Fischzucht als Rettungsanker für Fleischesser?
Nachdem nun alle sogenannten Schlachttiere in Verruf geraten sind (BSE bei Rindern, Antibiotika und Psychopharmaka bei Schweinen, Salmonellen bei Hühnern) und sogar vor dem Fischkonsum wegen der Schwermetallbelastung gewarnt wird, versuchen manche die Lösung in Fischzuchten zu finden. Abgesehen von der Ethik: Ist dies eine unproblematische Lösung?
| Landbedarf zur Produktion eines kg (inkl. Futtermittel) von: | |
| Rind mit Kraftfutter |
323 m2
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| Rind von der Weide |
269 m2
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| Fisch |
207 m2
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| Schwein |
55 m2
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| Masthühner |
53 m2
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| Eier |
44 m2
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| Reis |
17 m2
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| Teigwaren |
17 m2
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| Brot |
16 m2
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| Gemüse/Kartoffeln |
6 m2
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Quelle: WWF
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Auch die Fischzucht kann die Naturgesetze nicht aufheben: Wann immer der Mensch die Nahrungskette unnötig über ein Tier verlängert anstatt selbst die pflanzliche Nahrung zu konsumieren, entstehen ökologisch sehr problematische Begleiterscheinungen. Die Fischzucht ist da keine Ausnahme. Auch die Nachteile der Massentierhaltung kann man nicht beseitigen, indem man diese ins Wasser verlegt. Wir müssen grundsätzlich davon wegkommen.
Fischzucht fördert die Überfischung der Meere
Auf den ersten Blick mag dies absurd erscheinen. Dennoch ist dies
ein grosses Problem der Fischzucht: Die Fischzucht verschlingt mehr
Fisch als sie produziert!
Eine amerikanische Studie zeigt, dass besonders in Norwegen und
England grosse Mengen an freilebenden Fischen gefangen und
beispielsweise an Zuchtlachse verfüttert werden. Das berichten
amerikanische Wissenschafter am Kongress der «American
Association for the Advancement of Science» (AAAS) in San
Francisco. Durchschnittlich werden etwa zwei Kilogramm freilebender
Fisch verfüttert, um ein Kilogramm Zuchtfisch aufzuziehen,
schätzt Rosamond Naylor vom Stanford University Institute for
International Studies. So tragen Fischzuchten – jeder vierte
Fisch auf unserem Teller ist gezüchtet – wesentlich zur
globalen Überfischung der Weltmeere bei. Bei Fischen, die sich
vegetarisch ernähren lassen, ist dieses Problem weniger
ausgeprägt, allerdings ist auch dort die Menge der Fische wegen
ihrer Abwässer ein Problem. In Norwegen erzeugen die Lachsfarmen
bereits etwa gleichviel verschmutztes Abwasser wie die 4 Millionen
Einwohner des Landes.
Auch Zuchtfische sind schadstoffbelastet
Daniel Pauly von der University of British Columbia und Mitautor der Studie stellt auch die Qualität der Zuchtfische in Frage. Werden die Zuchtfische mit freilebenden Fischen gefüttert, konzentrieren sich Schadstoffe in ihnen. Dadurch werden die Zuchtfische ebenso stark mit Quecksilber und anderen Giften belastet wie die frei lebenden Tiere. Am deutlichsten sieht man die Folgen bei den Inuit: Gemäss einem Artikel im New Scientist haben die Inuit der Arktis einen doppelt so hohen Dioxinwert in ihrem Blut wie die übrige kanadische Bevölkerung.
Ein weltweites Problem
Schon 1990 wurden 13 Millionen Tonnen Fische
«produziert». Seither stieg die «Produktion»
jedoch stetig an. 1998 war man bereits bei 31 Millionen Tonnen
angelangt (Fischfang freilebender Tiere nicht mitgerechnet). Wenn
dieser Trend so weitergeht, wird die Fischzucht bis zum Ende dieses
Jahrzehnts die Viehzucht überholt haben.
Als einzige Hoffnung bleibt, dass man endlich die pflanzlichen
Ressourcen der Gewässer vermehrt zu schätzen weiss (siehe
dazu den Artikel über Algen in diesem Heft).
Renato Pichler
Weitere Informationen:
- Mathias Knaak: Fischzucht fördert Überfischung der Weltmeere, Bild der Wissenschaft online, 22.2.2001.
- Mitteilung vom Worldwatch Institut in Washington vom 3. Oktober 2000: Fish Farming May Soon – Overtake Cattle Ranching as a Food Source (Issue Alert No 9).
- Anne Platt McGinn: Blue Revolution: The Promises and Pitfalls of Fish Farming, World Watch, März/April 1998.
- Puls-Tipp, November 2000: Arktis: US-Industrie vergiftet Natur.
- Vegi-Info 1998/3: Fische – das verschwiegene Leiden
- Fleisch und Fisch sind mit Umweltgiften belastet
[Vegi-Info 2001/1 Inhaltsverzeichnis]
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
