Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen

Die SVV heisst seit 2014: Swissveg

Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Seite veraltet!
Diese Seite wird nicht mehr aktualisiert! Unsere aktuellen Infos finden Sie auf unserer neuen Homepage: Swissveg.


Fischzucht als Rettungsanker für Fleischesser?

Nachdem nun alle sogenannten Schlachttiere in Verruf geraten sind (BSE bei Rindern, Antibiotika und Psychopharmaka bei Schweinen, Salmonellen bei Hühnern) und sogar vor dem Fischkonsum wegen der Schwermetallbelastung gewarnt wird, versuchen manche die Lösung in Fischzuchten zu finden. Abgesehen von der Ethik: Ist dies eine unproblematische Lösung?

Landbedarf zur Produktion eines kg (inkl. Futtermittel) von:
Rind mit Kraftfutter
323 m2
Rind von der Weide
269 m2
Fisch
207 m2
Schwein
55 m2
Masthühner
53 m2
Eier
44 m2
Reis
17 m2
Teigwaren
17 m2
Brot
16 m2
Gemüse/Kartoffeln
6 m2
Quelle: WWF

Auch die Fischzucht kann die Naturgesetze nicht aufheben: Wann immer der Mensch die Nahrungskette unnötig über ein Tier verlängert anstatt selbst die pflanzliche Nahrung zu konsumieren, entstehen ökologisch sehr problematische Begleiterscheinungen. Die Fischzucht ist da keine Ausnahme. Auch die Nachteile der Massentierhaltung kann man nicht beseitigen, indem man diese ins Wasser verlegt. Wir müssen grundsätzlich davon wegkommen.

Fischzucht fördert die Überfischung der Meere

Auf den ersten Blick mag dies absurd erscheinen. Dennoch ist dies ein grosses Problem der Fischzucht: Die Fischzucht verschlingt mehr Fisch als sie produziert!
Eine amerikanische Studie zeigt, dass besonders in Norwegen und England grosse Mengen an freilebenden Fischen gefangen und beispielsweise an Zuchtlachse verfüttert werden. Das berichten amerikanische Wissenschafter am Kongress der «American Association for the Advancement of Science» (AAAS) in San Francisco. Durchschnittlich werden etwa zwei Kilogramm freilebender Fisch verfüttert, um ein Kilogramm Zuchtfisch aufzuziehen, schätzt Rosamond Naylor vom Stanford University Institute for International Studies. So tragen Fischzuchten – jeder vierte Fisch auf unserem Teller ist gezüchtet – wesentlich zur globalen Überfischung der Weltmeere bei. Bei Fischen, die sich vegetarisch ernähren lassen, ist dieses Problem weniger ausgeprägt, allerdings ist auch dort die Menge der Fische wegen ihrer Abwässer ein Problem. In Norwegen erzeugen die Lachsfarmen bereits etwa gleichviel verschmutztes Abwasser wie die 4 Millionen Einwohner des Landes.

Auch Zuchtfische sind schadstoffbelastet

Daniel Pauly von der University of British Columbia und Mitautor der Studie stellt auch die Qualität der Zuchtfische in Frage. Werden die Zuchtfische mit freilebenden Fischen gefüttert, konzentrieren sich Schadstoffe in ihnen. Dadurch werden die Zuchtfische ebenso stark mit Quecksilber und anderen Giften belastet wie die frei lebenden Tiere. Am deutlichsten sieht man die Folgen bei den Inuit: Gemäss einem Artikel im New Scientist haben die Inuit der Arktis einen doppelt so hohen Dioxinwert in ihrem Blut wie die übrige kanadische Bevölkerung.

Ein weltweites Problem

Schon 1990 wurden 13 Millionen Tonnen Fische «produziert». Seither stieg die «Produktion» jedoch stetig an. 1998 war man bereits bei 31 Millionen Tonnen angelangt (Fischfang freilebender Tiere nicht mitgerechnet). Wenn dieser Trend so weitergeht, wird die Fischzucht bis zum Ende dieses Jahrzehnts die Viehzucht überholt haben.
Als einzige Hoffnung bleibt, dass man endlich die pflanzlichen Ressourcen der Gewässer vermehrt zu schätzen weiss (siehe dazu den Artikel über Algen in diesem Heft).

Renato Pichler

Weitere Informationen: