Kopf SVV-Mitgliedschaft Breite einstellen Hauptseite

Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch


Die SVV heisst jetzt: Swissveg
Unsere neue Homepage finden Sie hier: www.swissveg.ch

Wenn das nicht unter die Haut geht!
Erschreckendes Ergebnis einer neuen Studie über Leder

Forscher der Uni Paderborn (Deutschland) wiesen das extrem gefährliche, krebserzeugende Chrom VI in der Handelsware Leder nach, und zwar nicht nur im Möbelleder, sondern auch in Bekleidungsartikeln und sogar in Kinderschuhen.

Rund hunderttausend Tonnen Leder werden jährlich in Deutschland zu Schuhen, Jacken, Sofas oder Portemonnaies verarbeitet. Das Leder selbst stammt zu mehr als 90% aus China, Indien, Argentinien oder Osteuropa.

Die Erklärung für diese schockierende Tatsache liegt in der Praktizierung eines bestimmten Gerbverfahrens, der Chromgerbung, die allein oder auch in Kombination mit nachfolgenden Produktionsschritten zu höchst bedenklichen Rückständen führt. Zwar schreiben alle Öko- oder Prüfsiegel vor, dass Chrom(VI) im Leder überhaupt nicht zu finden sein dürfe, doch ist diese Forderung in der Praxis nicht durchzusetzen:
Abgesehen davon, dass bis heute keine weltweiten Standards ausgearbeitet wurden, lassen nicht klar identifizierbarer Ursprung und unterschiedliche nationale Gesetzgebungen Kontrollen undurchführbar werden. Jede zufriedenstellende Antwort auf die Frage, wo jene Lederjacke produziert und wie dieser Schuh hergestellt wurde, ist problematisch. Dabei wäre ein besserer Schutz des Verbrauchers von höchster Priorität, denn der erwähnte Schadstoff löst sich durch Feuchtigkeit und Körperschweiss aus dem Leder und wird dann von menschlicher Haut aufgenommen. Wer mag sich nach Kenntnis dieser Tatsache noch mit nackter Haut auf sein Sofa legen oder barfuss in Lederschuhen herumlaufen? Und wie sieht es aus mit Uhrarmbändern, die viele Stunden am Tag getragen werden und ganz besonders Feuchtigkeit und Schweiss ausgesetzt sind?

Seit Menschengedenken

Leder wurde seit Menschengedenken zum Herstellen der verschiedensten Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände verwendet und entwickelte sich im Laufe der Geschichte zu stetig wachsender Anwendungsbreite und Beliebtheit. Auch heute ist es fester Bestandteil unseres modernen Alltagslebens, und einige der im Museum zu bewundernden mehr als 3300 Jahre alten ägyptischen Sandalen überbrücken mühelos die zeitliche Kluft zwischen vorgestern und heute, denn die ausgestellten Modelle unterscheiden sich gar nicht so sehr von den heutigen. Gerät hier ein seit Jahrtausenden bewährtes, umweltfreundliches Naturprodukt par excellence in Verruf?

Umweltfreundlich?

Die «Herstellung» und Weiterverarbeitung von Leder ist weder umwelt- noch tierfreundlich und beschert uns ausserdem noch unübersehbare Risiken für unsere Gesundheit! Ausserdem schlägt selbstverständlich auch die mit Fleischverzehr einhergehende Problematik hier in vollem Umfang durch! Jede Augenwischerei, es handele sich bei der Ledergewinnung lediglich um ein Abfallprodukt des Schlachtens, kann nicht greifen. Wer das Töten von Tieren für den Fleischverzehr ablehnt, kann dies nicht für die Produktion «edlen Leders» gutheissen. Überhaupt, was soll eigentlich edel daran sein, Tieren das Leben zu nehmen, um sich anschliessend mit deren Haut behängen zu können?

Indien ist einer der grössten Lederproduzenten der Welt.

Indien zeigt anschaulich den Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Rinderschlachtung: Die Haut der «heiligen» Milchkühe und deren Kälber landet als Leder auf den Weltmärkten.

