Antibiotika im Fleisch
Anfang März 2002 machte die Fleischindustrie wieder
ungewollt Werbung für eine fleischfreie Ernährung.
Wie bei
allen früheren Fleischskandalen lief alles nach gewohntem Muster
ab: Zuerst «wusste» niemand etwas darüber. Dann
wurden Beweise veröffentlicht, dass im Ausland (China) grosse
Mengen von Antibiotika eingesetzt werden.
In mehr als der Hälfte der in die Schweiz importierten
Hühner konnten Antibiotikarückstände nachgewiesen
werden. Coop stoppte daraufhin die Einfuhr von chinesischem
Hühnerfleisch. Die Migros behauptete, dass ihr Fleisch dank den
eigenen, guten Qualitätskontrollen nicht betroffen sei. Noch am
selben Tag wurde jedoch von unabhängiger Seite nachgewiesen,
dass auch im Fleisch, das in der Migros verkauft wird,
Antibiotikarückstände vorhanden seien. Daraufhin wurde die
Einfuhr von Fleisch aus China gestoppt.
Die Freude der Schweizer Fleischproduzenten währte jedoch nicht
lange, da wenige Zeit später publik wurde, dass auch in der
Schweiz zu viele Antibiotika eingesetzt werden. Die
Qualitätskontrolle der Migros (SQTS) veröffentlichte, dass
in jedem fünften von ihr getesteten Schlachtkalb
Antibiotikarückstände feststellbar seien. In den letzten
vier Monaten wurden sogar bei den 60 getesteten Wurstkälbern
(Tiere, die kränklich oder mager sind) 62 Prozent mit
Antibiotikarückständen entdeckt. Zwar informierte diese
Stelle schon am 31. Januar 2002 die offiziellen Stellen über
diese deprimierenden Kontrollresultate, jedoch reagierte damals
niemand darauf. Ausserdem beanstandete seit Anfang Jahr das
SQTS-Labor jedes fünfte Schwein wegen
Antibiotikarückständen. Obwohl nur selten Grenzwerte
überschritten werden, ist dies alarmierend. Schliesslich sind
seit 1. Januar 1999 Antibiotika als Leistungsförderer in der
Landwirtschaft verboten. Ebenso wie beim Tierschutz scheinen die
Behörden auch hier kaum Kontrollen zu machen. Laut Bundesamt
für Veterinärwesen werden jährlich weiterhin 39 Tonnen
Antibiotika in der Landwirtschaft eingesetzt.
Bleibt also die Frage: Werden Antibiotika illegal verabreicht oder
werden die so genannten Schlachttiere in den wenigen Monaten ihres
Lebens so schlecht behandelt, dass sie ohne Antibiotika diese kurze
Zeit nicht mehr überstehen würden?
- Sonntags-Zeitung, 3. März 02
- Bundesamt für Veterinärwesen
- Espresso, Radio DRS, 5. März 02
- Kassensturz, Fernsehen DRS 1, 5. März 02
- Der Bund, 28.2.02
