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Deklaration von Nahrungsmitteln

In Indien müssen nicht vegetarische Produkte mit einem braunen Punkt gekennzeichnet werden.
Indien, mit seiner jahrtausendealten Tradition der vegetarischen Lebensweise, wurde vom Welthandel auch nicht verschont. Um den Indern weiterhin zu ermöglichen, einfach vegetarisch zu leben, wird nicht etwa nur den Produzenten von vegetarischen Nahrungsmitteln eine Auflage gemacht (weil dies dort als normal gilt), sondern allen Produzenten von nicht vegetarischen Nahrungsmitteln zwingend vorgeschrieben, eine spezielle Kennzeichnung auf die Packung zu drucken. Dies gilt nicht nur für Nahrungsmittel, sondern auch für Kosmetikartikel.

In Europa sind solche Negativdeklarationen in fast allen Bereichen erfolgreich von der Nahrungsmittelindustrie verhindert worden. Deshalb mussten private Organisationen sich damit begnügen, freiwillige positive Kennzeichnungen (Labels) einzuführen, damit die Konsumenten wenigstens einen Anhaltspunkt erhalten, welche Produkte ihre gewünschten Kriterien erfüllen. Diese privaten Organisationen können aber keiner Firma vorschreiben, dass sie ihr Produkt mit einer negativen Aussage kennzeichnen muss. Deshalb gibt es keine Eier, die mit «aus tierquälerischer Käfighaltung» deklariert werden oder Fleisch mit der Aufschrift «aus Fleisch von kranken Kälbern in enger Boxenhaltung». Auch ein Süssgebäck mit der Aufschrift «mit Schweinefett und anderen Schlachtprodukten» wird man nirgends finden. Das korrekte Lesen von Deklarationen ist bereits fast so schwierig wie die korrekte Interpretation eines Arbeitszeugnisses, in dem man auch nichts Negatives explizit aufführen darf: Alles, was nicht ausdrücklich positiv hervorgehoben wurde, gilt als negativ.
Erste Tendenzen eines positiven Wandels zeichnen sich nach den vielen Nahrungsmittelskandalen zwar ab. Aber meist nicht gerade in konsumentenfreundlicher Form, sondern eher als Kompromisslösung, damit überhaupt etwas getan werden kann.
Beispiel Gentechnik: Produkte mit gentechnisch veränderten Zutaten müssen als solche gekennzeichnet sein. Abgesehen von den erlaubten Ausnahmen werden auch kaum alle Konsumenten auf Anhieb verstehen, was mit «GVO» gemeint ist: GVO steht für gentechnisch veränderte Organismen.
Beispiel zwei: Deklaration der Herkunft eines Produktes. Gerade bei tierischen Produkten herrscht noch immer grosse Verwirrung darüber, was genau damit gemeint ist. Welches Land gilt: dasjenige, wo das Tier geboren wurde, wo es gemästet wurde oder wo es geschlachtet wurde oder gar dasjenige, wo sein Fleisch bloss verpackt wurde? Viele Konsumenten waren sicher auch verwirrt, als sie erfuhren, dass das Bündnerfleisch hauptsächlich aus Tieren aus Argentinien besteht. Doch auch wenn diese Hürde genommen ist: Nichtssagende Deklarationen wie: «Herkunft: Europa, Asien, Übersee» erfüllen tatsächlich die gesetzlichen Vorgaben. Immerhin weiss man in einem solchen Fall (der tatsächlich auch real vorkommt!), dass es nicht in Australien oder auf dem Mond produziert wurde. Aber ob dies für den Kunden nützlich ist?
Bleiben also hauptsächlich noch die Positivdeklarationen, die von den Produzenten ja auch im Eigeninteresse möglichst klar kommuniziert werden. Eine positive Auszeichnung hilft allen Beteiligten (sofern sie mit solchen Produkten zu tun haben) und kann deshalb in Kooperation aller Seiten lanciert werden.
Deshalb hat auch die SVV ein Label für die positive Auszeichnung von kontrolliert vegetarischen Produkten eingeführt, um in diesem Bereich die Konsumenten nicht mehr im Ungewissen zu lassen. Da es für die betroffenen Produzenten einen Mehraufwand bedeutet, ihre Produkte bzw. deren Zutaten kontrollieren zu lassen, hängt der Erfolg eines solchen Labels sehr stark davon ab, wie viele Konsumenten bei den Verantwortlichen (sei es der kleine Laden um die Ecke, ein Grossverteiler, ein Nahrungsmittelproduzent oder ein Restaurant) ein solches Label verlangen. Wenn Sie also künftig vermehrt sicher sein wollen, dass Ihr Nahrungsmittel nicht doch mit billigen Schlachtnebenprodukten angereichert wurde, achten Sie nicht nur auf das Label, sondern verlangen Sie danach (am besten schriftlich per Briefpost oder E-Mail). Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Deshalb kann auch nur eine konkrete Nachfrage eine Änderung zum Positiven bewirken.
In der Schweiz darauf zu warten, bis die Politiker ein Gesetz zur Deklaration aller Produkte mit Tierkörpern oder Eiern einführen (wie es in Indien geschehen ist), wäre leider ein hoffnungsloses Unterfangen.

Renato Pichler

Link zu ähnlichem Thema:
Das Europäische Vegetarismus-Label