Diese Ware steht nach Edelsteinen/Schmuck und Bekleidung mit 4,3% an dritter Stelle der nationalen Exportliste. Allein nach Amerika werden Produkte im Wert von über 100 Millionen Dollar pro Jahr transportiert. Leider hat die steigende westliche Nachfrage nach billigem Leder inzwischen zu grausamsten Produktionspraktiken geführt. Da Rinder nur in wenigen indischen Schlachthöfen getötet werden dürfen, werden sie entweder langen Transporten unter unannehmbaren Bedingungen dorthin ausgesetzt oder man schmuggelt sie bei skandalösen Nacht-und-Nebelaktionen aus dem Land. Die dynamische Tierrechtsgruppe PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) hat mittlerweile das Thema aufgegriffen und durch dramatische Videoaufnahmen die angewandten Brutalitäten belegt. Auch Ex-Beatle Sir Paul McCartney hat sich an den indischen Regierungschef Atal Behari Vajpayee mit der Bitte um Hilfe gewandt und sich dabei auf Gandhis Erklärung berufen, nach der man «ein Land nach der Art und Weise beurteilen kann, wie es seine Tiere behandelt».

Leder- und Lederwaren-
Export aus Indien:
1992/93: 1.277 Mio US$
1993/94: 1.300 Mio US$
1994/95: 1.611 Mio US$
1995/96: 1.731 Mio US$

Schockiert über das Geschehen, hat sich auch Mahatmas Enkel Arun Gandhi dem Protest angeschlossen.
Ausserdem: welches Ausmass an schädlichen Konsequenzen bringt ein industrieller Gerbvorgang mit sich, bei dem hochtoxische Substanzen, wie z.B. PCP (Pentachlorphenol) und Bestandteile von AZO-Farbstoffen, z.B. Benzidin, verwendet werden und der im Endprodukt gefährliche Rückstände von Chrom IV hinterlässt? Welche Schäden an menschlicher Gesundheit werden dadurch verursacht, und welche Verseuchungsgrade in Wasser, Luft und Boden? Und sind die sich ergebenden Abfälle und Schlämme überhaupt gefahrlos zu lagern? Anmerkung: Sogar das normalerweise leicht biologisch abbaubare Leder selbst kann nach vielen der praktizierten Gerbverfahren verwesungsresistent werden und so eine zusätzliche Quelle der Umweltverschmutzung bilden.
Müssten solche besorgniserregenden Fakten nicht logischerweise dazu führen, dass die besonders im Telemarketing aktiven Verkäufer von Ledermöbeln immer öfter den Ausruf zu hören bekommen: «Leder? Nein danke!» Man muss ja nicht gleich so weit gehen wie jene ob der Störung beim Abendessen entnervte Hausfrau, die dem Anrufer ein erbostes «Und überhaupt: Wer will schon seine Freizeit auf einer toten Kuh verbringen?» durch die Leitung schoss.

Was sind die Alternativen?

Die Frage des Ersatzes von Schuhleder ist am schwierigsten zu beantworten. Aber selbst hier bietet sich ein Fächer von Ersatzmöglichkeiten an, nämlich zunächst Segeltuch, ein natürliches, strapazierfähiges Material, das sogar ganzjährig verwendbar ist. Dann gibt es Kunststoff (selbst Lederschuhe haben ohnehin meistens Plastiksohlen) und Gummi. Vor nicht allzu langer Zeit wurden auch erfolgreich Versuche gemacht mit neuen atmenden Stoffen aus Mikrofibern. Einige Firmen stellen diese Produkte bereits her, die das Aussehen und die Eigenschaften von Leder aufweisen, wenn nicht sogar übertreffen.
Während Segeltuchschuhe überall erhältlich sind, trifft dies leider noch nicht zu für die letzten Entwicklungen auf diesem Gebiet. Aber sicher werden selbst konservative Geschäftsführer irgendwann ein Geschäft wittern und ihr Sortiment entsprechend erweitern, wenn sie von genug Kunden geduldig und immer wieder nach den neuen Produkten gefragt werden.

Zugegeben, Leder ist seit eh und je verwendet worden. Aber das ist überhaupt kein Grund, an einem heute als moralisch und ökologisch fragwürdig erkanntem Verfahren festzuhalten! Ein verstärktes Suchen nach Ersatz und allmähliches Umsteigen auf andere Alternativen könnte schliesslich beachtlichen Gewinn bringen: für die Tiere, die nicht mehr ihre Haut lassen müssten; für eine geschonte Umwelt, die nicht mehr grosse Mengen giftiger Rückstände verkraften hätte; und nicht zuletzt für unsere eigene kostbare Gesundheit!

Herma Brockmann

Weitere Informationen zum Thema Leder:



[nach oben


   
© Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) | www.vegetarismus.ch | Impressum