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Thema: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich habe den Text von Klaus Petrus im neuen Vegi Info (2008/1) gelesen. Zuerst dachte ich mir, das sei zu sehr eine entweder-oder-Haltung, aber beim zweiten Lesen habe ich eingesehen, dass wir Vegetarierer "Kompromisse" machen, die den Tieren schaden. Natürlich ist es immer noch besser, vegetarisch zu leben anstatt Fleisch zu essen. Aber Vegetarier müssen eben auch an die Konsequenzen denken, die ihr Verhalten auf die Ausbeutung der Tiere insgesamt hat. Ich kenne viele Vegetarier (und ich halte mich nicht raus), denen das nicht so nicht bewusst ist oder die das vielleicht sogar nicht wissen. Hier ist unbedingt Aufklärung am Platz!

Darum finde ich es toll, dass ihr einen solchen Beitrag im Vegi-Info bringt! Bravo und weiter so,

Herzliche Grüsse,
Doris

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Liebe SVV!

Ich finde es mutig, aber sehr wichtig, dass eine Vegetarische (!) Vereinigung Texte wie "Vegetarisch oder vegan?" von Klaus Petrus abdruckt. Ich habe jetzt auch seinen Beitrag im Diskussionsforum gelesen ("Sind Vegetarier Tierausbeuter?") und mich überzeugt dieser Standpunkt sehr. Wir Vegetarier werden nur selten mit solchen klaren Aussagen konfrontiert. Für mich ist jedenfalls klar, dass ich ab "hier und jetzt" vegan leben werde.

Vielen Dank,
Marco

link zu "Sind Vegetarier Tierausbeuter?"
http://www.vegetarismus.ch/forum/viewtopic.php?id=201

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich habe den Text von Klaus Petrus ebenfalls gelesen und muss zugeben, dass ich ziemlich irritiert war, dass die SVV so etwas überhaupt publiziert. Jetzt werden wir Vegetarier noch mit den Fleischessern auf eine Stufe gestellt! Viel besser wäre es doch, wenn Vegetarier und Veganer am gleichen Strick ziehen würden. Vegetarier geht es genauso um weniger Tierleid wie den Veganern. Wieso dann diese Grabenkriege, wenn wir doch dasselbe wollen?! Das ist sehr kontraproduktiv ...

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich fand den Artikel toll und mutig, und aufgrund der ersten beiden Kommentare hier nehme ich an, dass einige Vegetarier dadurch wachgerüttelt werden. Ich fand es auch schön, dass endlich mal das Thema Haustiere angesprochen wurde - auch hier betrachten wir Menschen die Tiere als Eigentum, was ich nicht in Ordnung finde. Ich denke, dass kein Tier, wenn es die Wahl hätte, sich für Gefangenschaft anstelle von Freiheit entscheiden würde. Ich hoffe, dass dieser Artikel viele Leute zum Umdenken bewegen kann. Danke & weiter so :-)

LG, Luna

Zuletzt bearbeitet von Luna (24.Mar.2008 18:14:07)

Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.
Leo Tolstoi

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich kann mich Luna und den beiden ersten Einträgen nur anschliessen: ich finde es auch sehr wichtig, dass es solche Beiträge gibt. Jedenfalls denke ich seit der Lektüre dieses Textes viel über das Thema nach. Ich hatte bisher immer das Gefühl, dass es sehr schwierig sei, vegan zu werden, und das hat mich abgehalten, diesen Schritt zu machen. Natürlich war ich auch immer der Meinung, ich würde als Vegetarier eigentlich schon viel (oder sogar genug) machen, damit es den Tieren besser geht. Jetzt aber sehe ich das allmählich anders. Übrigens: der Punkt mit "das Tier als Eigentum" hat schon etwas erschreckendes, wenn man das einmal durch diese Brille sieht – dabei sind doch Tiere, auch vom Gesetz her, keine "Sachen" mehr!!!

Jedenfalls würde ich noch einen Schritt weitergehen und meinen, dass es die Aufgabe einer Vegetarischen Vereinigung ist, möglichst viele ihrer Mitglieder mit Texten und Auffassungen wie denen von Klaus Petrus zu konfrontieren, damit sie eben, wie Luna sagt, "wachgerüttelt" werden. Bei mir hat's genützt!

Also SVV, mehr davon!!

