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Ich allein kann doch ohnehin nichts verändern

Behauptung:

Ich alleine kann doch ohnehin nichts bewirken, auf mich kommt es ja gar nicht an. Wenn ich nun aufhören würde, Fleisch zu essen, so fiele das angesichts der vielen Menschen, die weiter Fleisch essen, gar nicht ins Gewicht. Deshalb hätte es überhaupt keinen Sinn, wenn ich jetzt Vegetarier würde.

Richtigstellung:

1. Diese Argumentation ist vom moralischen Standpunkt aus betrachtet ziemlich eigenartig. Das sieht man sofort, wenn man sich einen ganz analogen Sachverhalt vergegenwärtigt: Jeden Tag werden auf der Welt Tausende von Menschen umgebracht und jeden Tag verhungern auf der Welt Tausende von Menschen. Es fiele also auch überhaupt nicht ins Gewicht, wenn ich auch noch jemanden umbringen würde. Dennoch kenne ich niemanden, der so argumentieren würde, um einen Mord zu rechtfertigen.

2. Die Fleischindustrie ist nicht der einzige Bereich, in dem Dinge, die wir verurteilen, passieren, ohne dass wir sie durch unser Handeln unmittelbar entscheidend beeinflussen können. Man denke etwa an das Wettrüsten. Was haben wir dagegen gemacht? Wir haben dagegen demonstriert!

Vegetarisch zu leben, ist auch eine Art Demonstration. Wir signalisieren und bekennen damit, dass wir es für falsch und unverantwortbar halten, Tieren aus einem so trivialen Grund wie dem Wunsch nach einem bestimmten Geschmackserlebnis Leiden zuzufügen und das Leben zu nehmen.

Vegetarier zu werden, ist aber nicht irgendeine Demonstration gegen das Quälen und Umbringen von Tieren für unseren Gaumenkitzel. Es ist vielmehr die einzige glaubwürdige und das heisst die einzige erfolgversprechende Demonstration: Kein Mensch kann jemand anderen von der Falschheit einer Verhaltensweise überzeugen, die er selbst praktiziert!

Darüber hinaus ist die vegetarische Lebensweise, im Unterschied zu anderen Demonstrationen, bei genügendem Umfang, das heisst bei genügend vielen Beteiligten, gleichzeitig und unmittelbar ein Erfolg in der Sache selbst: Während andere Demonstrationen (zum Beispiel gegen das Wettrüsten) auch bei noch so grossem Umfang immer nur die Voraussetzung für die gewünschte Veränderung sind, ist der Vegetarismus gleichzeitig das Ziel selbst: die Verhinderung des unnötigen Leidens und Sterbens von Tieren.

3. Die Grenzen zwischen persönlicher Ohnmacht und Macht sind fliessend und veränderbar. Man denke etwa an den Umweltschutz: Auch hier gibt es Mechanismen und Strukturen, die der einzelne zunächst einmal nicht unmittelbar beeinflussen kann (zum Beispiel die Verwendung von nicht wiederverwertbaren Materialien von seiten der Industrie). Dennoch verhalten sich überzeugte und konsequente Umweltschützer so, als könnten sie diese Mechanismen und Strukturen beeinflussen. Und als Folge hiervon zeigt sich, dass der einzelne bzw. die Summe der einzelnen, durch ihr Verhalten tatsächlich etwas bewegen können!

4. Keine der grossen und schliesslich erfolgreichen Protestbewegungen gegen Unrecht, Unterdrückung und andere Missstände wäre je entstanden, wenn sich deren Initiatoren und Anführer erst dann bemüht hätten, als sie sich des Erfolges schon sicher waren. (Peter Singer) Das mutige und konsequente Eintreten einzelner für Ideen, die sie für richtig halten, ist die unerlässliche Voraussetzung für jede grundlegende Veränderung und Entwicklung.

5. Alle grossen Verbrechen funktionieren nur durch die vielen kleinen Mitläufer, die sich vor der persönlichen Verantwortung drücken und deren «Rechtfertigung» immer dieselbe ist: «Was hätte ich tun sollen? Auf mich ist es doch gar nicht angekommen!»

Dies ist ein Auszug aus dem vergriffenen rororo–Taschenbuch «Leichenschmaus – Ethische Gründe für eine vegetarische Ernährung» von Helmut F. Kaplan, ISBN 3-499-19513-5, Seite 202f.

Homepage des Autors: Tierrechte.



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