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Der Mensch is(s)t misstrauisch: Lexikon der Lebensmittel-Etiketten

Obwohl die Konsumenten ein sehr kurzes Gedächtnis haben, was Lebensmittelskandale anbelangt (wer denkt heute noch an Antibiotika im Schweinefleisch oder an Dioxin in Eiern und Hühnerfleisch?), bleibt nach den vielen Skandalen der Vergangenheit ein Gefühl der Unsicherheit zurück. Ein Teil der Konsumenten lebt nun zwar nach dem Motto: «Jetzt spielt alles sowieso keine Rolle mehr. Es gibt ja ohnehin kein sicheres Nahrungsmittel mehr.» Aber viele begannen sich durch die Skandale wieder intensiver für ihre Nahrungsmittel zu interessieren. Das Misstrauen ist generell gewachsen. Leider ist es heute nicht immer einfach zu verstehen, was auf den Lebensmittelpackungen deklariert wird. Die Deklaration mit den berühmt-berüchtigten E-Nummern ist nur ein Beispiel für eine einwandfreie und genaue Kennzeichnung, welche aber oft nur Fachleute verstehen.

In dem kleinen Taschenbuch erklärt der Autor viele Begriffe aus der Fachwelt. Dr. Erich Lück hat Pharmazie und Lebensmittelchemie studiert, schafft es aber, sein Fachwissen in leicht verständlicher Form darzubringen. Das ganze Buch besteht nebst einem Vorwort ausschliesslich aus der alphabetischen Auflistung von Stichworten rund um die Nahrungsmitteldeklaration. Dabei werden solch allgemein gebräuchliche Begriffe wie «frisch» und «Reform-Lebensmittel» ebenso erklärt wie spezielle Fachausdrücke aus den Nahrungsmittelzutaten. Durch diese alphabetische Anordnung der Stichworte eignet es sich vor allem als Einkaufsbegleiter, um bereits im Laden nachsehen zu können, was man unter «Natamycon» oder «Sorbinsäure» versteht. Im Gegensatz zu vielen anderen ähnlichen Verzeichnissen beschränkt sich dieses Buch also nicht auf die Auflistung der Zusatzstoffe, welche eine E-Nummer zugeordnet erhalten haben, sondern erklärt alle für den Verbraucher wichtigen Begriffe.
Manche Hintergrundinformationen in dem Buch werden sicher viele Leser verblüffen. So zum Beispiel, dass Wein keine Zutatenliste braucht und deshalb die Konsumenten anhand der Deklaration nie erfahren würden, dass jeder Wein (ausser Sherry) durch Schwefeldioxyd haltbar gemacht wird. Trotz solchem Insiderwissen des Lebensmittelchemikers sollte man mit seinen Bemerkungen zur gesunden Ernährung vorsichtig umgehen. Ein Beispiel:
«Zuckerhaltige Naturprodukte wie Ahornsirup, Honig, Melasse und ähnliche sind im Grunde genommen nichts anderes als normaler Zucker, der ja ebenfalls ein Naturprodukt ist. Sie kosten nur viel mehr.»
Jeder Ernährungswissenschaftler wird bei einer solchen Aussage protestieren. Bei derartigen Textpassagen hat man das Gefühl, dass ein Vertreter der Nahrungsmittelindustrie die Industrieprodukte verteidigt.
Ein weiterer Schwachpunkt des Buches ist seine Ausrichtung auf Deutsches bzw. EU-Recht. Schweizer Rechtsgrundlagen bezüglich der Deklaration werden nicht berücksichtigt (was jedoch nur ein kleiner Nachteil ist, da sich die beiden Rechtssysteme immer mehr angleichen). Auch werden die neusten Anpassungen im Lebensmittelrecht (in der EU und in der Schweiz) noch nicht berücksichtigt, obwohl das Buch erst in diesem Jahr erschienen ist.
Ansonsten bietet das Buch aber sehr viel Wissenswertes für mündige Konsumenten.

Erich Lück: Der Mensch is(s)t misstrauisch. Humboldt-Verlag, Fr. 14.10