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich bin selbst Vegetarierin und mich verunsichert dieser Text irgendwie. Ich bin wirklich davon überzeugt, dass die vegetarische Lebensweise vielen Tieren viel bringt. Und das ist doch wenigstens etwas! Natürlich nicht genug, aber wer kann denn schon genug tun? Ist es z.B. möglich, 100% vegan zu leben? Muss man nicht auch da Kompromisse machen? Übrigens denke ich, man sollte doch auch berücksichtigen, dass die vegetarische Bewegung sehr wichtig war (und noch immer ist), wenn es darum geht, Menschen für das Leid der Tiere zu sensibilisieren. Was wäre die Tierrechtsbewegung ohne die vegetarische Bewegung? Auch sollte man vielleicht bedenken, dass es für viele Leute gar nicht so einfach ist, von heute auf morgen vegan zu leben: Alltag, Schule, Job, Bekanntenkreis usw. können das sehr schwierig machen.

Ich meine das nicht als Argumente gegen das, was Herr Petrus in seinem Artikel schreibt. Ich bin jetzt seit 14 Jahren Vegetarierin und habe mir natürlich schon einige Male überlegt, den Schritt zum Veganismus zu wagen, aber ich war noch nie so nah dran wie jetzt. Da hat mir der letzte Satz des Textes besonders gut gefallen; er ist klar, sachlich, aber doch sehr auffordernd:

"Was es braucht, ist der Entscheid, ab hier und jetzt nach dem Grundsatz zu leben, Tiere nicht weiter als Eigentum zu behandeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger."

LG, Lisa

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Keine Frage, die Argumentation von Klaus Petrus ist klar und bestechend. Nur: Wie lässt sich das Ganze denn eigentlich umsetzen? Im Text "Die Wurzel des Übels" heisst es, wir müssen für die totale Abschaffung der Tiernutzungsindustrie plädieren. Das mag sein und wenn wir die Voraussetzungen von Petrus akzeptieren, dann sollten wir das vermutlich wirklich tun! Aber eben: das Ende der Tiernutzung steht ja nicht schon morgen vor der Tür! Da braucht es doch Zwischenschritte, die dann auch politisch zum Ziel führen.

Nun könnte man doch sagen (und ich war, ehrlich gesagt, eigentlich immer dieser Meinung), dass der Vegetarismus ein solcher Zwischenschritt ist. Petrus aber behauptet, dass das gar nicht stimmt, ja mehr noch: dass der Vegetarismus ein Zwischenschritt in die falsche Richtung ist, nämlich in Richtung Tierausbeutung (man lese auch seinen Beitrag "Sind Vegetarier Tierausbeuter?" in diesem Forum).

Dann aber stellt sich für mich die Frage: Welche Zwischenschritte (ausser Veganismus) gehen denn für einen "Abolitionisten" wie Petrus  in die richtige Richtung?

Und was mich auch noch interessieren würde: wie steht denn eigentlich die SVV oder die Redaktion des Vegi-Info zu einer solchen Position? Wenn sie mit dem Standpunkt von Petrus sympathisiert, dann sollte sie vielleicht die Rubrik "Einwände gegen den Vegetarismus" um einen Eintrag ergänzen; wenn nicht, so wäre ich doch gespannt zu erfahren, was sie gegen die Argumentation von Petrus einwenden kann.

So oder so: Ich hab schon lange nicht mehr einen Text zu diesem Thema gelesen, der auf so kleinem Raum so viel Anlass zu Nachdenken gibt. Kompliment!

Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Hallo zusammen!
Es freut mich, dass der Text von Klaus Petrus hier so rege diskutiert wird. Genau diese Auseinandersetzung mit seinen Thesen war ja der Zweck des Abdrucks seiner Artikel.
Falls jemand meint, dass die Thesen von Klaus nicht korrekt sind oder sonst noch etwas anders sieht, könnte man im nächsten Vegi-Info durchaus auch eine andere These zu diesem Thema abdrucken. Der Artikel sollte ja nur einen Anstoss zur Diskussion liefern, was er offenbar getan hat.

