Verseuchte Meerestiere
Wer daran denkt, wegen nicht aufhörender Fleisch-Skandale nun mehr Fisch zu essen, sollte sich besser über die möglichen Konsequenzen einer solchen Ernährungsumstellung genau informieren.
Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) rät schwangeren
Frauen und solchen, die eine Schwangerschaft planen, im Interesse des
ungeborenen Lebens vom Verzehr bestimmter Fischarten ab,
nämlich: Hai, Schwertfisch, Königsmakrelen und Tilefish
(auch Blanquillo genannt, wird vor der nordamerikanischen Küste
gefangen). Es wird angeführt, dass die im Fleisch dieser Tiere
enthaltene hohe Quecksilberbelastung ausreichen kann, das zentrale
Nervensystem von Neugeborenen nachhaltig zu schädigen. Kritiker
behaupten sogar, dass schon jetzt 60.000 Kinder pro Jahr davon
betroffen sind.
Da aber auch in anderen Fischen Quecksilber entdeckt wurde, empfiehlt
man Schwangeren generell, nicht mehr als ungefähr 350 Gramm
Fisch pro Woche zu essen, und zwar verschiedene Arten; dieser Hinweis
gilt vorsichtshalber auch für stillende Mütter und kleine
Kinder.
Amerikanische Verbraucherorganisationen hatten das FDA schon seit
Anfang der 90er Jahre zu entsprechenden Warnungen aufgefordert und
begrüssen nun diesen Schritt, den sie als wichtig im Interesse
der allgemeinen Gesundheit bewerten. Man ist allerdings
überrascht, dass Thunfisch nicht auf der Liste steht (in einigen
amerikanischen Staaten werden Schwangere aufgefordert, den Verzehr
von Thunfisch aus Dosen auf ca. 200 Gramm wöchentlich zu
beschränken).
Wenn auch nach geltenden FDA-Richtwerten die Quecksilberbelastungen
bei Thunfisch in Dosen und vor allem frischem Thunfisch niedriger
liegen als bei den anderen vier genannten Arten, so kommen nun doch
die Kriterien der FDA selbst unter Beschuss. Ein umfassender Bericht
vom letzten Sommer empfiehlt daher, dass diese Regierungsstelle den
viel enger ausgelegten Sicherheitsstandards der amerikanischen
Environmental Protection Agency folgen solle, durch die dann auch
Thunfisch zu den mit Vorsicht zu geniessenden Fischsorten
gehören würde.
Aber nicht nur in Amerika wird gewarnt, denn mittlerweile hat auch
eine Gruppe von internationalen Experten Dioxin-Warnungen
herausgegeben: Von der norwegischen Naturschutzorganisation
«Naturvernforbundet» (der norwegischen Gesellschaft
für Naturschutz, eine Schwesterorganisation von Global 2000)
wurde kürzlich nach einem Vergleich mehrerer Studien aus Kanada,
Schweden, Norwegen und Schottland der Schluss gezogen, dass Lachse
und Krabben weit überhöhte Konzentrationen an Dioxinen
enthalten – zu denen auch die gefährlichen PCBs
(Polychlorierten Biphenyle) zählen. Der
«Naturvernforbundet» empfiehlt daher, Lachs
höchstens einmal in der Woche, Krabben nur einige Male im Jahr
zu essen! Nach den von der Weltgesundheitsorganisation WHO
zugelassenen Toleranzwerten reichen nämlich schon 250 Gramm
Lachs wöchentlich und nur eine Krabbenmahlzeit pro Jahr zum
Erreichen der empfohlenen Rückstands-Höchstgrenzen aus.
Im übrigen darf nicht vergessen werden, dass die Aufzucht von
Lachsen der Intensivhaltung von Schlachtvieh durchaus ähnlich
ist: In norwegischen Fjorden zum Beispiel leben die Fische in rund
hundert Meter langen und drei Meter tiefen Drahtkäfigen, in
denen sie sich wegen der Enge kaum bewegen können.
Verkrüppelte Rücken- und Schwanzflossen sind die Folge wie
auch geschwächte Abwehrkräfte, weshalb die Tiere von vielen
Züchtern Antibiotika erhalten. Ausserdem wird das Futter mit
einem Stoff angereichert, der das Fleisch in das berühmte
Lachsrosa färbt. Getötet werden Lachse durch Schläge
auf den Kopf. Falls sie jedoch bei der Akkordarbeit nicht richtig
getroffen werden, erfolgt die Häutung bei vollem
Bewusstsein.
Herma Brockmann
(nach Meldungen von «Die Welt», AP und «Der Standard»)
Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass Seefische
überhöhte Quecksilberkonzentrationen aufweisen können.
Das deutsche Bundesinstitut für den gesundheitlichen
Verbraucherschutz hat deshalb bereits im Mai 1999 eine detaillierte
Empfehlung veröffentlicht und schwangeren Frauen vom Verzehr
bestimmter Fischarten abgeraten. Dazu gehören unter anderem alle
Haifischarten, Tunfisch, Aal, Schwertfisch und Barsch.
Bild der Wissenschaft online vom 22.5.2001
Weitere Informationen:
- Ist Fischkonsum (wegen den Omega-3-Fettsäuren) gesund?, Vegi-Info 2007/2
- Fischzucht als Rettungsanker für Fleischesser?, Vegi-Info 2001/1
[Vegi-Info 2001/1 Inhaltsverzeichnis]
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
