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Menschen, die sterben, um Bäume und Tiere zu retten

Khejerli - dieses ruhige Dorf in der Thar-Wüste, das vor über 250 Jahren Schauplatz des blutigen Opfers von 363 Menschenleben für die Erhaltung von grünen Bäumen war, ist auf dem Wege, ein Symbol des Naturschutzes der Welt zu werden.

Was 1730 im Dorf Khejerli geschah, muß mit goldenen Buchstaben in das Geschichtsbuch des Umweltschutzes geschrieben werden.
Im Dorf Khejerli gab es etliche Khejri-Bäume. Diese Bäume können in der kahlsten Wüste Wurzeln treiben und überleben. Ihre Blätter und Früchte geben dem Vieh Nahrung. Die Bishnoi fällen niemals einen Baum und erlauben anderen dies ebenfalls nicht.

"Wenn der Kopf fällt, aber der Baum ist gerettet, ist es ein guter Tausch gewesen"
heißt ein berühmtes Bishnoi-Sprichwort.


Laut der Geschichte begann das Massaker an einem Dienstag im September 1730 während der Herrschaft von Maharaja Abhay Singh. Man sagt, der Maharaja benötigte Holz für die Konstruktion seines neuen Palastes und schickte Holzfäller und Soldaten los, um Khejri-Bäume in den Dörfern der Bishnoi zu fällen.

Die Bishnoi sind durch die Lehren ihres Guru Jambeshwar verpflichtet, Pflanzen- und Tierleben sogar unter Einsatz ihres Lebens zu beschützen und haben während der 500 Jahre ihrer Existenz den Preis ihrer Ehrerbietung an Jambeshwar ohne Zögern gezahlt.

Als die Soldaten anfingen, die Khejri-Bäume zu fällen, forderten die Dorfbewohner sie auf, aufzuhören und umzukehren oder sie würden sich an die Bäume klammern und für sie sterben. Der Anführer der Soldaten befahl seinen Männern, jeden, der sich an die Bäume klammerte, zu köpfen. Daraufhin umarmte Amrita Devi, eine Frau, den Stamm eines Khejri-Baumes. Erst als ihr Kopf abgetrennt wurde und auf den Boden fiel, konnte der Holzfäller daran gehen, den Baum zu fällen. In der Zwischenzeit jedoch nahm die älteste Tochter Ratni die Position der toten Mutter ein und wurde ebenfalls geköpft. Zwei weitere Töchter, Ansu und Bhagu wurden ebenfalls zu Märtyrern.

Die Soldaten hackten ihren Weg weiter durch die Menschen und Bäume in ihrem Bestreben nach Holz. Innerhalb einer Woche gaben 363 Bishnoi (69 Frauen und 294 Männer und Kinder) ihr Leben für die Lehre ihres Glaubens und Tausende waren bereit, denselben Weg in die Erlösung zu gehen. In Panik geraten, wegen der möglichen Konsequenz solcher bestialischer Morde zogen sich die Soldaten nach Jodhpur zurück.

Die Bishnoi zählten und verbrannten ihre Toten und gingen dann nach Jodhpur, um sich bei dem König zu beklagen. Dort gab ihnen der geschockte Maharaja ein "tamrapata" - eine schriftliche Verpflichtung, wonach von nun an in seinem Königreich kein Baum mehr in einem Bishnoi-Dorf gefällt werden darf und auch keine Tiere im Gebiet der Bishnoi getötet werden dürfen.

Dies ist nur das dramatische Beispiel, in dem diese Gläubigen ihre Doktrin "Leben für alles Lebende" zum logischen Schluß gebracht haben. Laut alten Marwari-Texten fand das erste Beispiel im Sommer 1610 im Dorf Ramasari statt. Nachdem ihr Versuch scheiterte, Holzfäller davon abzuhalten, Khejri-Bäume zu fällen, verloren zwei Frauen, Karmani und Gauri Devi auf dem Marktplatz ihr Leben.

Die Bishnoi müssen immer Opfer geben, wenn die Natur angegriffen wird und in solchen Fällen werden diejenigen, die sich opfern, von ihren Glaubensbrüdern als Märtyrer verehrt.

Man muß erwähnen, daß der Khejri-Baum nicht nur ein robuster Wüstenbaum ist, sondern von den Bishnoi auch für sehr heilig gehalten wird.

In einem anderen Fall wurden 1653 im Dorf Lambelau 17 Einwohner geköpft, während sie den Khejri-Baum schützen wollten. Die genaue Geschichte hierzu ist nicht bekannt.

In einem undatierten Fall im Dorf Khejerli fällten Thakur Gopal Das Bhati und seine Männer Khejri-Bäume trotz des Protestes der Bishnoi. Als Buße gaben Kheoni Devi, Notu Devi und Mota Bishen Bhagat am nächsten Tag ihr Leben.

Trotz des Befehles des Maharaja Abhay Singh waren die Bishnoi jedoch nicht ganz ungestört vor Jägern und bis in die jüngste Zeit sind die Bishnoi mit einem Lied auf den Lippen gestorben. Der Spruch "Wenn der Kopf abgeschlagen wird und der Baum lebt, dann hat es sich gelohnt, zu leben", wurde Amrita Devi zugesprochen, als sie bei dem Massaker am grünen Khejri-Baum starb.

In wenig bekannten Dörfern in der Rajasthan-Wüste haben Männer und Frauen ihr Leben geopfert, um eine gefährdete Pflanze oder ein gejagtes Tier innerhalb und außerhalb der Dörfer zu retten. Die Bishnoi sind einzigartig in der Hingabe gegenüber dem Schutz aller Lebensformen, die sie sogar mit ihrem Leben verteidigen.

1947 hörte der 45jährige Arjun Ram aus dem Dorf Bhagtasani, in der Nähe von Jodhpur, Schüsse aus der Richtung des Dorfsees. Er traf Ratan Singh und seine Freunde, die Hunde jagten. Arjun ging dazwischen und wurde angeschossen. Er starb wenig später im Krankenhaus.

1963 forderte der Bishnoi Bhinyaram des Dorfes Bhaner, in der Nähe von Jodhpur, eine Gruppe von Jägern heraus und wurde erschossen. Chunaram aus dem Dorf Rohichaktla, zwischen Jodhpur undBarmer gelegen, starb auf ähnliche Weise. Mehrere andere Bishnoi wurden in diesem Zusammenhang ebenfalls angeschossen.

Als Birbalaram im Dorf Lohavat sogar noch 1987 starb, um einer Gazelle das Leben zu retten, besuchte ein Beauftragter des Umweltschutzes dessen Familie, um seine Unterstützung anzubieten. Als er die Ereignisse des historischen Heldentums der Bishnoi gehört hatte, entschloß er sich, auch Khejerli zu besuchen. Dort wurde ihm ein Platz im Dorf gezeigt, auf dem kein Grashalm wegen des Blutvergießens vor 275 Jahren wächst. Heute steht ein Denkmal mit allen 363 Bishnoi-Namen auf diesem Platz.

1990 forderte Birbal Khichar Soldaten heraus, die am Rande seines Dorfes Lohavat gejagt hatten. Er wurde erschossen. Später wurden seine Mörder verhaftet und zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt.

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