort arbeitenden Männer waren düstere Gestalten, blutbeschmiert mit finsterem Blick, sie brüllten ständig aus voller Kehle die verängstigten Tiere und gegen den Lärm an. Kurz, die Teufelsmaschinerie des Todes stand zum Greifen nah unmittelbar vor unseren geschockten Augen.
Ich war wie gelähmt, meine Schritte durch die Halle an den zitternden Leibern auf dem Fliessband vorbei wurden immer langsamer. Alles in mir bäumte sich auf vor Schmerz – ich wollte das nicht sehen! Ich blieb hinter den anderen zurück. Wir mussten über eine schmale Metalltreppe über den Treibgang hinweg zur anderen Seite, wo die Wartehalle für die Tiere war. Als ich gerade diese Treppe betreten hatte, schoss der Treiber knapp hinter mir am Treibgang entlang und brüllte direkt hinter mir die unter mir sich panisch drängelnden Schweine an. Ich erschrak dermassen, dass ich diesem Kerl vor Schreck fast eine Ohrfeige verpasst hätte – ich hechtete über die Treppe und fand mich direkt in der Wartehalle wieder. Es war ein düsterer, grosser Raum, wo mehrere Pferche je ein Dutzend Schweine beherbergten. Die Berieselungsanlage beregnete die dicht gedrängten Tiere (zur Beruhigung und damit die Elektrobetäubung effektiver wird) und machte die stinkende Luft feucht und schwer, was mir das Durchatmen erschwerte, obwohl ich das bei diesem Anblick mit diesem Kloss im Hals doch bitter nötig gehabt hätte.
Meine Freundin und ich standen verloren dort in der Halle, die LPA-Leute suchten erst mal ihre Tiere. Allein auf uns gestellt betrachteten wir die grausamen Zustände hier. Auch heute standen zufällig zwei Kühe in einem Gatter, dicht zusammengedrängt, ängstlich mit ihren grossen braunen Augen um sich blickend – die dachten ganz sicher nicht an den Melkstand, die hatten panische Angst!
Ich sah mich um, hatte den vollen Blick in die Schlachthalle, wie all die Tiere hier auch. Man sah von hier aus direkt auf die ausblutenden, an einem Lauf hoch gezogenen Schweine, die weisse Kachelwand voller Blut und dann dieser Gestank. Davor konnte man den Treibgang sehen, wo sich die geschlagenen, schreienden Kreaturen hintereinander drängten, um den Schlägen und Elektroschocks zu entkommen – vergeblich. Ich wurde meinen Kloss im Hals nicht los, im Gegenteil, er wurde immer grösser und schnürte mir die Luft nun fast völlig ab. Es tat so weh, diese Tiere in ihrer Panik zu sehen. Sie wussten doch überhaupt nicht, wie ihnen geschah, und spürten doch intuitiv, dass dort der Tod war.
Wo war denn, verdammt noch mal, jemand, der mir was erklärte, der irgendwas sagte, mich einfach nur irgendwie ablenkte von alldem! In dem Moment wurde ein verendetes Schwein an einem Lauf entlang der Decke an den Metallschienen hängend durch die Halle transportiert. Alle Schweine schauten in seine Richtung, wichen allesamt zurück und reckten ihre Rüssel zu ihm in die Luft, als ob sie ahnten, was geschehen war. Mein Blick wanderte dem toten Schwein hinterher und blieb an einem anderen zitternden, mitten in der Schlachthalle sitzenden Schwein hängen, das von allein offensichtlich nicht mehr hoch kam. Es sass allein zwischen den brüllenden Menschen dort, sah, wie die anderen Artgenossen geschlagen, abgestochen und blutend aufgehängt wurden. Keiner kümmerte sich darum, keiner versetzte ihm den Gnadenstoss! Ich kämpfte erbittert gegen die aufsteigenden Tränen, ich verlor diesen Kampf. Es brach aus mir heraus. Schluchzend und heulend musste ich die Schlachthalle verlassen. Meine Freundin begleitete mich nach draussen – auch sie musste nun weinen. Wir fragten uns in diesem Moment beide ernsthaft, wie wir unser Schlachthof-Praktikum überstehen sollten!
Nach einigen Minuten fing ich mich wieder, wir fassten beide Mut und gingen wieder in die Halle.
