Eine Farm des Friedens
Die belgische Tierschutzorganisation «Animaux en Peril» (Tiere in Gefahr) bietet Schlachttieren ein Zuhause.
Der schlechtgelaunte Esel Picotin
und die zutrauliche Kuh Mandoline sind zwei der Gücklichen, die
sich nach grausamem Schicksal auf dem idyllisch gelegenen Anwesen von
Animaux en Peril (AEP) nun endlich eines Lebens in Sicherheit
erfreuen können, wie auch viele andere vor dem Schlachtermesser
geretteten Pferde, Ponies, Esel, Rinder, Ziegen, Schafe, Schweine,
Kaninchen und Vögel.
Sicher kann nicht jeder Besucher, wenn er durch die pieksauberen
Ställe schlendert oder einen Rundgang auf dem weitläufigen
Gelände unternimmt, ermessen, welches Mass an grimmiger
Entschlossenheit und nie endendem Einsatz nötig war, um einen
solchen eindrucksvollen Komplex auf die Beine zu stellen: 1983 wurde
er gegründet und hat sich mittlerweile zu einer Einrichtung
entwickelt, in der sich Tierliebe mit Sachverstand und
organisatorischem Geschick vereinen. Mitgefühl verbindet sich
hier mit Lebensklugheit und Pragmatismus; ausgefranste
Sentimentalität ist ebenso unerwünscht wie der blinde Eifer
von Extremisten.
Einer der Schwerpunkte ist natürlich,
misshandelten Tieren ein neues Zuhause zu bieten (ein vorbildliches
Heim fuer verstossene Hunde und Katzen leitet AEP in der Nähe
von Brüssel), aber auch andere Schutz- und Rettungsaktionen
wurden erfolgreich und unter öffentlichem Beifall
durchgegeführt. Im Laufe der Jahre hat AEP zunehmend Ansehen und
Respekt der belgischen Bevölkerung gewonnen und darf daher
mittlerweile durchaus als einflussreiches Element in der Gesellschaft
betrachtet werden! Ein derart dynamischer Tierschutzverein bringt
Bewegung in die Szene, was mit Sicherheit auch jene unverbesserlich
ewig gestrigen Politiker irgendwann kapieren werden, die sich stur
weiterhin für die barbarische Praxis des zwanghaften Stopfens
von Gänsen und Enten stark machen!
Um aber noch effektiver arbeiten zu können, hat man mit der
bekannten Tierrechtsgruppe GAIA einen einflussreichen Interessenpool
zur Verteidigung derer gebildet, die keine Stimme haben. Die Politik
dieses Zusammenschlusses besteht auch darin, sich nicht mehr auf
einige ausgewählte Tierarten zu konzentrieren, sondern im Rahmen
der gegebenen Möglichkeit die Aktivitäten umfassend und
sogar international anzulegen. Und da Einigkeit ja bekanntlich stark
macht, stehen alle Türen weit offen für weitere
grenzüberschreitende Kooperationen!
All diese Aktivitäten kosten natürlich sehr viel Geld!
Mitgliederbeiträge und Spenden decken diese enormen Ausgaben
keinesfalls, so dass andere Einnahmequellen zu erschliessen sind, wie
zum Beispiel die Vergabe von Patenschaften, das Organisieren von
Tombolas, Ausflügen, Tagen der Offenen Tür, Festen, den
mittlerweile schon berühmten, regelmässig stattfindenden
Flohmärkten und gut besuchten Pfannkuchen-Parties (denn
selbstverständlich is[s]t man hier vegetarisch!).
Natürlich konnte ein solch
fabelhaftes Gesamtwerk der Fürsorge nur entstehen durch
intensive, kollektive Anstrengungen und den selbstlosen Einsatz
unzähliger ehrenamtlicher Mitarbeiter! Nicht nur Idealismus
hatten diese Personen einzubringen, sondern auch ein besonders
stabiles, unerschütterliches Stehvermögen! Selbst unter
Berücksichtigung der durch wissenschaftliche Untersuchungen
untermauerten, erfreulichen Tatsache, dass das Helfen sich letztlich
auch immer für den Helfer segensreich auswirkt, muss bedacht
werden, dass nicht jeder langandauernde und extreme Konfrontation mit
der dunklen Seite des Lebens aushält! Wer aber trotz aller
Belastungen weitermacht, wird reichlich belohnt, und zwar nicht nur
durch den beglückenden Kontakt zum Tier, sondern auch durch das
Bewusstsein, sein ganz persönliches Scherflein zu einer besseren
Welt beigetragen zu haben.
Trotz aller segensreichen Interaktionen sollten aber tierische
Reaktionen tunlichst nicht nach menschlichen Massstäben bewertet
werden. Als Beispiel sei hier die amüsante Geschichte von Popov
genannt: Der wunderschöne Wallach hatte die Besitzer eines
Ponyclubs dadurch genervt, dass er mit drohend aufgerissenem Maul auf
Reitneulinge losging und ihnen Angst machte. Nur zwei junge
Mädchen tolerierte er, und diese beiden setzten es schliesslich
durch, und zwar unter Einsatz beträchtlicher finanzieller
Mittel, dass Popov doch nicht «abgeschafft» wurde,
sondern als zahlender Gast im Stall bleiben durfte. Irgendwann wurden
allerdings die aufzubringenden Alimenteleistungen problematisch, und
nur wortgewandter Einsatz und die nachfolgende Aufnahme bei AEP
konnten den Streithammel vor dem Schlachter retten! Nun ist er
da… Und obwohl sein schlechter Ruf ihm zuverlässig
vorausgeeilt war, tragen einige Unvorsichtige immer noch die
Abdrücke seiner Zähne auf ihrer Haut! Wo bleibt da die
Dankbarkeit? Hat dieser hufetragende
Rambo tatsächlich noch nie das Sprichwort gehört, dass man
eine Hand, die einen füttert, keinesfalls beissen sollte?
Allerdings: Wo steht denn eigentlich geschrieben, dass verschenkte
Liebe in jedem Fall erwidert werden muss?
Renato Pichler
Letzte Aktualisierung dieser angezeigten Seite: 9.12.2008
