Tierrechtler verstarb im Hungerstreik
Einer der bekanntesten Tierrechtler Englands, Barry Horne (49-jähriger Familienvater), verstarb am 5. November während seines Hungerstreiks für die Tiere. 1998 wurde er wegen Sachbeschädigung an Tierversuchsfirmen zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gab jedoch nie auf und kämpfte auch aus dem Gefängnis bis zuletzt für die Tiere. Ausserhalb der Tierrechtsbewegung wurde er erstmals bekannt, als er im Januar/Februar 1997 mit einem Hungerstreik auf die Qual der Versuchstiere aufmerksam machte.
Dadurch erreichte er unter anderem auch, dass sich die
Tierrechtsszene in England vermehrt gegen grössere Firmen
wandte, welche nach wie vor Tierversuche vornehmen. Als die Thematik
der Tierversuche in das Bewusstsein der Öffentlichkeit drang und
die Labour-Partei in einer Werbeschrift (vor ihrer Wahl) versprach,
sich gegen die Tierversuche einzusetzen, brach Barry Horne nach 35
Tagen seinen Hungerstreik ab. Durch den grossen öffentlichen
Druck und die Versprechen der Politiker glaubte Barry, sein Ziel
erreicht zu haben, dass in dieser Sache endlich etwas unternommen
werde. Leider wurde er enttäuscht und fühlte sich von den
Politikern verraten. Die Labour-Partei setzte keines ihrer
Wahlversprechen nach ihrer Machtübernahme um. Dies
verhärtete die Fronten zwischen den Tierrechtlern und den
Machthabern noch mehr.
Ende August 1997 setzte Barry Horne erneut auf den Hungerstreik und
brach ihn erst nach 46 Tagen ab, als die Regierung sich für
Verhandlungen bereit zeigte. Später stellte sich heraus, dass
dies eine weitere Lüge der Regierung war: Am selben Tag, als die
«Verhandlungen» aufgenommen wurden, gab die Regierung dem
grössten Tierversuchsunternehmen Englands, Huntingdon Life
Sciences (HLS), wieder die Erlaubnis, weitere Versuche
durchzuführen. Dies obwohl kurz davor der Firma diese Erlaubnis
entzogen wurde, weil Mitarbeiter der Firma Beagle-Welpen auf
kriminelle Art quälten.
Barry Horne im Sommer 1997 nach seinem ersten Hungerstreik. Veröffentlicht im Newsletter von Vegan Prisoner Supporters Group: «Ja, ich war im Hungerstreik, aber nicht ich habe den Hungerstreik gewonnen und ich habe auch nicht all die positiven Dinge erreicht, die daraus entstanden sind. Das war die Bewegung, nicht ich. Die Bewegung war ausreichend stark, um für die Tiere mobil zu machen und das zu tun, was getan werden musste. Die Bewegung, das sind einfach nur Menschen, Menschen wie du und ich, wir alle. Wir sind die Bewegung und jeder von uns ist sehr wichtig. Ohne jeden Einzelnen von uns wird die Bewegung schwächer und ärmer. Ohne uns alle hört sie auf zu existieren. Wer wird sich dann für die Tiere einsetzen? Wir können die Tiere befreien, die Welt ändern und Frieden und Gerechtigkeit für alle schaffen.» |
Barry Horne liess der Regierung dennoch mehrere Monate Zeit, um
ihren Versprechen Taten folgen zu lassen. Doch in den folgenden
Monaten kümmerte sich niemand mehr um die Tierversuche. Die
Anzahl Tiere, welche für solche Versuche missbraucht wurden,
stieg im Jahr 1998 sogar weiter an!
Dies veranlasste Barry im Oktober zum dritten und längsten
Hungerstreik, bei dem er bereits zu Beginn darauf aufmerksam machte,
dass er bereit sei, für die Tiere zu sterben. Zuerst wurde diese
Aussage kaum wahrgenommen, als er aber physisch immer schwächer
wurde, änderte sich die Situation: Internationaler Protest
formierte sich. Vor den Häusern aller wichtigen Kabinettminister
wurde demonstriert (auch vor dem Haus von Tony Blair). Tiere wurden
aus Labors befreit.
Vier Tage vor dem Ende seines längsten Hungerstreiks war er auch
mental sehr geschwächt. Am 68. Tag willigte er in einen
Vorschlag der Regierung ein. Er hatte nicht mehr die nötige
Kraft und Konzentrationsfähigkeit für komplexe
Verhandlungen. Von diesem Hungerstreik hat er sich dann auch physisch
nie mehr richtig erholt. Er war fast taub und seine Sehkraft besserte
sich auch nicht mehr. Doch sein Wille war ungebrochen!