Inzwischen waren auch die LPA-Leute wieder da, uns schweigend und verlegen anblickend, sie kannten solche Reaktionen wohl schon. Sie führten uns nun an jede einzelne Station der Schlachtung heran: Zuerst gehen die Tiere in den Treibgang, an dessen Ende eine elektrische Betäubungszange ist. Betäubt fallen die Tiere dann aufs Band und werden gestochen, wobei ihnen ein Teil des Blutes über einen Schlauch aus dem Körper gesaugt wird. Dann kommen Ketten um die Hinterläufe und sie werden in die obere Etage hoch gezogen, wobei sie noch ausbluten. Aber einmal, erzählte man uns, da seien Minischweine hier zur Schlachtung gekommen. Das wäre eine Gaudi gewesen! Die Elektrozange griff nicht richtig, weil sie ja auf normale Schweinegrösse ausgerichtet sei, und somit wachten die Mini-Pigs auf dem Fliessband wieder auf und sprangen durch die Halle. Ich ahnte nur entfernt, welch panische Todesangst diese Tiere erlitten haben mussten! Wut machte sich in mir breit, als ich diese Menschen darüber lachen sah. Ich hätte sie gerne persönlich auf dieses Band geprügelt, damit sie sehen, was das heisst!
Als Nächstes stiegen wir eine schmale Treppe empor, die uns in die höhere Etage führte, wo die lange Brühwanne stand, in die die ausblutenden Tiere hoch gezogen wurden. Alles war so eng hier. Ein schmaler Gang, gerade einmal so breit, dass ein Mensch hindurch passte, verlief direkt neben dieser Brühwanne auf der einen und einer Abflammeinrichtung auf der anderen Seite. Am Ende dieser zehn Meter langen Wanne, in der schmierig-blutige Brühe vor sich hin dampfte, war eine Entborstungsanlage, durch welche die Tiere geschleudert wurden und als gänzlich nackte Schweine wieder herausschossen. Dann wurden sie an den Hinterläufen wieder an Haken gehängt und von ständig hervorschiessenden Stichflammen abgebrannt, sodass keinerlei Borsten mehr am Körper blieben. Es wurde immer schlimmer und lauter. Ich sah, wie die Schweine langsam in die Brühwanne eintauchten. Ich war nicht sicher, ob sie überhaupt schon richtig tot waren – ich hoffte es, wagte es aber nicht, ihnen in die Augen zu schauen aus Angst, es könnte noch Leben darin sein, denn schliesslich war die Zeit für die Entblutung ziemlich kurz! Diese Hoffnung sollte später zunichte gemacht werden, als man uns sagte, dass die Lungen meist nicht mehr zu gebrauchen wären, es käme oftmals vor, dass die Tiere in der Brühwanne noch einige Male «reflektorisch» einatmeten – das hatte ich nicht wirklich wissen wollen! Die Hölle konnte nicht schlimmer sein! Ich schlich möglichst mittig diesen Gang entlang, wobei mich jeder Flammenstoss zur einen Seite springen liess und dieser brodelnde Hexenkessel zur anderen.
So zubereitet wurden die Schweine dann in der Mitte geteilt und ausgenommen, Organe links, Körperhälften rechts vom Fliessband, auf dem die Fleischkontrolleure standen und die Teile kurz mit einem Blick durchzumustern versuchten. Sicher mag man mit der Zeit einen Blick dafür bekommen, aber Fleischkontrolle, wie wir sie gelernt hatten, gab es da nicht! Dafür hätte man pro Tier auch viel mehr Zeit benötigt als drei Sekunden.
Am Ende sammelten wir die LPA-Schweine in einem separaten Raum am Haken, um sie auf Speckdichte, Wassergehalt und pH-Wert des Fleisches zu untersuchen.
Parallel zu dieser Schweineschlachtung lief die Rinderschlachtung im Nebenabteil. Wir sahen nur, wie viele enthäutete Rinderköpfe an einem Haken dort herauskamen. Ein Horrorszenarium! Wir gingen ein Stück weit in die Rinderschlachthalle hinein, an deren Ende die Tiere geschossen wurden – sie brüllten erbärmlich! Wir gingen nicht nah dort heran – ich hätte das nicht mehr überlebt. Düstere Gestalten enthäuteten die riesigen Tiere, weideten sie aus – keiner wusste so genau, ob die Rinder das nicht doch noch mitbekamen! Alles war düster und furchtbar an diesem Tag. Wir waren beide traumatisiert – wir wussten, dass es so in den meisten grossen Schlachtbetrieben zuging! Es gibt da keinen Platz für ruhiges Arbeiten, Geduld und Augenmass – das Band läuft und jeder Stopp heisst riesige Verluste für den Betrieb – nie würde das Band gestoppt werden für ein noch lebendes Tier! Das war uns klar.
Das Paradoxe an diesem Tag war, dass, als wir diese Hölle verliessen, die Sonne warm und freundlich schien, fast wie an einem Frühlingstag, obwohl es doch die ganzen Tage vorher immer nur grau und verregnet war. Ich fühlte mich krank und erschöpft von diesem Erlebnis, und es war, als wollte uns Gott trösten mit den warmen Sonnenstrahlen.

