Schön im Pelz?
Die Modebranche jubelt und behauptet, dass nicht nur die Eleganten und Reichen ihr Mitgefühl ab- und die Pelzmäntel wieder anlegen, sondern dass sogar Frau Normalverdiener sich erneut mit Fellen behängen will.

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Ja, das hätten sie wohl gern! Aber sie können noch so
laut im Dunkeln pfeifen oder Marktanteile herbeibeten, eine Tatsache
bleibt trotzdem bestehen: Seit 1987 sinken die Absätze, selbst
wenn sie sich in den letzten Jahren auch vielleicht wieder etwas
stabilisiert haben. Ein momentanes Aufflackern von Interesse,
angeheizt von unter akutem Ideenmangel leidenden Modepäpsten,
ändert nichts an einem Trend, der auch C&A den Verkauf von
Pelzen aufgeben liess mit der Begründung eines
«veränderten Kundenverhaltens und der
Marktentwicklung».
Die Zahl deutscher Kürschnerbetriebe sank seit den 80er Jahren
von 2000 auf 1100, Tendenz weiter fallend. Sogar das amerikanische
Pelz-Magazin «The Trapper and Predator Caller» jammert im
Marktbericht vom September 2001: «In den Verzeichnissen der
Pelzindustrie von 1972 werden noch 797 Fabrikanten von Pelzbekleidung
in den Vereinigten Staaten aufgelistet [...] Zwanzig Jahre
später, also 1992, waren es nur noch 211.» Und weiter:
«Aber auch heute noch nehmen die Zahlen der Kürschner
stetig weiter ab. Während ältere und erfahrene Handwerker
ausscheiden, sind immer weniger junge Leute daran interessiert, die
nötigen Lehrjahre zu investieren zum Erlernen eines Berufes mit
ganz offensichtlich schwindender Attraktivität.» Auch aus
Hongkong liest man in «Industrietrends», dass die Statistik
«eine anhaltende Verringerung der verarbeitenden Industrie»
aufweist. Aber es wird auch festgestellt, dass die
Anti-Pelz-Kampagnen weniger durchschlagen, seit die Fangmethoden und
Aufzuchtverfahren in den Pelzfarmen «humaner» geworden
sind.
Ach so? Man muss also nur die Fangeisen mit etwas Gummi
überziehen und schon ist das Grundproblem gelöst? Und bei
ein paar Kubikzentimetern zusätzlicher Bewegungsfreiheit in den
Käfigen ist es dann auch in Ordnung, Pelztiere nach kurzem und
elendem Vegetieren mit den abenteuerlichsten Methoden umzubringen?
Die Pelz«ernte» bei Zuchttieren sei akzeptabel, so
hört man in Industrie und Werbung: «Dafür sind sie ja
da!»
Jedes Kind weiss heutzutage, wie unendlich viel Blut an Pelzen klebt.
Also muss schon eine extrem ausgeprägte Gier und Eitelkeit jene
treiben, die beim Kauf von bearbeiteten Häuten ihr eigenes
Gewissen totzuschlagen vermögen. Aber abgesehen von der
Überwindung von Skrupeln sind auch noch andere Schwierigkeiten
mit dem Kauf eines solch leidgetränkten Kleidungsstückes
verbunden, für das man so vielen Tieren ihr Fell abziehen
musste: Wo darf man es tragen? Wo kann man es sich leisten zu
demonstrieren, wes Geistes Kind man wirklich ist? Schliesslich ist
diese Art der Bekleidung mehr als jede andere ein Statement, und zwar
für finanzielle Potenz, Macht und rabenschwarze
Rücksichtslosigkeit.
Die Anzahl der jährlich umgebrachten Tiere ist astronomisch,
denn für nur einen Mantel werden viele Felle benötigt
(siehe Kasten Seite 16). Abgesehen von allen damit verbundenen
ethischen Problemen darf auch nicht vergessen werden, dass die
Produktion eines echten Pelzes sehr energieaufwendig ist und dass
Ersatzprodukte nicht nur umweltfreundlicher sind, sondern auch einen
gleichwertigen Kälteschutz bieten.
Da die grimmigen Einzelheiten des Fellhandels mittlerweile
ausreichend bekannt sind, reagieren immer mehr Menschen entweder
durch schlichte Kauf-Abstinenz oder durch aktiven Protest, zum
Beispiel auch viele Lieblinge der Medien. Ganz besonders hervorgetan
hat sich in diesem Zusammenhang Stella, Tochter von Paul McCartney
und nach allgemeiner Beurteilung sehr begabte Modeschöpferin,
die bei ihrer Arbeit nicht nur die Verwendung von Leder oder Pelz
verweigert, sondern die Mode-VIPs ausserdem noch mit Filmaufnahmen
gequälter Pelztiere irritiert. Mit solchen lästigen Details
möchte man im Imperium der Schönen und Schicken nicht
konfrontiert werden! Die Gestrigen reagieren mit hilflosem Gekeife,
wie z.B. der ergraute Modezar Karl Lagerfeld vor der englischen
Presse, die aber zum Pelz-Thema auch noch anderes Erstaunliches zu
berichten weiss. So meldete die «Sunday Times», dass die
Londoner Hoflieferanten Gieves and Hawkes Felljacken verkaufen,
für deren Herstellung jeweils hundert Hamstern das Fell
abgerissen werden muss. Auf Hochglanzwerbung heizt die Firma zum Kauf
an: «Eine Hamster-Jacke und ein langer Kaschmir-Mantel mit
Chinchilla unterstreichen die Rückkehr zur Dekadenz.»
Wie hellsichtig! Im Duden steht unter «Dekadenz»:
kultureller Verfall, Niedergang. Dieser Niedergang der Pelzwirtschaft
wird weitergehen, denn die Verbraucher besitzen die Macht zur
Marktformung und werden sie auch nutzen. Diese Tatsache wird auch
bestätigt durch die Klage des «Economic Framework Wildlife
Sector Canada» im Internet: «Aktivitäten und
Produktion im Sektor der Pelzernte haben immer fluktuiert. In den
vergangenen Jahren waren Erträge und Einkommen verringert. Dies
liegt teilweise an niedrigeren Pelzpreisen, aber auch andere Faktoren
spielen eine Rolle [...] wie die Anstrengungen der Anti-Pelz-Lobby
...»
Es ist ganz sicher, dass irgendwann der Tag kommen wird, an dem Pelze
ausschliesslich von denen getragen werden, für die sie die
Evolution so sorgsam entworfen hat. Und dann ist dieser Tag wirklich
wunderschön!
Bei der Ausbildung von amerikanischen Trappern wird empfohlen:
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Herma Brockmann
Quellen: WAN, Schwäbische Donau-Zeitung, PETA, tdctrade, The Sunday Times
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