Gewalt an Tieren fördert Gewalt an Menschen
Bereits im Vegi-Info 3/1999 konnten Sie einen Artikel über die Polizei-Wachtmeisterin
Sherry Schlueter lesen. Sie leitet die erste Polizeieinheit in
Florida, welche sich ausschliesslich dem Thema Tierquäler
widmet, weil die dortige Polizei davon ausgeht, dass ein enger
Zusammenhang zwischen Tierquälerei und Straftaten gegen Menschen
besteht.
Die Tierschutzorganisation Peta hat zu diesem Thema auch eine mehrseitige Schrift [1] publiziert, in der sie mit vielen Beispielen belegt, wie Serienmörder und andere Schwerverbrecher ihre Gewalt zuvor an Tieren ausübten. Die Schlussfolgerung gemäss Peta: «Gerichte, die Tiermissbrauch als ‹minderes› Verbrechen abtun, ignorieren eine tickende Zeitbombe.»
| "Wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein." Arthur Schopenhauer (1788–1860), deutscher Philosoph |
Auch die deutschen Ermittler sind zu dieser Erkenntnis gekommen
und warnen davor, dass Tierquäler später auch Menschen
quälen oder töten könnten. Hier ein Auszug aus dem
Artikel «Polizeigutachten: Pferde-Ripper könnte auch Kinder
töten» aus dem Spiegel online:
«… Viele Serienmörder sagten nach ihrer Verhaftung
aus, sie hätten ihre Gewaltphantasien zuerst an Tieren
ausgelassen. Sicher sind sich die Ermittler, dass auch die beiden vor
wenigen Tagen im niedersächsischen Velpke bei Helmstedt
getöteten Pferde auf das Konto des Serientäters gehen. In
den Jahren 1999 und 2000 hat der ‹Pferde-Ripper›
insgesamt 57 Pferde mit einem Schlachtermesser aufgeschlitzt, davon
starben in dieser Zeit 40 Tiere …»
| Die Grausamkeit gegen die Tiere und auch
schon die Teilnahmslosigkeit gegenüber ihren Leiden ist meiner
Ansicht nach eine der schwersten Sünden des Menschengeschlechts.
Sie ist die Grundlage der menschlichen Verderbtheit.
Romain Rolland (1866–1944), franz. Dichter, Nobelpreis 1915 |
All dies sollte selbst jene, die Tiere nur als Bioroboter bzw.
Nahrungsmittellieferanten ansehen, dazu veranlassen, sich gegen jede
Tierquälerei einzusetzen.
Auch jene, welche die Menschen als «Krone der
Schöpfung» ansehen und glauben, die Tiere seien
ausschliesslich zum Nutzen des Menschen geschaffen[2], sollten in
Anbetracht obiger Tatsachen zur Vermeidung der Verrohung der
menschlichen Seele und zum Schutz der Mitmenschen gegen jegliche
Tierquälerei vorgehen.
Stattdessen wurde die Gründung des ersten Tierschutzvereines in
Italien vor etwas mehr als 100 Jahren durch die katholische Kirche
aufs schärfste bekämpft. Wie im neusten Katechismus [3] der
katholischen Kirche nachzulesen ist, hat sich seither diese
Einstellung nicht geändert.
Durch eine andere Gruppe, die sich in der Vergangenheit
ausschliesslich auf das Wohl der Menschen konzentrierte, könnte
diese Einstellung nun erschüttert werden: durch die Polizei,
insbesondere durch jene, die direkt mit Mördern zu tun hat.
Es wäre immerhin ein guter Beginn, wenn die Menschen lernen
würden, die Tiere besser zu behandeln, auch wenn es vorerst nur
aus Eigennutz ist.
| Vom Tiermord zum Menschenmord ist nur ein Schritt und damit auch von der Tierquälerei zur Menschenquälerei.
Leo Tolstoi (1828–1910), Humanist, Autor (u.a. «Krieg und Frieden») |
Normalerweise denkt man bei der Vermeidung von Tierquälerei
an lange Tiertransporte und Tierfabriken. Dabei vergisst man leicht,
dass diese Dinge nur ein Symptom sind. Das eigentliche Problem ist
die Ursache, welche diese Tierquälereien zwingend erfordert:
Tiertransporte und Tierfabriken wird es genau so lange geben, wie es
Billigfleisch-Konsumenten gibt. Wer zur blossen Befriedigung seines
Gaumens in Kauf nimmt, dass Tiere dafür getötet werden, ist
zwar noch weit davon entfernt, ein Massenmörder (gegenüber
Menschen) zu werden, aber er ist mindestens ebenso weit davon
entfernt, die Tiere als Mitgeschöpfe zu achten.
Ob die Verbreitung des Vegetarismus zum Weltfrieden beitragen
würde, ist schwer zu sagen. Zumindest bei Extremfällen
(Massenmördern) wird es aber immer klarer, dass die Achtung vor
dem Leben nicht auf den Menschen beschränkt bleiben darf, wenn
man die Gewaltanwendung generell eindämmen möchte.
| «Die Verbindung zwischen Tiermissbrauch
und noch gewalttätigerem Verhalten ist klar erkennbar. Die
zerstückelten Überreste von Hunden und Katzen könnten
morgen schon die Überreste von Kindern sein.»
Terry Farmer, Bezirksstaatsanwalt von Humbolt County, USA |
Ein berühmter Vegetarier formulierte es einmal so:
«Rein durch ihre physische Wirkung auf das menschliche
Temperament würde die vegetarische Lebensweise das Schicksal der
Menschheit äusserst positiv beeinflussen können.»
Albert Einstein (1879–1955), Physiker und Nobelpreisträger
Renato Pichler
1 Diese Schrift kann direkt bei Peta heruntergeladen oder bestellt werden. Sie ist auch über die SVV erhältlich.
2 Katechismus der römisch-katholischen Kirche von 1993, Abschnitte 2417 und 2418.
3 Der Katechismus ist die Zusammenstellung der Glaubenslehre der Kirche.
Quellen:
- Polizeigutachten: Pferde-Ripper könnte auch Kinder töten, Spiegel online, 10.8.2003
- Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei ...
- Humanes Schlachten
- Ist Fleischessen gewalttätig?, Vgi-Info 2009/3
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