Normalgewichtige sind eine Minderheit
Amerikanische Verhältnisse haben wir nun auch schon in
Europa: In Deutschland sind Normalgewichtige mittlerweile in der
Minderheit. Zudem hat sich die Zahl der adipösen (= krankhaft
übergewichtigen) Kinder in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt.
Für die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt Adipositas (=
Übergewicht) als grösstes chronisches Gesundheitsproblem
überhaupt. Auf über 30% Übergewichtige ist der Anteil
in den meisten westlichen Industrienationen angestiegen. Je nach
Nation verursachen Adipositas und ihre Folgeerkrankungen 5–10%
der Gesamtkosten im Gesundheitswesen (in der Schweiz 2–3
Milliarden Fr. pro Jahr).
| Hauptursachen von Übergewicht | |
| Zu viele Süssigkeiten | 95% |
| Zu wenig Bewegung | 95% |
| Unausgewog. Ernährung | 90% |
| Zu viel Zeit vor dem TV | 86% |
| Zu viel Fast Food | 80% |
| Zu fettes Essen | 77% |
| […] | |
| Krankheit | 9% |
| Genetische Veranlagung | 4% |
| Quelle: Globus/Emnid-Institut, BKK zitiert in der Ärzte-Zeitung vom 14.11.2001 |
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Die Adipositas ist eine «unbeachtete Katastrophe»,
beklagten Experten beim Ärztekongress in Berlin vom Juni 2002.
In Deutschland sind 67 Prozent der Männer und 52 Prozent der
Frauen übergewichtig, sagte Professor Hans Hauner vom Deutschen
Diabetes-Forschungsinstitut in Düsseldorf. Privatdozentin Dr.
Christine Metzner aus Bonn empfiehlt als eine
Therapiemöglichkeit eine lacto-vegetabil betonte Mischkost mit
einer täglichen Energiezufuhr von etwa 1200 kcal. Dabei sollten
fettreduzierte Milchprodukte und pflanzliche Öle mit hohem
Anteil an ungesättigten und mehrfach ungesättigten
Omega-3-Fettsäuren sowie Obst und Gemüse bevorzugt werden.
Ausserdem empfiehlt sie eine Fettreduktion auf 60 bis 80 Gramm
täglich.
Da nebst genügend Bewegung/Sport die Ernährung der
wichtigste Faktor darstellt und hier wiederum der Fettanteil grosses
Gewicht hat, ist es nahe liegend, dass die Reduzierung tierischer
Produkte (Fleisch, Käse, Rahm), welche zu den fettreichsten
Nahrungsmitteln gehören, sehr erfolgversprechend ist. Sich
abwechslungsreich ernährende Vegetarier, und noch mehr Veganer,
konsumieren in aller Regel viel weniger Fett und viel mehr
Gemüse und Früchte, was von allen Ärzten empfohlen
wird. Allerdings sind auch in diesem Bereich die Wissenschaftler
nicht einer Meinung: Eine fettarme Ernährung wird zwar von allen
empfohlen, aber die Einschätzung, wie hoch der genetische Anteil
am Übergewicht einer Person ist, schwankt zwischen 4% und 80%!
Da man die Gene jedoch kaum verändern kann, bleiben die beiden
Haupteinflussfaktoren in jedem Fall Ernährung und Bewegung. Eine
Einigkeit besteht allerdings auch bezüglich Diäten: Eine
vorübergehende Diät schadet oft mehr, als dass sie
nützt (Jo-Jo-Effekt). Notwendig ist eine dauerhafte
gesündere Ernährung, wie sie zum Beispiel eine fettarme
vegetarische/vegane Ernährung darstellt. Obwohl nicht nur
Wurstwaren etc. in Verdacht stehen, hauptverantwortlich für
Adipositas zu sein, ist zu bedenken, dass fast alle Süssigkeiten
auch reich an tierischen Fetten sind (Cremeschnitten, Torten ...),
welche bei einer rein pflanzlichen Ernährung automatisch
wegfallen würden.
