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Marc Bekoff: Hoffnung ist die Antwort in dramatischen Situationen

Ich bin ein geduldiger und mitfühlender Aktivist, der bereit ist, sich seine Hände schmutzig zu machen, zu den Leuten zu gehen und ihnen die schrecklichen Sachen zu zeigen, die wir all den Tieren antun. Dies ist die beste Art, anhaltende Änderungen in ihren Herzen und Köpfen zu erreichen (eine wunderbare Diskussionsgrundlage hinsichtlich Aktivismus und seinen zahlreichen Erfolgen ist das Buch von Julia Hill «Die Botschaft der Baumfrau»). Gleichgültigkeit ist tödlich!

Mein Aktivismus konzentriert sich darauf, Menschen zum Nachdenken anzuregen und mich darüber zu informieren, was sie denken, fühlen und warum sie in einer gewissen Weise handeln. Ich bin aber wachsam, mich nicht zu sehr auf Diskussionen mit Leuten gegensätzlicher Meinung einzulassen, denn eine solche Ausweichtaktik leitet Zeit und Energie ab von der eigentlichen proaktiven Kreativität. Uns steht schliesslich nur eine begrenzte Menge Energie für die unterschiedlichen Aktivitäten zur Verfügung. Als bekennender Träumer und Optimist werde ich oft ein Opfer meiner Hoffnungen. Trotzdem ist es mein leidenschaftlicher Traum, dass Änderungen im Verhalten und in den Herzen schliesslich zur Harmonie zwischen Tieren und Menschen führen werden, denn die nicht-menschlichen Tiere werden stets gewissermassen Konkurrenten von Menschen, ihren dominanten Säugetiervettern mit den grossen Gehirnen, bleiben. Zweifellos sind Tiere normalerweise die Verlierer in diesen Auseinandersetzungen, da Menschen fortwährend die Natur zu ihren eigenen egoistischen Zwecken umformen und ausnutzen.
Aktivismus für Tiere hat mir aber auch bei der Entdeckung meiner eigenen Spiritualität geholfen, denn eine solche Betätigung hat ihren Preis: Belästigungen, Einschüchterungen, Demütigungen und ein Frust, der nicht selten unter die Haut geht. Ich habe diese Wirkungen zu spüren bekommen, als ich wegen meiner Fragen zur Wiedereinführung des kanadischen Luchses in Colorado zum Schweigen gebracht werden sollte wie auch wegen meiner Fragen, weshalb Hunde während eines Medizinstudiums getötet werden müssen, damit Studenten über das Leben lernen können. (Ich brach ein solches Studium ab, weil ich keine Katzen oder Hunde als Teil meiner Ausbildung im Namen der Wissenschaft umbringen wollte. Ich wollte keine Tiere töten, um über das Leben zu lernen – und gab deswegen einen lebenslangen Traum auf.) All diese Angriffe veranlassten mich, tief in meinem Inneren nach Erklärungen zu suchen und anderen zu erklären, warum ich etwas tat, mochte es das Organisieren von Protesten zur Rettung von Tieren sein oder die Teilnahme an Kerzenlicht-Wachen und Gebetsstunden für getötete Tiere. Es muss bedacht werden, dass mitfühlende Menschen leicht die Wut kleiner Seelen hervorrufen können.
Eine mich antreibende Perspektive ist, dass meiner Meinung nach jede einzelne Person zählt und eine Veränderung bewirken kann. Wie Margaret Mead schon sagte: «Man sollte nie vergessen, dass eine kleine Gruppe von nachdenklichen, engagierten Bürgern die Welt verändern kann. Tatsächlich ist dies die einzige Sache, die es je tat.» Kreative, proaktive Lösungen, durchdrungen von tiefer Demut, Mitleid, Fürsorge, Respekt und Liebe, sind zu entwickeln zur Bewältigung einer Vielfalt von Problemen, mit denen wir heute konfrontiert werden. Aktivismus entsteht häufig aus derartigen Überlegungen und dem Versuch einer Umsetzung in die Realität. Meine eigene Spiritualität und Hoffnung werden angetrieben durch den Gedanken einer nahtlosen Ganzheit, Holismus, Einheit, deren Motivation in Mitgefühl, Respekt und Liebe liegt. Während meines kurzen Besuches auf diesem erstaunlichen Planeten will ich freudig mein Herz allen Wesen öffnen. Ich bin ein Träumer und sehe vor mir ein vereintes Königreich des Friedens, dessen Basis Respekt ist, Mitgefühl, Vergebung und Liebe. Es ist wesentlich, in dramatischen Situationen die Hoffnung zu behalten. Ein fester Entschluss, aus dieser Welt einen besseren Ort für alle Lebewesen zu machen, und der tiefe Glaube, dass die entschlossene Zusammenarbeit von Menschen den entscheidenden Ausschlag gibt, lässt mich hoffen. Für immer.

Marc Bekoff ist Professor für Biologie an der Universität von Colorado. Autor von 13 Büchern, sein neustes deutschsprachiges Buch «Das unnötige Leiden der Tiere – Tierrechte – was jeder Einzelne tun kann» ist kürzlich im Herder Verlag erschienen.