Zu Heinz: Die SVV ist eine vegetarische Organisation. Sie befasst sich mit allen Themen, die den Vegetarismus betreffen. Da Veganer auch kein Fleisch konsumieren, zählen sie auch zu den Vegetariern (sie sind sozusagen eine Untergruppe der Vegetarier). Deshalb sehe ich es als durchaus gerechtfertigt auch mal einen Artikel eines überzeugten Veganers (bzw. in dem Fall eines Abolitionisten) abzudrucken. Aus meiner Sicht wäre es nicht sinnvoll im Vegi-Info sämtliche Texte so zu zensurieren, dass sie für alle Leser angenehm leicht verdaubar werden. Die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen ist wichtig um sich des eigenen Standpunktes bewussst zu werden.
Die SVV wird also auch in Zukunft für alle Strömungen innerhalb der vegetarischen Bewegung offen bleiben ohne bestimmte Bereiche auszugrenzen.

Zu Lisa: In früheren Vegi-Info-Ausgaben wurde das Problem, dass wir alle nicht perfekt sein können schon öfters behandelt. Es wäre sicher falsch, wenn jemand, der sich auf den Weg macht sich darüber ärgert, dass er noch nicht am Ziel ist. Genauso falsch wie es ist, wenn ein Fleischesser einen Vegetarier vorwirft, dass dieser ja auch noch nicht perfekt lebt. Ich persönlich begrüsse jeden Schritt in die richtige Richtung. Jeder der von sich behauptet am Ziel angelangt zu sein versperrt sich jede Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung.
Siehe auch: Der perfekte Vegetarier

Zu Jörg: Der Artikel von Klaus Petrus ist tatsächlich erst ein Einstieg in die Problematik. Als Philosoph hat er sich sehr intensiv mit dem Ziel und einem Grundproblem der Tierausbeutung befasst und das Resultat seiner Überlegungen in dem Artikel nieder geschrieben. In einem so kurzen Artikel kann man natürlich nicht auch noch ausführlich auf den ganzen Weg eingehen, der zu dem beschriebenen Ziel führt. Ganz abgesehen davon, dass es vermutlich nicht DEN einen Weg gibt, sondern sehr viele Ansätze in Richtung des Zieles führen können. Vielleicht kann Klaus Petrus ja noch erleutern, welche Zwischenschritte er für sein Ziel sieht.

Und zur konkreten Frage von Jörg: Man kann durchaus den philosophischen Ansatz von Klaus Petrus Grossteils gut heissen, und den Schritt vom Fleischesser zum Vegetarier unterstützen. Dies liegt eben daran, dass es ein philosophischer Artikel ist, der über die praktische Umsetzung kaum etwas aussagt. Wie bereits oben beschrieben befürwortet die SVV jeden Schritt der das Leiden von Mensch und Tier verringert.
Selbst wenn eine Person (vorerst) nur bereit ist auf Schweinefleisch zu verzichten, ist dies zu begrüssen als ein erster Schritt. Man sollte aber versuchen der Person aufzuzeigen, dass damit der Weg noch nicht zu Ende ist. Jeder Mensch, egal wo er momentan steht, hat noch Potential sich weiter zu entwickeln (und dies natürlich nicht nur bei seiner Ernährungsform). Ob für jeden das Ziel dasselbe ist wie für Klaus Petrus, muss jeder selbst entscheiden. Das Vegi-Info soll nur die verschiedenen Gedanken verschiedener Autoren dar legen um die eigene Entscheidung auf fundierte Basis stellen zu können.

Es gibt auch viele Gründe, weshalb jemand vegetarisch (und nicht vegan) lebt. Dies war aber nicht das Thema des Artikels. Es wäre von einem kurzen Artikel zuviel verlangt, dass er gleich alle theoretischen und praktischen Probleme in der Beziehung zwischen Mensch und Tier löst. Deshalb wurde in dem Artikel nur ein einziger Aspekt heraus gearbeitet und lies noch viele andere Fragen offen.

Gruss
Renato

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Mich überzeugt die Argumentation in "Vegetarisch oder vegan?". Was die
vereinzelten Zweifel hier im Forum betrifft: Als Kompromiss oder
Zwischenschritt kann der Vegetarismus betrachtet werden, wenn es um
Resultate geht - nicht aber, wenn es um das Ziel geht. Das Ziel muss doch
sein, jegliche Form der Tierausbeutung abzuschaffen, da alle Tiere einen
Selbstwert haben. Das Ziel des Vegetarismus, (nur) gewisse Tiere
auszubeuten, ist damit schlicht nicht kompatibel. Somit kann der
Vegetarismus auch kein Zwischenziel sein. Wie das (abolitionistische) Ziel
erreicht werden kann, ist eine andere Frage, doch sollten die Bemühungen
stets damit verträglich sein - auch wenn das, was faktisch erreicht wird,
vorerst Kompromisse sind. Das Propagieren der veganen Lebensweise ist mit
dem Ziel verträglich, das Propagieren der vegetarischen Lebensweise nicht.
Die vegane Lebensweise selbst ist nicht mehr (aber auch nicht weniger) als
ein persönlicher Boykott - und Ausdruck einer Haltung.

Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

habt vielen dank für eure reaktionen auf meinen text "vegetarisch oder vegan" im vegi-info (2008-1). ich möcht die gelegenheit nutzen, einen punkt zu präzisieren, der immer wieder angesprochen wird und der um die frage kreist, ob die vegetarische lebensweise ein schritt "in die richtige richtung" sei.


VEGETARISMUS – EIN SCHRITT AUF DEM "RICHTIGEN WEG"?

wie jörg richtig bemerkt, bin ich grundsätzlich der meinung, dass dies falsch ist. nun bedeutet das aber nicht (wie heinz das nahelegt), dass ich der ansicht wäre, vegetarier/innen könnten genauso gut wieder fleisch konsumieren. der grund besteht u.a. darin, dass die vegetarische lebensweise (im vergleich zu den essgewohnheiten eines carni- oder omnivoren!) durchaus dazu führen kann, dass tiere weniger leiden müssen. und wenigstens das dürfte unter uns doch unbestritten sein: dass es immer besser ist, wenn tiere weniger leiden!

der punkt, um den es mir geht, ist ein anderer: wer der meinung ist, dass der vegetarismus ein schritt in die "richtige richtung" ist, sollte sich darüber gedanken machen, welche richtung genau die "richtige richtung" ist. und er oder sie sollte es auch möglichst laut aussprechen. dabei reicht es m.e. nicht aus zu sagen: alles, was zur verminderung von tierleid führt, führt auch schon in die richtige richtung!

denn erstens kann man sich ohne mühe vorstellen, dass jemand, der sich für weniger tierleid einsetzt, zugleich der auffassung ist, dass es "richtig" – und zwar: moralisch richtig – ist, tiere für unsere zwecke zu nutzen. tatsächlich sind nicht bloss "tierfreunde", sondern auch viele tierausbeuter der ansicht, dass tiere nicht "unnötig" leiden sollten oder dass wir ihnen nur dann schmerzen zufügen dürfen, wenn wir dafür auch wirklich "vernünftige" gründe haben (wobei nicht klar ist, was hier "unnötig" oder "vernünftig" heissen soll). m.a.w.: wenn jedes bemühen um minderung von tierleid bereits in die "richtige richtung" führt, dann scheint es so, dass auch tierausbeuter auf dem richtigen weg sind.

mir selbst kommt eine solche auffassung ziemlich schräg vor. wie ich in meinem vegi-info text "die wurzel des übels: das tier als eigentum" anzudeuten versucht habe, gibt es m.e. keine moralische rechtfertigung dafür, tiere als blosses mittel für unsere zwecke – als unser eigentum – zu behandeln. wenn ich damit recht habe (und soweit ich sehen kann, wurde meine argumentation in diesem forum nicht kritisiert), dann kann es unmöglich sein, dass jene, die zwar gegen "unnötiges" tierleid sind, aber die ausbeutung der tiere grundsätzlich befürworten, auf dem richtigen weg sind.

nehmen wir also an, es sei moralisch falsch, tiere als unser eigentum zu behandeln, als ressource, deren sinn und zweck darin besteht, für uns da zu sein und die wir entsprechend nutzen dürfen. dann gilt es – mit bezug auf den vegetarismus – einen zweiten punkt zu beachten: wer vegetarisch lebt, lebt nicht nach diesem grundsatz!

