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3:1 für die Tierhalter?

Wann immer irgendwelche Kritik gegenüber der heutigen Tierhaltung geäussert wird, fühlen sich gleich alle Bauern (mit wenigen Ausnahmen) persönlich angegriffen und in ihrer Existenz bedroht. Wie kommt es, dass für die Bauern die Tierhaltung eine solch zentrale Stellung einnimmt?

In der Schweiz stammen die Einnahmen der Bauern im Schnitt zu drei Vierteln aus der Tierhaltung. Wie lässt sich dies erklären, wenn man die enorme Verschwendung von natürlichen Ressourcen (Boden, Wasser, Nahrungsmittel) bei der Produktion von tierischen Nahrungsmitteln kennt?
Weshalb konnte eine Wirtschaftsmethode, welche hochwertige, gesunde Nahrungsmittel (z.B. Soja, Getreide, Mais) quasi vernichtet, indem sie diese an Tiere verfüttert und dadurch ca. zehnmal weniger ungesunde, cholesterinreiche und fettreiche Nahrungsmittel in riesigen Überschüssen für einen gesättigten Markt produziert, so eine zentrale Stellung in der Landwirtschaft einnehmen?

Um dies zu erklären muss man mindestens in die fünfziger Jahre zurück gehen: Nach dem Krieg war eine Regierung bei der Bevölkerung hoch angesehen, wenn sie möglichst schnell für einen allgemeinen Wohlstand sorgte. Als Gradmesser diente schon damals (nebst technischen Luxusgütern) der Fleischkonsum: Wer sich Fleisch leisten konnte glaubte sich im materiellen Wohlstand. Dies wusste man natürlich nicht nur in der Schweiz: Noch heute ist das Fleisch in allen Industrienationen das meistsubventionierte Nahrungesmittel. Selbst in Moskau konnte man praktisch immer günstiges Fleisch einkaufen. Hingegen ist es bis heute schwierig dort genügend frisches Gemüse und Früchte zu bekommen.

Die Regierungen spielten also eine wesentliche Rolle bei der Förderung der Tierhaltung.

Andererseits erfüllten Sie aber auch nur das Verlangen ihrer Bevölkerung. Ein Politiker, der die Fleischproduktion vernachlässigte und statt dessen sich z.B. für Dinkel- oder Zuckermaisanbau stark gemacht hätte, wäre vermutlich nur kurz im Amt geblieben. Die Regierungen sahen sich deshalb gezwungen, die Produktion tierischer Produkte staatlich zu fördern.
Diese Subventionen stiegen bis heute immer weiter an, obwohl längst in ganz Europa zuviel Fleisch und Milch erzeugt wird. Doch Subventionen abzubauen ist auch in diesem Bereich viel schwieriger, als neue Subventionen einzuführen. Deshalb subventioniert auch der Schweizer Staat die Landwirtschaft mit mehreren hundert Millionen Franken jährlich. Mit diesen Subventionen werden zu drei Vierteln die Tierhalter unterstützt. Hier sieht man nun, weshalb ein Schweizer Bauer sein Einkommen zu drei Viertel aus der Tierhaltung bezieht. Die Parallele zur Verteilung der Subventionen ist kein Zufall. Ohne die Subventionen würde die wirtschaftlich völlig unrentable Produktion tierischer Nahrungsmittel längst zusammen gebrochen sein.

Eine direkte Folge dieses staatlichen Eingriffs in den Markt ist, dass der Wert der Endproduktion der landwirtschaftlichen Güter zu drei Vierteln von tierischen Produkten stammt. Das Verhältnis 3:1 ist jedoch auch in anderen Bereichen sichtbar:
Die Schweiz importierte 1998 landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 6’667 Millionen Franken. Der Anteil pflanzlicher Erzeugnisse machte 4’962 Millionen Franken (bzw. 75 %) aus. Da die Inlandproduktion tierischer Nahrungsmittel so stark mit Steuergeldern gefördert wird, müssen logischerweise die dadurch fehlenden pflanzlichen Nahrungsmittel aus dem Ausland eingeführt werden. Oder anders ausgedrückt: In Krisenzeiten ist die Versorgung mit Fleisch, Eiern und Milchprodukten vermeintlich gewährleistet. Auch hier findet sich wieder ein Widerspruch: Alle Krisenexperten sind sich darüber einig, dass in Krisenzeiten nur die Umstellung von der Tierhaltung auf die Produktion pflanzlicher Nahrungsmittel ein Überleben der Bevölkerung sichern kann, da die Tierhaltung zuviel Boden beansprucht um dieselbe Menge an Nahrungsmitteln zu produzieren (wenn man die Produktion des Futters mit berücksichtigt). Heute spielt dies keine grosse Rolle, da man den enormen Landverbrauch teilweise exportieren kann, indem man das Futter für die Schweizer Tiere zum Teil aus dem Ausland importiert. 1998 wurden 221’000 Tonnen pflanzliche Eiweisse (meist Soja) als Leistungsfutter aus dem Ausland (USA und Südamerika) importiert.

Natürlich hat der Bundesrat auch für dieses Problem die passende Lösung parat: Am 12. Januar 2000 beschloss er die einheimische Produktion von pflanzlichen Eiweissen durch eine neue Subvention zu fördern. In diesem Fall ist es eine Anbauprämie für Lupinen von Fr. 1260.- pro Hektare.

Doch auch beim Landverbrauch macht sich das Verhältnis 3:1 bemerkbar:
Nahezu drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche von ca. einer Million Hektaren diente (trotz des zusätzlichen Imports von Futtermitteln) dem Futterbau.

Renato Pichler

Quellen:

Weitere Infos:

 



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