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Grundlos Veganer sein

Während seiner 1998 gehaltenen Plenaransprache an der Jahreskonferenz der Nordamerikanischen Vegetarischen Gesellschaft stellte der bekannte Philosoph und Veganer Stanley M. Sapon die vielleicht wichtigste Frage angesichts der heutigen Bewegung: «Welches ist die effektivste Methode, Menschen zu einer veganen Lebensweise zu ermutigen?» Für Dr. Sapon ist die Antwort klar:

«Wir hatten wenig Erfolg, Menschen zu wichtigen Veränderungen in ihrem Leben zu bewegen allein auf der Basis von ‹Tatsachen› … man benötigt mehr als ‹Begründungen› … man braucht die zusätzliche Kraft der Emotion … des Gefühls … des Mitleids …
Ohne den Funken der Emotion ist es fast unmöglich, die Leidenschaft der Menschen zu entzünden.»
Der Ursprung meines eigenen Verständnisses dieser fundamentalen Wahrheit geht auf meine erste Präsentation vor zehn Jahren im Rahmen der Bildungsangebote für Kinder in einer kleinen Grundschule in Connecticut zurück.
Am Vorabend der Unterrichtseinheit schrieb ich fast ein Dutzend Seiten mit Notizen zu Fakten über die Gesundheit und umweltbezogene Aspekte des Vegetarismus. Am nächsten Morgen betrat ich den Klassenraum und legte sorgsam meine Notizen auf das Pult neben mir. Ich begann den Unterricht mit der Frage: «Welche Gefühle habt ihr, wenn ihr daran denkt, wie Tiere in unserer Gesellschaft behandelt werden?»
Erst nachdem die Schulglocke zum Ende der Stunde läutete, wurde mir deutlich, dass ich nicht ein einziges Mal auf jene Notizen geschaut hatte.
Während der Unterrichtsstunde beschrieben die Schüler und Schülerinnen, was sie bezüglich der Tötung von Tieren zu Nahrungszwecken empfanden. Sie diskutierten auch ihre Gefühle zu den Themen Jagd, Fischerei, Zirkus, Zoo und Tierversuche. Und obwohl die Recherche, die ich vor der Unterrichtsstunde gemacht hatte, mir dabei half, auf einige ihrer Fragen entsprechende Tatsachen als Antwort anzuführen, begann ich langsam, den wahren Kern meiner Präsentation zu erkennen.
Gegen Ende der Unterrichtseinheit diskutierten wir Wege, wie man einige der Punkte, die sie betroffen eingebracht hatten, ansprechen könnte. Selbst als wir viele mögliche Schritte herausfanden, die sowohl Kinder als auch Erwachsene gehen könnten, um das Leben von Tieren positiv zu beeinflussen, wurde mir deutlich, dass sie noch etwas brauchten. Sie benötigten ein Gefühl der Hoffnung. Sie mussten daran glauben, dass es für sie möglich sein würde, diese Welt zu verändern.
So sprach ich über Veränderungen, die in unserer Gesellschaft auf Grund der Initiative von Menschen wie sie selbst geschehen waren und die ein besseres Leben für Tiere zur Folge hatten. Ich beschrieb auch einige der Erfahrungen, die zu meiner Entscheidung führten, einen von Ahimsa-Prinzipien geprägten Lebensstil anzunehmen, wie er von Gandhi als der Ausdruck des Mitgefühls gegenüber allen Lebewesen – in Gedanken, Worten und Taten – definiert wurde. Es erstaunte mich, wie sehr ich durch diese Bemerkungen ihr Interesse geweckt hatte. Und ich erinnere mich, wie ich in diesem Moment dachte: Jede(r) Einzelne von uns hat eine einzigartige und faszinierende Geschichte über die Person zu erzählen, die er oder sie geworden ist. Und selbst die eindrucksvollste faktische Information verblasst im Vergleich zu der Aussagekraft dieser Entwicklung.
Wenn mich heute Menschen nach dem «Grund» fragen, warum ich mich für die vegane Lebensweise entschieden habe, sage ich ihnen: «Ich habe keinen.» Denn für mich ist es keine Sache des «Grundes» – es geht darum, was ich in meinem Herzen empfinde.
Information über Wissenschaft und Gesundheit hat ihren Raum. Wenn wir jedoch wirklich mit Erfolg eine mitfühlendere Gesellschaft erschaffen wollen, dann muss der Kern unserer Botschaft darauf gerichtet sein, die Herzen der Menschen zu erreichen. Mit den Worten von Jan Phillips von den Syracuse Cultural Workers:
«Ganz gleich, was unsere Bemühungen zu informieren bewirken, es ist unsere Fähigkeit zu inspirieren, die das Blatt wenden wird.»

Copyright 2002 John J. Morlino jr.
John Morlino ist der Gründer der Organisation ETHIC (The Essence of True Humanity Is Compassion)

Website: www.the-ethic.org

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der Juli-Ausgabe 2002 von VegNews veröffentlicht. Deutsche Übersetzung: Europäische Vegetarier-Union.