indem vegetarier/innen auf den fleischkonsum verzichten, behandeln sie gewisse tiere zwar nicht mehr als ressourcen (als fleischlieferanten); in anderen tieren aber sehen sie durchaus nichts anderes als gebrauchsobjekte, nämlich milch- oder eimaschinen. das aber geht unmöglich zusammen, *falls* wir der auffassung sind, dass es falsch ist, tiere als unser eigentum zu behandeln. denn einerlei ob schweine oder milchkühe, all diese tiere werden als eigentum behandelt, und es ist wirklich nicht einzusehen, mit welchem recht man aufgrund der art und weise, wie man sich nun einmal ernährt, die einen tiere (z.B. schweine) gegenüber anderen (milchühe oder legehennen) bevorzugen kann (ich hab diesen punkt im beitrag "sind vegetarier tierausbeuter" näher ausgeführt: http://www.vegetarismus.ch/forum/viewtopic.php?id=201)

diese ungleichbehandlung der tiere (die, wie ich eben meine, auf einem moralischen widerspruch beruht) hat natürlich unmittelbare konsequenzen für das viel zitierte "wohl der tiere" – und das ist ein dritter punkt, den es m.e. im zusammenhang mit dem vegetarismus zu bedenken gilt:

vielleicht mag es sein, dass die vegetarische lebensweise zur verminderung von tierleid führt (ich selbst hege da zweifel, da mir nicht klar ist, wie man das messen könnte). unbestritten dürfte aber sein (und das deuten z.B. auch beat und luna in ihren beiträgen an), dass die vegetarische lebensweise zur qual zumindest gewisser tiere beiträgt, ja diese sogar unmittelbar verursacht. wenn wir nicht bloss der ansicht sind, dass es besser ist, wenn tiere weniger leiden, sondern darüberhinaus die auffassung vertreten, dass es grundsätzlich falsch ist, tiere für unsere zwecke zu nutzen (und zwar einerlei, ob in gestalt von fleischlieferanten oder 'bloss' in form von milch- oder eimaschinen), dann dürfte auch klar sein: der vegetarismus ist nicht schon deshalb ein schritt in die "richtige richtung" ist, weil er (vielleicht) auch zur verminderung von tierleid führt.

damit stellt sich natürlich die frage: unter welchen bedingungen ist denn der vegetarismus – wenn überhaupt (!) – ein schritt in die "richtige richtung"? in meinen augen lautet die antwort (und damit gehe ich mit beat einig): nur dann, wenn er (möglichst rasch) überwunden wird, und zwar zugunsten eines ethischen veganismus. tatsächlich besteht das beste am vegetarismus darin, dass wir ihn beiseite legen und vegan leben sollten.

denn halten wir am vegetarismus fest, so stehen wir entweder auf seiten der tierausbeuter (nämlich dann, wenn wir meinen, dass es richtig ist, tiere für unsere zwecke zu nutzen). oder aber wir nehmen in kauf, dass wir tiere völlig willkürlich auf ungleiche weise behandeln und damit aktiv dazu beitragen, dass die von uns benachteiligten tiere zusätzlichen qualen und leiden ausgesetzt sind.

zumindest aus meiner perspektive liegt keine dieser beiden varianten auf dem "richtigen weg".


THEORIE vs PRAXIS, ODER: WIE SCHWIERIG IST ES, VEGAN ZU LEBEN?

das alles mag theoretisch oder philosophisch klingen und noch nicht allzu viel über die praxis aussagen (wie das z.B. jörg und teilweise auch renato zu bedenken geben). davon abgesehen, dass mir bei dieser gegenüberstellung von theorie und praxis nicht sonderlich wohl ist, scheint mir folgendes doch ziemlich wichtig zu sein:

zwar geht es hier zunächst einmal um einen moralischen standpunkt (d.h. um die überzeugung, dass wir keine rechtfertigung haben, tiere als unser eigentum zu behandeln). doch ist dieser standpunkt nicht einfach ein abstrakt-philosophisches gebilde, im gegenteil: alle mir bekannten studien über leute, die sich ums wohl der tiere kümmern (und jetzt egal, ob es sich um bewusste fleischkonsumenten handelt, um vegetarier/innen oder veganerInnen), belegen, dass der ethische gesichtspunkt der wichtigste überhaupt ist: es sind in erster linie moralische überlegungen, welche diese leute dazu bringen, ihren umgang mit den tieren zu überdenken und entsprechend zu handeln.

nichts anderes aber versuche ich, wenn ich leute, die aus überzeugung vegetarisch leben, mit dem moralischen gesichtspunkt eines abolitionisten konfrontiere. mir geht es dabei nicht (nur) um eine theorie, die schlank und rank und in sich stimmig ist. es geht v.a. darum, gute gründe dafür zu liefern, unseren umgang mit tieren auf ganz grundsätzliche art und weise zu hinterfragen, und zwar ganz konkret auf die praxis und unseren alltag bezogen.

