Die Bishnoi: Ein Leben ohne zu töten
Wie beeinflusst ein freundschaftliches Verhalten der Menschen der Natur und insbesondere den Tieren gegenüber die Umwelt? Die Bishnoi im indischen Wüstenstaat Rajasthan zeigen es.
Seit 500 Jahren leben die Bishnois am Rande der Wüste. Dabei
fällten sie keinen einzigen Baum und kein Tier wurde absichtlich
getötet. Sogar das Kochwasser wird mit Tüchern gefiltert,
um keine Kleinlebewesen zu töten.
Durch diese nachhaltige Lebensweise haben die Bishnois noch heute
Seen und fruchtbares Land, während ausserhalb ihres Gebiets die
Dürre herrscht.
Doch auch die Tiere merkten sehr schnell, dass sie von den Bishnois
nichts zu befürchten haben: Gazellen laufen furchtlos durch die
Dörfer, spielen mit den Kindern und werden als Mitgeschöpfe
voll akzeptiert.
Einen Teil der Ernte geben die Menschen jeweils der Natur
zurück, indem sie diese den Tieren zur Verfügung stellen.
Selbst zum sammeln von Brennholz gehen sie lieber kilometerweit, um
am Boden liegende Äste zu finden, anstatt einen Ast eines
lebenden Baumes zu entfernen.
Dieser friedfertige Umgang mit der ganzen Schöpfung färbte
natürlich auch auf die angrenzenden anderen Menschen ab, welche
nicht der Religion der Bishnois angehören. Allerdings muss auch
eine Ausnahme von dieser Friedfertigkeit erwähnt werden:
Wilderer haben in ihrem Gebiet nichts zu lachen, selbst die
Bishnoi-Frauen sind von ihnen gefürchtet.
Das Wort Bishnoi heisst neunundzwanzig. Diesen Namen erhielten die
Mitglieder dieser Glaubensrichtung, weil sie ihr Leben nach 29 Regeln
ausrichten. Dazu gehören zum Beispiel folgende Gebote:
- Grossmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann
- Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist
- Esse niemals Fleisch
- Schafe und Ziegen nicht als Haustiere halten, da sie irgendwann geschlachtet werden müssten
- Denke, bevor du sprichst
- Habe Verständnis, zu vergeben
- Kritisiere nicht ohne Grund
- Habe Mitgefühl mit allem, was lebt
- Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Baum
Ein kleines Büchlein
mit einigen Farbfotos hat Hans-Jürgen Otte nach einer Reise zu
den Bishnois geschrieben: «Menschen die sterben um Bäume
und Tiere zu retten». Es kann gegen Einsendung von Fr.
20.– (inkl. Inlandporto) beim Vegi-Büro, 9315
Neukirch-Egnach bezogen werden.
Ein weiteres, umfangreicheres Werk wurde 2001 veröffentlicht: Wegbereiter des Friedens.
Renato Pichler
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
