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Und wo bleibt die Ethik?
Das aktuelle Phänomen des egoistisch begründeten Fleischverzichts

Aufgeschreckt durch BSE und Antibiotika-Skandal erleben die Buchhändler einen Ansturm auf vegetarische Kochbücher. Weshalb konnte man einen solchen nicht verzeichnen, als die ersten Bilder über qualvolle Tiertransporte quer durch Europa überall Empörung hervorriefen und der Schrei nach Änderung überall zu hören war? Weshalb sind die Menschen über Bilder aus einem Schlachthof entsetzt, konsumieren aber weiterhin Fleisch?

Leider gibt es dafür nur eine vernünftige Erklärung: BSE und Antibiotika-Missbrauch bei der Tierzucht können über das konsumierte Fleisch dieser Tiere auch für den Menschen gefährlich werden.
Die nur durch Verdrängung bewältigbaren Situationen bei den Tiertransporten und in den Schlachthöfen (seien sie auch noch so qualvoll für die Tiere) bilden keine unmittelbare Gefahr für den Konsumenten des Fleisches.
Niemand braucht zu befürchten, dass ihm etwas geschieht, wenn er nichts gegen die Tiertransporte oder die Schlachtungen unternimmt. Im Gegenteil: Das Auflehnen gegen gesellschaftlich akzeptierte (allerdings verdrängte) Massenschlachtungen braucht viel Energie und kann zu einem Imageverlust in gewissen Gesellschaftsschichten führen. Insbesondere wenn man das Problem «zu radikal» (also an der Wurzel) anpacken will.

Moralische Bedenken gegen Kalbsbraten?
Von seiten der Erzieher nicht.
Von seiten der Jurisprudenz nicht.
Von seiten der Moraltheologie nicht.
Von tausend anderen moralischen Seiten nicht.
Von der des Kalbes vielleicht?
Dr. phil. Karlheinz Deschner


Wenn man das ganze Verhalten der Menschen also auf den Punkt bringt, bleibt eigentlich nur noch ein Wort übrig: Egoismus. Denn für das eigene Ego ist es am besten, wenn man alle Qualen, die man den sogenannten Schlachttieren während ihres kurzen Lebens zufügt ignoriert, solange man nicht selbst davon in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Mitleid hat bei diesen Personen ganz klare Grenzen. Es reicht kaum über die eigene Artgrenze (Mensch) hinaus. Einzige Ausnahmen sind die eigenen Haustiere, wie Hunde oder Katzen, zu denen man eine individuelle Beziehung aufgebaut hat.
Wenn man aber daraus folgert, dass solche Menschen geborene Sadisten sind, die sich am Leid anderer Wesen erfreuen, macht man es sich sicher zu einfach. Wie lässt sich aber sonst ein solches Verhalten erklären?
Viele leben nach dem Motto «dass nicht sein kann, was nicht sein darf». Dies erleichtert die Verdrängung von eigentlich unerwünschten Dingen enorm. Wenn man z.B. einen Film von Manfred Karremann über die qualvollen Tiertransporte ansieht, ist der erste Gedanke: «Der Film zeigt einen extremen Einzelfall. So was kommt heute sicher nicht mehr vor.» Oder: «Nun ist es endlich an die Öffentlichkeit gebracht worden, jetzt müssen die Politiker reagieren» (die Politikerkommentare in den Medien bekräftigen dieses Wunschdenken meist noch). Damit wird das Thema abgeschlossen. Wenn später noch jemand dieses Thema ansprechen möchte, wird er zurück gewiesen, weil man mit diesen Machenschaften nichts mehr zu tun haben möchte und sowieso der Ansicht ist, das sei alles längst Vergangenheit. Nur diejenigen, die sich intensiv mit der Sache auseinandersetzen, müssen feststellen, dass z.B. der erste Tiertransportfilm, der vor allem (aber nicht nur) ganz Deutschland erschütterte und die Politiker zu leeren Versprechungen bewog, bereits 1991 gesendet wurde. Der zweite kam 1996. Und trotz all den Versprechungen hat sich bis heute nichts geändert, ja sogar die EU-Subventionen für diese Transporte gibt es weiterhin. Sich solche Dinge bewusst zu machen braucht viel Kraft, die nicht alle aufbringen können oder wollen. Die Verdrängung oder «Das kann doch nicht sein»-Strategie hilft dabei gerade sensiblen Menschen, damit fertig zu werden.
Dass man sich nicht tagtäglich mit diesen Themen befassen möchte ist durchaus nachvollziehbar, wenn man alles aber so weit verdrängt, dass es die eigenen Handlungen nicht mehr beeinflussen kann, ist dies der Untergang jeglichen ethischen Verhaltens und hat all die Folgen, die man heute in der Fleischwirtschaft überdeutlich erkennen kann.

Renato Pichler