natürlich, ob gute gründe (falls es solche sind) auch gründe sind, danach zu *handeln*, muss – wie das renato richtig sagt – jede und jeder für sich selbst entscheiden.

dabei mag es dinge geben, die einem diesen entscheid – nämlich: vegan zu leben – einfach machen, andere, die sich als hindernisse erweisen. was mir am wichtigsten überhaupt scheint, ist die einsicht, dass es möglich ist, vegan zu leben. das mag auf anhieb trivial klingen, aber immerhin: niemandem von uns ist es möglich, aus eigener kraft eine tonne zu stemmen, aber (fast) alle von uns können vegan leben.

und genau darauf kommt es an: wir – und nur wir – haben es buchstäblich in der hand, denn wir allein sind es, die das recht der tiere, niemandes eigentum zu sein, tag für tag für tag und ganz konkret in die tat umsetzen können!

dazu brauchen wir keinem verein beizutreten (sorry, renato :-) ), auch müssen wir nicht an demos teilnehmen oder barrikaden errichten, noch haben wir auf den segen eines veganen gurus zu warten oder müssen uns nächtelang in die literatur über tierrechte vertiefen (natürlich, all das können wir auch).

nein, in gewisser hinsicht geht es viel, viel einfacher: wir müssen bloss "basta!" sagen zu jeder art und weise, wie empfindungsfähige wesen in blosse gebrauchsobjekte verwandelt werden. auf der ganz persönlichen ebene mündet diese haltung (wie charlotte sagt) in einen boykott sämtlicher "tierischer produkte", nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. in einer gesellschaft, in der über 90% prozent der leute die ausbeutung der tiere für selbstverständlich halten, bedeutet ein solch persönlicher boykott nicht "nichtstun", sondern ist aktivismus pur.

ob man diesen entscheid konsequent umsetzen kann, ob man (wie lisa fragt) 100% vegan leben kann?

vermutlich nicht. wir leben in einer durch und durch nicht-veganen welt. doch wichtiger als die frage nach prozenten, scheint mir die einsicht, dass es hier darum geht, mit allen uns verfügbaren mitteln das vermeidbare (die ausbeutung der tiere) zu vermeiden!

natürlich: auch wenn wir einmal davon absehen, dass es z.B. leute gibt, die aus gesundheitlichen gründen nicht vegan leben können, mag es immer noch gründe geben, weshalb das vermeidbare offenbar unvermeidbar ist. das wären dann wohl die hindernisse, vegan zu leben.

aber um welche gründe könnte es sich dabei handeln? ist es gewohnheit? bequemlichkeit? genuss? oder die angst, sozial isoliert zu werden, sei es am arbeitsplatz, in der schule oder im freundeskreis? welche gründe es auch immer sein mögen, mir scheint, es sollten wirklich gute gründe sein. zumindest sollten sie so gut sein, dass sie für uns eine rechtfertigung dafür bieten, den wert der tiere auf den nutzen und vorteil zu reduzieren, den wir aus ihnen ziehen.

falls wir aber meinen, dass dies keine sonderlich guten gründe sind, dann sollten wir nicht länger warten und am besten schon heute damit beginnen, vegan zu leben. oder wenigstens ab morgen früh. denn darüber ist selten genug die rede, wenn der veganismus immerzu als radikale lebensweise oder als "letzter schritt" bezeichnet wird: es macht wirklich spass, vegan zu leben! ehrlich wahr.



PS: jörg sowie renato und charlotte sprechen das problem der zwischenschritte an und damit auch die frage, wie man die abolitionistische position auf gesellschaftlich-politischer ebene umsetzen kann. und das zu recht! ich werd später mal versuchen, darüber was zu sagen.

Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Danke, lieber Klaus Petrus, für das sorgfältige Argumentarium in Sachen Veganismus. Ich möchte eine Bemerkung zu deiner Aussage machen, dass "vegan zu leben, wirklich Spass macht. Ehrlich wahr!"