Ich empfinde heute eine solche Wut, wenn ich in die Supermärkte gehe und die vollen Fleischtruhen sehe. Wie viel davon wird wieder weggeschmissen, obwohl es noch gut zum Verzehr wäre! Warum müssen die Gänse, Truthähne und Brathühner schon im Oktober die Läden überfluten?! Ist es nicht auffällig, wie voll die Wursttheke im Vergleich zur Käsetheke ist?
Was wir den Tieren antun, kann nicht gerechtfertigt werden, nur leider soll die Öffentlichkeit das alles ja auch nicht erfahren. Fleisch muss billig produziert werden, genauso wie Milch, Milchprodukte und Eier. Das Tier als solches existiert für den Produzenten nicht mehr, es hat keine Rechte. Es liegt in erster Linie in der Hand des Verbrauchers, diesen Wahnsinn einzudämmen.
Wenn man schon Fleisch essen muss, dann sollte man es sich vom Bauern aus der Umgebung holen, der regional oder nur im Haus schlachtet. Sicher, man sollte ihn kennen und wissen, wie er seine Tiere hält und schlachtet, aber Fleisch aus der Massenproduktion ist das Verwerflichste überhaupt.
Leider wird der kleine Bauer vom grossen Markt untergebuttert, während die Grossproduzenten das Geld machen, weil sie billig produzieren. Aber man glaube nicht, dass dieses Fleisch oder diese Massenprodukte überhaupt so wahnsinnig gesund sind! Dem Verbraucher wird vorgegaukelt, dass alles staatlich qualitätsgeprüft ist. Wer einen Einblick hatte, weiss, dass die Lebensmittelkontrolleure nur an der Oberfläche kratzen, sich gut stellen mit den Produzenten und Betrieben, über Missstände in Hygiene und Tierschutz hinwegsehen. In meiner Ausbildung sind wir immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es bei diesen hygienischen Umständen nur deshalb kaum zu gesundheitlichen Problemen kommt, weil Fleisch in der Regel ja gekocht und gebraten wird und damit die Bakterien abgetötet werden. Die Beamten an der Basis können ja am wenigsten etwas dafür, sie sind nur Marionetten der Politik, diese wiederum Marionetten der Wirtschaft. Nie habe ich diese Abhängigkeiten deutlicher gesehen als in meinen Praktika.
Ich wollte mein eigentliches Schlachthof-Praktikum nicht an einem solchen Riesenschlachthof machen und hatte das Glück, in eine Regionalschlächterei zu kommen. Das Arbeiten war ein gänzlich anderes. Sicher war mir immer mulmig bei der Tatsache, dass Tiere für uns Menschen getötet werden, aber in diesem Kleinbetrieb wurden die Tiere einzeln hereingeführt und sofort betäubt und zum Ausbluten gestochen. Sie hatten wirklich genügend Zeit zum Sterben, bevor sie weiter verarbeitet wurden. Man hatte uns damals in dem grossen Schlachthof erzählt, dass Rinder grundsätzlich viel zappelten beim Töten und Weiterverarbeiten. In diesem Kleinbetrieb sah ich aber, dass dem überhaupt nicht so war, man musste nur den Bolzenschuss richtig setzen. Kein Tier zappelte mehr wie wild, die Rinder waren wirklich betäubt und nach dem Ausbluten tot, weil man ihnen Zeit liess. Hier setzte man den Bolzen auch direkt am Kopf des Tieres an, in dem grossen Schlachthof schoss man aus der Ferne – das konnte ja nicht gut gehen!

Wenn der Öffentlichkeit, und zwar jedem, diese Realitäten zu Gesicht kämen, würde keiner mehr so leichtfertig in den Laden gehen und sich diese Massen an Fleisch und anderen Tierprodukten kaufen. Deshalb müssen diese Tatsachen an die Öffentlichkeit, welches ein schwerer Kampf gegen diese wirtschaftlichen und politischen Monopole ist.
Zumindest muss jeder für sich bewusst entscheiden, wie seine Ernährung aussehen soll. Das habe ich getan!
K. aus Deutschland

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Noch ein erschütternder Erfahrungsbericht: "Um eines kleinen Bissens Fleisches willen...", eine Veterinär-Studentin im Schlachthof.
Ausführlicher Bericht eines ehemaligen Schlächters: Mein Weg durch die Hölle
Bilder aus dem Schlachthof: Fotos

Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 16.5.2010

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