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Mediterrane Ernährung im Spital

Dass im mediterranen Raum weniger Herzinfarkte vorkommen als in anderen Gebieten Europas ist seit längerem bekannt. Ausserdem sind in Süditalien und Griechenland auch weniger Krebsfälle (Darm, Brust und Prostata) zu verzeichnen. Dies führen Wissenschaftler schon lange auf das spezielle Ernährungsverhalten im mediterranem Raum zurück. Ausserdem konnte mit dieser Ernährungsweise auch eine Besserung bei Diabeteskranken verzeichnet werden (siehe dazu auch Artikel im letzten Vegi-Info).
Als erstes Schweizer Spital führte deshalb das Kantonsspital Winterthur die mediterrane Ernährung in ihrer Küche ein. Im Gegensatz zu den anderen Spitälern, die weiterhin ausschliesslich auf Symptombehandlung setzen, wird im Kantonsspital Winterthur nun auch dafür gesorgt, dass ihre Infarkt-Patienten nicht zu Stammkunden werden.

Was zeichnet die mediterrane Küche aus?

(Angaben gemäss Kantonsspital Winterthur)

Bei zwei Punkten muss noch ergänzt werden:

Das Spital empfiehlt moderaten Alkoholkonsum (und nur mit dem Essen), weil in der mediterranen Küche oft Wein konsumiert wird. Hier ist wichtig zu wissen, dass ein Glas natürlicher Wein nichts anderes als vergorener Traubensaft ist und somit auch die wichtigen sekundären Pflanzenstoffe enthält. Der Alkohol selbst hat keine gesundheitlichen Vorteile.

Der zweite Punkt ist die Empfehlung von Fisch: Da der Fleischkonsum in ganz Europa leider noch immer viel zu hoch ist, und das am häufigsten konsumierte Fleisch (vom Schwein) zudem die Gesundheit am stärksten belastet, ist verständlich, dass ein höherer Fischkonsum gleichzeitig zu geringerem Konsum von Schweinefleisch führen muss (in der Schweiz ist ca. die Hälfte aller konsumierten Fleischarten Schweinefleisch). Daraus jedoch zu schliessen, dass Fisch besonders gesund sei, ist ein (unter Fleischessern beliebter) Trugschluss. Der weltbekannte Experte in Sachen Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Dr. Dean Ornish, empfiehlt deshalb auch den Fisch durch gesündere, pflanzliche Produkte zu ersetzen.

Für eine rein pflanzliche (oder wenigstens vegetarische) Ernährungsweise ist die Zeit an einem Schweizer Kantonsspital jedoch offenbar noch nicht reif.

Der verantwortliche Arzt des Kantonsspitals begründete seinen Entscheid gegen die vegetarische Ernährung damit, dass die mediterrane Küche mit ein bis zweimal wöchentlich Fisch, Geflügel (max 2-3 Portionen pro Woche), einmal wöchentlich rotes Fleisch (max. 1x pro Woche), Eier (2-3 pro Woche) und Käse als ein guter Kompromiss zwischen Gesundheit und Geschmack sei. Offensichtlich, kennt sich der Arzt noch nicht in der vegetarischen Küche aus und setzt vegetarisch noch immer mit Askese gleich, die er seinen Patienten nicht zumuten möchte. Dennoch ist es ein grosser Schritt in die richtige Richtung. Immerhin bietet das Spital täglich ein vegetarisches Mittagessen an (beim Abendessen sind sie noch nicht so weit). Nebst den Tagesmenüs gibt es auch noch ständige vegetarische Alternativen (Salatteller, etc.).

Nebst der gesünderen mediterranen Küche gibt es jedoch auch noch herkömmliche Gerichte mit Fleisch von Schweinen, Kälbern, Rindern, Lämmern, Straussen, Truten, Hühnern, Enten und Wild. Ja sogar Wurstwaren werden verwendet. Die Herkunftsländer des Fleisches werden gesetzesgemäss angegeben (von der Schweiz bis Neuseeland, Brasilien, Australien, China und Südafrika). Leider aber steht kein Wort über die Tierhaltung.

Trotz all diesen Vorbehalten, muss man dem Kantonsspital Winterthur für diesen Schritt gratulieren. Er geht in die richtige Richtung: Vorbeugen statt Symptome bekämpfen.
Seit April 2000 gibt es übrigens auch in Deutschland ein Spital mit mediterranen Menüs: Das Krankenhaus in Rothenburg ob der Tauber. Dort wurden sie auf Initiative des Koches (!) eingeführt.

Renato Pichler

Quellen/weitere Informationen:



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