Ehrlich war, vegan zu leben, macht Spass, sag ich auch. Dazu zwei Beispiele:

Spass beim Kochen: Man erfindet sich eine persönliche Küche; durchforstet Lebensmittelläden, Marktstände und Kochbücher nach Neuem, Unbekanntem und findet  immer wieder etwas, das so schön (ich meine nicht Tofu), so gut (Madras Curry) oder ganz einfach ist. Man entdeckt das, was Kochen mit Kulturwerten zu tun hat... 
Bei den ersten Streifzügen - auf der Suche nach veganen Produkten - durch die Lebensmittelabteilungen unserer Kaufhäuser wurde mir persönlich auch erst klar, in welch gigantischem Ausmass unsere Esskultur auf tierische Erzeugnissen abstellt. Von der Fleischabteilung einmal ganz abgesehen - Alles wird zugebuttert, bekäst, vereiert oder bemagermilchpulvert; kein Ende absehbar. So geht es auch auf allen (!) Speisekarten der Restaurants zu und her; selbst in der Vegi-Ecke werden die Speisen tierisch aufgerüstet.

Spass beim Erfinden einer neuen Landschaft: Meine vegane Lebenshaltung hat auch meinen Blick auf unsere Landschaft des schweizerischen Mittellandes verändert. Die Flächen werden heute grösstenteils für die Fütterung von Tieren verwendet. Das ist alles bekannt und da verspür ich auch viel Beklemmung dabei und auch Traurigkeit. Etwas Befreiendes hat es aber, sich auszumalen, was alles mit diesen Nutzflächen anzustellen wäre, wenn... Meine kleinste Lieblingsidee ist: eidgenössisch subventionierter Anbau von Knoblauch, anstatt ihn von China zu importieren. Es gäbe tausend fantastische Möglichkeiten, die Landschaft umzugestalten - nicht nur für heimischen Knoblauch, sondern auch für unsere Mitkreaturen im Tierreich - eben frei und divers.

Veganismus hat nur Vorteile!! smile Drum danke Dir, Petrus - und natürlich auch der Zeitschrift Vegi-Info für die Publikation!

Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Guten Tag
Seit 18Jahren lebe ich vegetarisch. Seit 2008 habe ich den Schritt vegan zu leben geschafft.
Ich bin froh ist es mir später als nie gelungen.
Nun ist bei mir auch das Bewusstsein am wachsen, dass wir "Vegis" Selbstbewusst zu der gewählten Ernährungsweise stehen müssen. Somit kann sich auch das "Bewusstsein" der Fleischesser ändern. Dort wird dann bewusst: "Was tue ich eigentlich den Tieren an". Wenn nicht wir den Tieren eine Stimme geben wer dann????
meine kleinen Schritte.
1.Vegetarierin 2. Veganerin 3.Tierschützerin 4.Stoppen des Hungers/Durst in der ganzen Welt "Lebensmittel gegen Futter"
schönä Tag
Elisabeth

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich befasse mich schon länger mit dem Tierschutz bzw. der Tierquälerei und stehe schon längere Zeit im Klintsch mit dem Fleisch essen, da ich ein grosser Tierfreund bin und selber viele Tiere bei mir habe. In der Zwischenzeit esse ich immer weniger Fleisch und schaue auch sonst genauer hin was ich kaufe und mittlerweile mag ich gar kein Fleisch mehr, aber wenn ich dann lese entweder auf ganz alles verzichten oder man "unterstützt" weiterhin die Tierausnützung das entmutigt mich sehr! Dann schaue ich bei mir im Stall umher und sehe den Sattel aus Leder, Zaumzeuge (obwohl ich schon viel in Nylon umgesetzt habe) und die Schuhe die ich anhabe, die mit Leder verstärkt sind. Und ich fühle mich hilflos. Ich denke einfach, jeder Schritt in die richtige Richtung ist wichtig. Nur noch z.B. zweimal die Woche Fleisch, genauer hinschauen woher sie das Fleisch kaufen, denn hier wo ich wohne (und sicher auch an anderen Orten), gibt es Bauern, die ihre Tiere gut halten und eine kleine Metzgerei, wo die Tiere nicht noch mehr Qualen ausgesetzt werden als nötig. Ich werde bald gar kein Fleisch mehr essen, aber man kann nicht immer ein "entweder oder" aussprechen sonder vielleicht mehr ein " weniger ist manchmal mehr" denn wirklich reine Pflanzenfresser sind wir nicht. Ich finde wenn ein "Fleischesser" schon zum Vegetarier wird ist das ein grosser Schritt! Milch und Eier usw. das ist wieder ein weiteres Thema, ich weiss! Aber auch da kann man als erstes mal genauer hinschauen!