Am 21. Oktober 2001 begann er seinen allerletzten Hungerstreik, der
am 5. November für ihn tödlich endete. Er hatte sich zum
Ziel gesetzt, nicht aufzugeben, bis die englische Regierung ihr
Wahlversprechen wahr machen würde, oder andernfalls den vielen
in Versuchslabors getöteten Tieren zu folgen. Sein Grundsatz war
es, weder Menschen noch Tiere direkt zu schädigen; ansonsten war
er aber bereit, für die Befreiung der Tiere bis zum
Äussersten zu gehen. Obwohl heute sicher die meisten Menschen
einen Vergleich mit den Sklavenbefreiern noch strikte ablehnen,
bleibt zu hoffen, dass künftige Generationen den wahren Wert
jeden Lebens besser zu schätzen wissen.
Weshalb wurde Barry Horne zu 18 Jahren Gefängnis
verurteilt?
Dazu muss man etwas ausholen: In den 80er Jahren gab es eine
Tierrechtskampagne gegen die Pharmafirma «Boots». Diese
Aktionen wurden beendet, als die Firma es fertig brachte, alle davon
zu überzeugen, dass sie eine tierfreundliche Firma sei. Diese
Lüge wurde Anfang der 90er Jahre durch eine Aktion der ALF
(Animal Liberation Front) aufgedeckt, als deren Aktivisten Tiere aus
Versuchslabors der Firma befreiten und die Vorgänge in der Firma
öffentlich machten. Damit war die Firma wieder im Rampenlicht
der englischen Tierbefreier, welche verständlicherweise
empört über die Lügen der Firmenleitung waren. Alle
Tierrechtsorganisationen führten Aktionen gegen diese Firma
durch.
Barry Horne starb, um solches Leid zu verhindern. |
Diese reichten vom Boykottaufruf bis zur Wirtschaftssabotage. Die
Polizei ging daraufhin immer härter gegen die Tierrechtler vor.
Dann gab es eine Serie von Anschlägen, bei denen mehrere
Gebäude dieser Firma in Flammen aufgingen. Der durchschnittliche
Schaden belief sich auf rund eine Million Pfund pro Anschlag. Immer
wurde jedoch darauf geachtet, dass weder Personen noch Tiere dabei zu
Schaden kamen. Der Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen wurde
erreicht, als auf der Isle of Wight mehrere Anschläge parallel
verübt wurden, wodurch die Feuerwehr mit dem Löschen
überfordert war. Der Schaden belief sich deshalb auf rund 3
Millionen Pfund.
Mitte der 90er Jahre wurde Barry Horne verhaftet, als er in einem
Geschäft, welches auch für Tierausbeutung verantwortlich
gemacht wird, eine Brandvorrichtung anbringen wollte. Da die Polizei
bei der Suche nach den Brandstiftern von der Isle of Wight nicht
recht vorwärts kam (trotz 50 Verhaftungen), wurde Barry Horne
sofort auch für die dortigen Brandstiftungen als
Alleintäter verantwortlich gemacht. Er stritt dies vor Gericht
ab und bekannte sich nur schuldig, in Bristol Anschläge
verübt zu haben. Dennoch wurde er für alle Anschläge
als Alleintäter schuldig gesprochen und zu 18 Jahren Haft
verurteilt. In den Medien wurde er daraufhin als Fanatiker und
Menschenhasser diffamiert.
Die SVV wird auch weiterhin mit friedlichen Mitteln für die
Tiere kämpfen, doch hat eine Gesellschaft das Recht,
mitfühlende Personen zu verurteilen, weil sie dem Wahnsinn, den
die Tiere millionenfach tagtäglich in den Versuchslabors
erleiden müssen, nicht mehr einfach tatenlos zusehen
können? In der heutigen Gesellschaft ist man sich einig, dass
Sachbeschädigung zur Rettung von menschlichem Leben nicht nur
erlaubt, sondern sogar geboten ist. Wäre es demzufolge nicht
auch akzeptabel, für das Leben von Tieren Sachschäden in
Kauf zu nehmen?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung! Wir werden in einem der nächsten
Hefte näher auf diese Problematik eingehen.
Adresse: Vegi-Büro, Leserbrief: Barry Horne, CH-9315
Neukirch-Egnach
