Die Sucht nach Fett / Kalorien / Fleisch
Immer mehr Gründe sprechen für eine fettarme, vegetarische Ernährung. Gerade die neusten Fleischskandale machen aber auch deutlich, dass es noch immer viele Menschen gibt, die offenbar am Fleisch hängen wie ein Süchtiger an seiner Droge. Dass dieser Vergleich sogar medizinisch begründbar ist, zeigen neuste Forschungsergebnisse aus den USA.
Am 19. Februar 2001 wurde am weltgrössten,
fachübergreifenden Wissenschaftskongress in San Francisco eine
Erklärung vorgestellt, weshalb viele Leute nur sehr schwer vom
fetten Essen loskommen: Es handle sich dabei um einen wahren
Teufelskreis aus fettigem Essen und Gewichtsproblemen. Die
US-Forscher warnten, dass mit jedem Hamburger, Schweinebraten oder
fetthaltigem Käse das Verlangen nach noch mehr wachse.
Verantwortlich dafür seien die Triglyzeride, eine Gruppe von
Blutfetten. Sie aktivieren entsprechende Gene im Gehirn, genauer: im
Hypothalamus. Diese Gene kurbeln den Heisshunger erst richtig an,
berichtete Sarah Leibowitz von der Rockefeller Universität (New
York), welche sich schon seit längerem mit diesem Thema
beschäftigt, und erläuterte, dass diese Triglyzeride den
Heisshunger erst richtig ankurbeln und ausserdem dafür sorgen,
dass die fettreiche Ernährung zu Fettpölsterchen
führt.
Leibowitz geht davon aus, dass schon eine einzige schwere Mahlzeit
ausreiche, um die Triglyzeride zu aktivieren und den Teufelskreis von
Verlangen nach mehr und Anlage von Fettreserven in Gang zu setzen.
Generell trete dieser Mechanismus in Kraft, wenn der Fettanteil in
der Ernährung eines Menschen über 30 Prozent
hinausschiesst. Abgesehen von Nüssen und pflanzlichen Ölen
(welche man sowieso nicht pur und in grossen Mengen konsumieren
sollte), erreicht man einen solch hohen Fettgehalt praktisch nur
durch den Konsum von tierischen Produkten. Dadurch erklärt sich
das grosse Verlangen von manchen übergewichtigen Menschen nach
genau denjenigen Nahrungsmitteln, die sie noch kränker machen.
Eine Erklärung für dieses anscheinende Fehlverhalten des
Körpers gaben am Kongress Joel Elmquist und Beth Israel vom
Diakonissen-Krankenhaus in Boston: «Der menschliche Körper
ist dafür ausgelegt, dass er so viel Energie speichert wie
möglich.» Die ständige Verfügbarkeit von Nahrung
in den Industrienationen sei evolutionär gesehen noch zu jung,
um schon eine Korrektur am Design des Menschen zu erwarten. Deshalb
ist das vielfältige und preiswerte Angebot von fettreichen
Lebensmitteln sowie zuckerhaltigen Getränken für den
Menschen schlicht ein Problem, sagte Elmquist.
Vor Jahrhunderten, als der frühe Mensch seine Nahrung noch
mühsam beschaffen musste, erleichterte dieser Prozess noch das
Überleben, sagte Leibowitz. Heute aber bewirkt er das Gegenteil.
Er fördert die Fettleibigkeit, behindert den Umstieg auf die
gesündere, vegetarische Ernährung und macht auf Dauer
krank.
Weitere Informationen:
- Sind Sie süchtig?, Vegi-Info 2010/1
- Liu Z., Chang G.Q., Leibowitz S.F.: Diacylglycerol Kinase zeta in Hypothalamus Interacts with Long Form Leptin Receptor. Relation to dietary fat and body weight regulation. Journal of Biological Chemistry, 2001 Feb. 23; 276(8):5900-5907.
- Bild der Wissenschaft On-Line vom 21.2.2001.