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Ich finde es gut, dass du langsam gen Veganismus gehst (du hast ja erkannt, dass Tierprodukte problematisch sind), jedoch möchte ich dir einen Input mitgeben, damit du Veganer besser verstehen kannst bzw. verstehst, warum alle Tierprodukte und alle Nutzansprüche der Menschen an Nichtmenschen falsch sind.

Der Hauptpunkt gleich am Anfang: Was gibt dem Menschen das Recht, andere empfindungsfähige Tiere für seine Zwecke zu gebrauchen, seien das als Nahrungsmittelproduzent, Versuchsobjekt, Vergnügungsobjekt oder Arbeits"hilfe"?

Alle empfindungsfähige Lebewesen sind automome Individuen, die keinen Zweck für niemanden haben müssen, denn sie leben nur um ihrer selbst willen. Alle diese Lebewesen, ob Mensch oder Nichtmensch haben ein Interesse daran, ein unversehrtes Leben ohne Zwänge zu leben. Sie gehören einzig und allein sich selbst. Genauso wenig wie Weisse das Recht haben, dunkelhäutige Menschen für ihr Zwecke zu gebrauchen, haben Menschen kein Recht, Nichtmenschen für ihrer Zwecke zu gebrauchen.

Allen empindsamen Lebewesen stehen die Grundrechte auf Leben, Unversehrtheit, Freiheit und das Recht, nicht das Eigetum von jemand anderem zu sein, zu.

Du siehst also die Rechte der Tiere nur mit Veganismus geachtet werden können und deshalb gilt es Veganismus statt Biofleisch, Tierrechte statt Tierschutz zu fordern. Denn wenn auch Bio-Rinder (teilweise) ein wenig "bessere" Lebensbedingungen haben, so sind sie immer noch Sklaven und haben keine Rechte. Tiernutzung, egal wie "human" es auch passiert, ist moralisch nicht rechtfertigbar und deshalb verwerflich.

Dies soll dir einen Antrieb geben und nicht desillusionieren ;-) Mit Veganismus siehst du ein Licht im Tunnel der Tiersklaverei. Nun liegt es an dir ob du mit dem Auto durchfahren willst und ein paar Monate hast bis du aus dem Tunnel bist, oder ob du dich in einen Beamer setzst und gleich ins Licht befördert wirst :-)

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Hallo Kügelchen
Ich gehe davon aus, dass niemand, der in diesem Forum schreibt sofort vom unbewussten Fleischesser zum bewussten Bio-Fairtrade-Veganer geworden ist.

In unserer Vegi-Info lassen wir alle Meinungen zu Wort kommen, da wir davon ausgehen, dass unsere Leser mit verschiedenen Meinungen umgehen können.
Die Artikel zwingen niemanden zu irgend etwas, sie sollen nur Denkanstösse geben.
Die SVV ist der Meinung dass die verschiedenen Gruppen (Tierschützer, Vegetarier, Veganer, Tierrechtler) ihre Berechtigung haben. Deshalb ist auch dieses Forum für alle offen.

Wir denken nicht, dass  es ein entweder-oder geben muss, sondern ein sowohl-als-auch.
Ein Kampf zwischen den verschiedenen Vorgehensweisen wäre für niemanden sinnvoll.

Norm Phelps hat dies in seinem Artikel gut aufgezeigt: Einbahnstrassenaktivismus: Tiere zahlen den Preis.

Die Gefahr besteht aber natürlich, dass man sich mit dem bereits Erreichten zufrieden gibt. Wir alle sind auf dem Weg und können uns weiter verbessern. Deshalb ist es auch angebracht ab und zu einen Artikel, wie den von Klaus Petrus zu lesen. Auch wenn man nicht in allem mit ihm überein stimmt.

Ich wünsche dir jedenfalls weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg.
Es ist besser sich dem Ziel in kleinen Schritten zu nähern als stehen zu bleiben, weil das Ziel unerreichbar erscheint.

Gruss
Renato

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Re: Vegi-Info (2008/1) Vegetarisch oder vegan?

Renato schrieb:

Ich gehe davon aus, dass niemand, der in diesem Forum schreibt sofort vom unbewussten Fleischesser zum bewussten Bio-Fairtrade-Veganer geworden ist.

Doch doch, so Freaks gibt es; zumindest während dem Steakessen zu entscheiden; Hoppla, und ab jetzt vegan ;-) Ok, Bio-Fairtrade war da noch nicht optimal abgedeckt :-)