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Diabetes heilbar durch vegane Ernährung?

Die Diagnose Diabetes ist nicht unbedingt mit Unheilbarkeit gleichzusetzen. Frühe Studien bestätigen, dass sich der gesundheitliche Zustand von Diabetikern verbessern kann, und in einigen Fällen sogar Heilung bei Änderung der Ernährungsgewohnheiten durch Nahrungsumstellung auf eine Ernährung mit unraffinierten Lebensmitteln rein pflanzlicher Herkunft erzielt werden konnte.

Bedauerlicherweise war in diesen Studien in keinem Fall eine Vergleichsgruppe eingeschlossen.
Aus diesem Grunde stellte die amerikanische Diabetes Action and Research Education Foundation, eine Organisation zur Prävention, Erforschung und Aufklärung über die Erkrankung, dem Physicians Committee for Responsible Medicine (PCRM) finanzielle Mittel zur Durchführung einer sorgfältig überwachten Testreihe zur Verfügung.
In Zusammenarbeit mit der Universität Georgetown wurden zwei verschiedene Ernährungsformen verglichen: eine ballaststoffreiche, fettarme vegane Kostform und die häufiger von der American Diabetes Association (ADA) empfohlene Diät. Diabetiker und Diabetikerinnen, die nicht abhängig von Insulin waren, wurden aufgefordert, sich gemeinsam mit ihren Ehe- oder Lebenspartnern gemäss einer der beiden Kostformen drei Monate lang zu ernähren. Die Mahlzeiten wurden von einem Catering-Unternehmen verzehrsfertig vorbereitet, so dass die Teilnehmer das Essen gegebenenfalls lediglich zu Hause aufwärmen mussten.
Die veganen Mahlzeiten bestanden aus Rohkost, Getreide, Bohnen und Früchten ohne raffinierte Zutaten wie Pflanzenöl, Weissmehl oder weisse Nudeln. Diese Mahlzeiten enthielten nur 10% Fett (gemessen am Kaloriengehalt) und 80% komplexe Kohlenhydrate. Sie stellten darüber hinaus eine tägliche Versorgung mit 60–70 g Ballaststoffen sicher und enthielten keinerlei Cholesterin.
Die zum Vergleich herangeführte ADA-Diät enthielt einen etwas grösseren Anteil an Zutaten auf pflanzlicher Basis als die durchschnittliche amerikanische Kostform, orientierte sich jedoch immer noch an den konventionellen Huhn- und Fischgerichten. Diese Diät bestand zu 30% aus Fett und zu 50% aus Kohlenhydraten. Mit ihr wurden täglich 30 g Ballaststoffe und 200 mg Cholesterin aufgenommen.
Die Teilnehmer beider Gruppen trafen sich an zwei Abenden pro Woche zu Gruppensitzungen zu den Themen Ernährung, Nahrungszubereitung und Patientenschulung, welche die Universität organisierte.
Bei der Planung der Studie gab es mehrere Herausforderungen. Würden sich an Diabetes Erkrankte und ihre Partner(innen) freiwillig für die Studie zur Verfügung stellen? Würden sie ihre Essgewohnheiten ändern und das Studienprogramm für den vollen Zeitraum von drei Monaten durchhalten? Wäre es möglich, Catering-Unternehmen zu finden, die zuverlässig ansprechende vegane Gerichte und Mahlzeiten nach Vorgaben der ADA zubereiten und liefern könnten?
Die erste dieser drei mit Besorgnis gestellten Fragen war schnell beantwortet: Bereits am ersten Tag der Veröffentlichung eines Aufrufs in der Zeitung meldeten sich 100 Personen. Die zu der Studie zugelassenen Teilnehmer gingen mit Begeisterung an die Sache heran. Ein Teilnehmer äusserte sich folgendermassen: «Ich war erstaunt über die erheblichen Auswirkungen der veganen Ernährung gleich von Anfang an. Blutzucker und Gewicht begannen sich wie von selbst zu reduzieren.»
Einige Probanden waren angenehm überrascht, wie gut sie sich auf das Ernährungsexperiment einstellen konnten. Einer drückte es so aus: «Wenn mir jemand vor drei Monaten gesagt hätte, dass ich mit einer vollkommen vegetarischen Kostform zufrieden wäre, hätte ich es nicht geglaubt.» Ein anderer Teilnehmer benötigte mehr Zeit für die Umstellung: «Zu Beginn ist es nicht leicht, sich so zu ernähren, aber ich schaffte es, bis zuletzt 17 Pfund loszuwerden. Ich benötige weder Medikamente zur Behandlung meiner Zuckerkrankheit noch zur Blutdrucksenkung. So ist das Ergebnis für mich tatsächlich sehr, sehr positiv.»
Einige erfuhren sogar unerwarteten Nutzen: «Mein Asthma hat sich tatsächlich gebessert. Ich nehme nicht mehr so häufig Asthmamittel ein, da ich besser atmen kann. Mental ist die Gesamtperspektive, wie ich mich als Diabetespatient wahrnehme, jetzt hoffnungsvoller, da ich selbst etwas tun kann durch eine Ernährungsform, die für mich Sinn macht.»
Beide Gruppen brachten sich insgesamt bei der Befolgung der ihnen verordneten Diätvorschriften hervorragend ein. Dennoch war die Gruppe der Veganer bei vielen Ergebnissen überlegen. Nüchternblutzuckerwerte verringerten sich um 59% mehr bei den Veganern als bei den Teilnehmern mit ADA-Diät, und während die Teilnehmer der Vegangruppe weniger Medikamente zur Blutzuckerkontrolle benötigten, mussten die Versuchspersonen mit ADA-Diät weiterhin Medikamente in gleicher Menge einnehmen. Obwohl die Veganer mit weniger Medikamenten auskamen, waren die Blutwerte besser eingestellt.
Während Teilnehmer der ADA-Gruppe das beeindruckende Ergebnis einer durchschnittlichen Gewichtsabnahme von acht Pfund vorweisen konnten, betrug der Gewichtsverlust bei den Veganern fast 16 Pfund. Die Cholesterinwerte konnten auch innerhalb der Vegangruppe in erheblicherem Masse reduziert werden, als dies bei den Versuchspersonen mit ADA-Diät der Fall war.
Diabetes kann eine ernsthafte Nierenschädigung hervorrufen, was zu Eiweissausscheidung im Urin führt. Mehrere der Probanden hatten bereits zu Beginn der Studie signifikante Proteinverluste. Bei den Teilnehmern der ADA-Gruppe konnte hinsichtlich dieses Aspekts keine Verbesserung erzielt werden. Tatsächlich verschlechterten sich die Eiweissverluste dieser Probanden etwas über den dreimonatigen Zeitraum der Studie. Bei der Gruppe der Veganer konnte andererseits ein erheblicher Rückgang der Eiweissausscheidungen erzielt werden.
Ermutigt durch die aussagekräftigen Ergebnisse dieser Pilotstudie planen wir eine umfangreichere Studie für nächstes Jahr. Wir sind den freiwilligen Teilnehmern sehr zu Dank verpflichtet, die grosszügigerweise ihre Zeit zur Verfügung stellten und damit ihren Beitrag zur Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten bei Diabetes leisteten.
Dr. med. Andrew Nicholson

Das englische Original dieses Artikels können Sie im Internet nachlesen:
www.pcrm.org/research/diabetes.html

(Übersetzung durch die Europäische Vegetarier-Union [EVU])