| Fettgehalt pro 100 g: | |
| Mayonnaise | 80 g |
| Speck, durchwachsen | 65 g |
| Erdnüsse | 50 g |
| Salami | 42 g |
| Pommes chips | 39 g |
| Milchschokolade | 35 g |
| Schlagrahm | 32 g |
| Käse (60% F.i.Tr.) | 31 g |
| Blätterteig | 28 g |
| Aal | 25 g |
| Cervelat | 25 g |
| Avocado | 24 g |
| Schweinefleisch | 23 g |
| Rahmsauce | 7,0 g |
| Zuckermais | 1,2 g |
| Apfel | 0,6 g |
| Kirschen | 0,4 g |
| Blumenkohl | 0,2 g |
| Tomaten, roh | 0,2 g |
| Banane, roh | 0,2 g |
| Quelle: Globus/Emnid-Institut, BKK zitiert in der Ärzte-Zeitung vom 14.11.2001 |
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Gemäss der Schweizerischen Adipositas-Stiftung sind auch bereits
zwei Millionen Schweizer – gegen 30 Prozent der
Gesamtbevölkerung – mehr oder weniger fettleibig; Tendenz
steigend.
Ein krankhaftes Übergewicht ist nicht nur ein ästhetisches
Problem (vor allem Kinder leiden psychisch unter Hänseleien
ihrer Mitschüler), sondern wirkt sich auch generell auf die
Gesundheit aus. Haltungs- und Bewegungsschäden, Antriebs- und
Lustlosigkeit, Veränderungen im Knochenbau, Kurzatmigkeit,
Bluthochdruck, Gelenkschäden und anderes können
Begleiterscheinungen sein, die aus dieser Krankheit folgen
können. Täglich etwas Sport und gesunde Ernährung
reduzieren die Rate des Typ-2-Diabetes um mehr als 90 Prozent,
schreibt z.B. die Ärzte-Zeitung vom 1. Oktober 2001.
«Nach einer Diabetes-Diagnose sollte erstmal abgespeckt
werden. Jeder neu diagnostizierte übergewichtige Patient mit
Typ-2-Diabetes sollte zuerst zu Diät, Gewichtsabnahme und mehr
Bewegung motiviert werden. Die Chancen, die Stoffwechselerkrankung
allein damit für viele Jahre in den Griff zu bekommen, stehen
sehr gut.»
(Ärzte-Zeitung, 11.4.2002)
Das Übergewicht einer Person wird heute von fast allen
Experten über den so genannten Bodymass-Index (BMI) bestimmt. Er
berechnet sich aus dem Körpergewicht in kg, geteilt durch
Körpergrösse in Metern im Quadrat.
Beispiel: Für 70 kg bei 173 cm rechnet man 70 geteilt durch 1,73 x 1,73 = 23,4 kg/m2.
Ab einem BMI von 27 kg/m2 beziehungsweise einem
Übergewicht von 20% nimmt die Lebenserwartung mit steigendem
Gewicht ab. Das Übergewicht wird zur Krankheit. Dies soll
natürlich, wie alle pauschalen Angaben zu Gesundheit, nur als
Richtwert gelten.
Meist spricht man ab einem BMI über 35 von Adipositas. Das
Normalgewicht liegt bei einem BMI unter 25.
Quellen:
– Ärzte-Zeitung, 19.6.2002: Normalgewichtige sind mittlerweile in Deutschland in
der Minderheit
– Ärzte-Zeitung, 11.4.2002: Nach Diabetes-Diagnose sollte erstmal abgespeckt
werden
– Ärzte-Zeitung, 15.1.2002: 80 Prozent der adipösen Kinder bleiben dick
– Ärzte-Zeitung, 14.11.2001: Mit Sport und Beratung nehmen dicke Kinder ab
– SVV-Schrift Nr. B13: Mit Messer und Gabel gegen Diabetes vorgehen
– www.uebergewicht.ch
– International Journal of Obesity and Related Metabolic
Disorders 1998 May; 22(5): 454-460: Low body mass index in non-meat
eaters: the possible roles of animal fat, dietary fibre and
alcohol.
