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Editorial zu Vegi-Info 2/2001

Ethik als Handlungsgrundlage?

Liebe Leserin, lieber Leser

Die gesundheitlichen Probleme bei Mensch und Tier durch die vom Fleischkonsum bedingte Massenfleischproduktion, welche verschiedenste Skandale hervorbrachte (BSE, Maul- und Klauenseuche, Antibiotika in der Schweinemast, Dioxin bei Hühnern und Fischen), werden immer deutlicher. Die Kette der Enthüllungen aus der Fleischindustrie bricht jedoch nicht ab: Ein weiterer Skandal aus der Fleischindustrie wurde nun bekannt: In Österreich wurde von Tierschützern gefilmt, dass in den Schlachthöfen die Rinder oft nicht richtig betäubt und dadurch bei vollem Bewusstsein zerstückelt werden. Weshalb wurden im Gegensatz zu den BSE-Bildern nicht in allen Medien diese Bilder der am Fliessband aufgehängten, schreienden Rinder gesendet?
Kaum ein Spielfilm ist heute zu brutal, als dass er nicht den Zuschauern zugemutet wird, doch bei der Realität finden die Verantwortlichen plötzlich, dass dies zu weit gehe. Offenbar ist der Druck der Fleischindustrie auch in Österreich stärker als die angeblich freien Medien.
Weshalb stossen diese Filmaufnahmen nicht auf ein solch grosses Interesse wie z.B. die Verbrennung von MKS-Rindern auf den Scheiterhaufen oder die BSE-Fälle? Leider liegt die Antwort auf der Hand: Man glaubt, dass das (gesetzwidrige!) Töten der Rinder bei vollem Bewusstsein «nur» ein ethisches Problem ist, von dem nur die Tiere betroffen sind. Vermutlich bedarf es also zuerst einer Informationskampagne, dass das Fleisch, das von solch qualvoll getöteten Tieren stammt, auch für den Menschen Nachteile bringt (Studien dazu gibt es bereits, doch sind diese offenbar noch zu wenig bekannt). Erst dann werden sich die Journalisten für das Thema interessieren.
Ethik scheint nach wie vor kein genügender Grund zu sein, seine eigenen Handlungen zu überdenken.
Immerhin bleibt momentan noch die Hoffnung, dass die Angst vor gesundheitlichen Problemen durch den Fleischkonsum noch weiterhin so gross bleibt, dass die Nahrungsmittelindustrie darauf auch längerfristig reagieren muss. Ein erster Aufbruch ist in der Schweiz bereits zu verzeichnen: Die Anfragen von Restaurants für das Vegetarismus-Label nahmen in den letzten Monaten stark zu. Einerseits ist jetzt die Zeit für eine Umstellung der Küche ideal, andererseits haben sicher auch die vermehrten Nachfragen der Gäste dazu geführt. Bei der Nahrungsmittelbranche ist es allerdings noch nicht so weit, die Konsumenten scheinen noch zu wenig häufig nach kontrollierten, gut deklarierten, vegetarischen Produkten zu fragen. Falls Sie also bei Ihren künftigen Einkäufen im Lebensmittelgeschäft vermehrt vegetarische Produkte erhalten möchten und diese auch vertrauenswürdig deklariert sein sollen, teilen Sie dies Ihrem Geschäft (vor Ort oder noch besser per Post) mit. Ein möglicher Umsatzverlust bewirkt bei der Nahrungsmittelindustrie ebensoviel wie die Angst der Fleischesser vor einer Krankheit.
Solange die Mehrheit der Menschen und Firmen ihre Handlungen nicht nach ethischen Gesichtspunkten ausrichtet und jedes Mitgefühl mit unseren Mitgeschöpfen als etwas Lächerliches ansieht, müssen wir ein Minimum an ethischem Handeln offenbar über Umwege (Angst vor Krankheit bzw. Umsatzeinbruch) einfordern.

Renato Pichler